16.05.2019 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Italien
Lebensmittel immer öfter gefälscht
Italienische Lebensmittel werden auf der ganzen Welt immer öfter gefälscht und nachgeahmt. Am meisten betroffen ist Käse, Wurst und Olivenöl. Grund für die Fälschungen sind gemäss Verbänden vor allem Handelskonflikte.

Wie der mitgliederstärkste italienische Landwirtschaftsverband (Coldiretti) und die Branchenvertretung der Agrar- und Ernährungswirtschaft (Filiera Italia) vergangene Woche berichteten, hat der Verkaufswert der vermeintlich original italienischen Nahrungsmittel in den vergangenen zehn Jahren um 70% auf zuletzt mehr als 100 Mrd. Euro (114 Mrd. Fr.) zugelegt.

Reiche Nationen kopieren

Global seien mehr als zwei von drei verkauften italienischen Produkten gefälscht beziehungsweise erweckten durch irreführende Bezeichnungen, Abbildungen, Ortsnamen und Inhaltsangaben den Eindruck, ein original italienisches Lebensmittel zu sein. Betroffen sind nach Angaben der Verbände nahezu alle Arten von Erzeugnissen. Anders als beispielsweise im Modesektor passiere dies allerdings nicht vorwiegend in ärmeren Ländern, sondern stattdessen vor allem in reichen Nationen wie den USA und Australien sowie in Schwellenländern.

Am öftesten sind laut Coldiretti Käse betroffen, und zwar insbesondere die Hartkäse Parmigiano Reggiano und Grana Padano. Viele Nachahmer fänden auch die namhaftesten Wurstwaren, natives Olivenöl sowie Weine und Spirituosen. Die italienische Agrar- und Ernährungswirtschaft geht davon aus, dass durch die ausländischen Imitationen rund 300'000 Arbeitsplätze im Land verlorengegangen sind.

Handelskonflikte

Neben der sehr hohen Nachfrage nach italienischen Lebensmitteln machen die Verbände vor allem Handelskonflikte für die vielen Fälschungen und Imitate verantwortlich. In Russland habe das Embargo für Agrarprodukte und Lebensmittel aus westlichen Staaten beispielsweise einen „regelrechten Boom“ in der Produktion von gefälschten Lebensmitteln „Made in Italy“ ausgelöst. Weitere Handelshemmnisse würden das Problem verstärken;  Insbesondere die Spannungen zwischen der EU und den USA seien „besorgniserregend“.

Der Geschäftsführer von Filiera Italia, Luigi Scordamaglia, verwies auf die Bedeutung der Vereinigten Staaten für die Exporte der heimischen Branche. Die USA seien der bedeutendste Markt ausserhalb Europas, daher müsse Italien bei den Verhandlungen eine „führende Rolle“ spielen. Bereits heute würden auf dem US-amerikanischen Markt vermeintlich italienische Produkte im Wert von 23 Mrd. USD (23,2 Mrd. Fr.) gehandelt.

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