29.01.2018 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Land
«Man ist ohnmächtig»
Der Diegter Bauer Bertrand Bollag kämpft gegen die Möglichkeit einer Deponie, die praktisch vor seine Haustür reichen würden. Noch hat der Kanton nichts beschlossen. Bollag sieht sein Lebenswerk bedroht – und kämpft.

Baselland soll neue Deponien erhalten, Endlagerstätten für Baustoffe, Schutt, Sand, Betonbruch, Kippen für Aushub und Humus und Schotter und was sonst noch so anfällt, wenn Gebäude gebaut oder abgerissen werden.

Kein Bauschutt

Nach einem ersten Evaluationsverfahren, über dessen Inhalt die betroffenen Gemeinden vor mehr als einem Jahr informiert wurden, gab die Bau- und Umweltschutzdirektion, kurz BUD, im vergangenen August die 14 möglichen Standorte bekannt. Einer davon liegt in Diegten. Die Pläne des Kantons werden in den betroffenen Gemeinden mit gemischten Gefühlen aufgenommen, mancherorts ist man dem Ganzen wohlgesinnt, andernorts kritisch – und in Diegten schockiert.

Obwohl das zu relativieren ist, denn der Gemeinderat selbst steht dem Vorhaben, nicht nur die existierende Deponie Bruggtal zu vergrössern, sondern auch eine zweite Deponie für unverschmutztes Aushubmaterial einzurichten, positiv gegenüber, das bestätigt die Gemeindeverwaltung auf Anfrage. Unverschmutzt bedeutet: kein Bauschutt, sondern lediglich Aushubmaterial.

5 Meter vor der Haustür

Der Standort der neuen Deponie befände sich im Gebiet Isenthal/Asp. Just hier bewirtschaftet Landwirt Bertrand Bollag mit seiner Familie den Hof Wisechen. Er ist überzeugt: Würde die Deponie genehmigt, ginge nicht nur ein Stück Oberbaselbieter Natur an die Deponie verloren, sondern auch rund sechs Hektaren seines Landes.

Ausserdem sei der Betrieb mit einer Grossbaustelle vergleichbar – und nicht nur das: «Der Deponieperimeter würde bis etwa fünf Meter vor unsere Haustür reichen.»

Seit 40 Jahren aufgebaut

Spricht Bertrand Bollag über seinen Betrieb, spricht er von einem Biotop. Denn er liebt sein Land und den Hof, den er seit Jahr und Tag auf biologischen Anbau umgestellt hat als einen der ersten im Kanton. Er schwärmt von den eigens gepflanzten Hecken und Hochstammobstbäumen, den Magerwiesen mit den 78 verschiedenen Pflanzenarten, seiner Mutterkuhherde.

«Wir haben das alles über 40 Jahre aufgebaut, und das würde wortwörtlich unter der Deponie begraben», sagt er. Denn Bertrand Bollag fürchtet sich nicht nur vor einer Verkehrszunahme, vor Lärm und Staub und einer «Verschandelung der Landschaft», wie er sagt. Er sieht sein Lebenswerk bedroht – und seine wirtschaftliche Existenz.

Staub pferdefeindlich

«Wir könnten die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, nicht aufrechterhalten.» Als Beispiel nennt er die Pensionspferde, deren Halter neue Höfe suchen würden – «denn LKW-Verkehr und Staub sind absolut pferdefeindlich.» Ausserdem sei die Übergabe des Betriebs an den Nachwuchs geregelt, auch dies hänge nun plötzlich in der Schwebe.

Mit einer eigens aufgeschalteten Homepage mobilisiert Bertrand Bollag die Öffentlichkeit und warnt vor den Folgen einer Deponie im Isenthal für die Natur und seine Existenz – schliesslich fiele, sagt er, ein weiterer Bauernhof Bautätigkeiten zum Opfer, «und jeder Hof, der zerstört wird, ist einer zu viel.»

Werden nicht gehört

Auch auf Facebook und Instagram führt er seinen Kampf. Wie aussichtsreich dieser ist: Bertrand Bollag zaudert, weiss um die behördliche Übermacht des Kantons, der man ohnmächtig gegenüberstehe, ausgeliefert sei, wie er sagt – «eine Erfahrung, die, wie ich fürchte,  schon viele Landwirte machen mussten.» Komme hinzu: Zahlreiche Schreiben an die zuständige Regierungsrätin seien unbeantwortet geblieben. «Wir werden einfach nicht gehört!»

Eigentlich wollte der Baselbieter Regierungsrat nämlich noch im vergangenen Jahr einen Entwurf der für die neuen Deponien nötigen Richtplan-Anpassung vorlegen. Bertrand Bollag hat bis heute noch nichts vom Kanton gehört. Ob das Diegter Tal also in das finale Evaluationsverfahren aufgenommen wird: Er weiss es nicht. Nicht nur ohnmächtig und ausgeliefert fühlt er sich darum. Auch gelähmt.

www.deponie-diegten.ch

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE