28.10.2016 17:00
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Freihandel
«Marktöffnung für Agrarprodukte kommt»
Heute fand in Luzern die zweite Fachkonferenz Brennpunkt Nahrung statt. Thema war "Bestehen im Wettbewerb". Wichtige Punkte der Veranstaltung waren der Freihandel und die Swissness.

Der Wettbewerb werde sich verstärken, sagte Markus Zemp, Präsident des Conference Board, zu Beginn der Konferenz. Zemp bekräftigte seine Worte mit der aktuellen Zustimmung Belgiens zum Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada.

"TTIP ist nicht tot"

Martin Naville, Swiss-American Chamber of Commerce, sprach zum Thema TTIP. Er begebe sich mit seinem Referat wahrscheinlich in die Höhle des Löwen, kündigte Moderatorin Eveline Kobler an. Die Medien würden TTIP schon als tot bezeichnen, leitete Naville sein Referat ein. "TTIP ist keineswegs tot", zeigte er sich aber überzeugt. Naville geht davon aus, dass der Vertrag zwar nicht dieses Jahr, aber um 2019/20 mit bescheidenerem Umfang zustande kommt.

Trotz kleinerem Umfang: Dass eine Marktöffnung für Agrarprodukte kommt ist für Naville sehr wahrscheinlich. "Die französischen Bauern werden zwar mit Traktoren etwas die Champs-Élysées rauffahren, aber niemand wird den Handelsüberschuss mit den USA aufs Spiel setzen", so Naville. Bei TTIP stehe für die Schweiz viel auf dem Spiel. Darunter die Exporte in die USA, die Exporte in die EU sowie ausländische Investitionen durch Schweizer Firmen und ausländische Investitionen in der Schweiz.

Grosse Chancen


"TTIP ist eine grosse Chance für die Schweiz", so Naville. Man wäre damit ein gleichwertiger Partner im grössten Handelsraum der Welt. Zudem würde gemäss Naville das Exportland Schweiz gestärkt. Aber es brauche teure Anpassungen, wobei die Landwirtschaft die teuerste sei. Mit der Anpassung müsse man aber früh anfangen, nicht erst wenn es zu spät sei.

Ceta, das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada, sieht Naville auch als Übungsfeld für die Schweiz an. So könne man jetzt mal testen, wie es sei, ausserhalb eines Freihandelsabkommens zu stehen.

Grenzschutz als Pfand

Was war zuerst da: der Grenzschutz oder der Mangel an Wettbewerbsfähigkeit? Es sei ein Teufelskreis, gab BLW-Direktor Bernard Lehmann als Antwort auf seine selbst gestellte Frage. Lehmann zeigte auf, dass die Schweiz zusammen mit Japan, Island und Norwegen einen hohen Schutzgrad aufweist und eine grosse Differenz zu anderen Staaten und der EU besteht. Diese grosse Differenz mache Angst, so Lehmann.

Doch der Grenzschutz, den die Schweizer Bauern noch haben, sei auch ein Pfand, wenn man in die Verhandlungen gehe. "Der Grenzschutz hat einen Wert für solche Verhandlungen", so Lehmann Er werde immer wieder gefragt, wieso man vorauseilenden Gehorsam zeige. Die Einstellung der Fragenden kann Lehmann nicht nachvollziehen. Sobald die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses über 0 liege, müsse man sich damit beschäftigen. Dabei nahm er Kodak als Beispiel, das vom Weltmarkt im Nichts verschwand, weil die Digitalisierung verschlafen wurde.

"Man muss über eine Marktöffnung sprechen können"

Man sollte über eine Marktöffnung diskutieren dürfen, appellierte Lehmann. Doch das könne man mit der Landwirtschaft derzeit kaum. "Ich bin realistisch genug zu sehen, dass es dazu einen externen Anlass braucht", so der BLW-Direktor. Lehmann regte an, Anreize zu schaffen, die Betriebe dazu animieren, sich auf den Märkten weiterzuentwickeln und das Angebot auf die Bedürfnisse der nationalen und internationalen Märkte abzustimmen. Schon mit 1-2 Prozent der Direktzahlungen für solche Projekte wäre viel getan, so Lehmann.

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