14.07.2014 07:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Ueli Frei
Basel-Land
«Mehr in die Landwirtschaft investieren»
Lukas Kilcher, seit November 2013 Leiter des LZ Ebenrain in Sissach, sitzt schon nach wenigen Monaten fest im Sattel. Er möchte in eine professionell produzierende Landwirtschaft investieren und regionale Produkte fördern.

«Schweizer Bauer»: Herr Kilcher, beim Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in Frick hatten Sie während 20 Jahren einen spannenden Job. Warum liessen Sie sich vom LZE abwerben?
Lukas Kilcher: Am FiBL war ich sehr glücklich, ich hatte äusserst erfüllende und herausfordernde Aufgaben. Doch die Leitung des LZE beinhaltet natürlich spannende und neue Herausforderungen. Das ist prickelnd und weckt Energien. Der Aufgabe, die Land- und Ernährungswirtschaft im Baselbiet vorwärtszubringen, begegne ich mit sehr viel Freude, Engagement, aber auch mit viel Respekt. 

Wie war Ihr erster Eindruck, als Sie im letzten November die Stelle antraten?
Ein grosser Glücksfall für mich ist das Team. Wir haben in allen Bereichen sehr motivierte und kompetente Leute, auf die ich mich verlassen kann. So kann ich mich strategischen und konzeptionellen Aufgaben widmen. Es ist mir ein grosses Anliegen, die Bedürfnisse der regionalen Land- und Ernährungswirtschaft aufzunehmen und einen guten Dialog zu führen.

Wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre?
Wir müssen dafür sorgen, dass wieder mehr in die Land- und Ernährungswirtschaft investiert wird. Leider geht der Trend in die andere Richtung. Der Anteil der Haupterwerbsbetriebe nimmt ab. Auch die Agrarpolitik läuft in die falsche Richtung. Es werden jene Bauern belohnt, die extensiver arbeiten und als Ergänzung einen Nebenerwerb erzielen. Viele Bauern kritisieren das.

Was werden Sie dagegen unternehmen?
Mit dem Bauernverband beider Basel haben wir ein Positionspapier für die Agrarpolitik 2018+ erarbeitet und sind daran, ein Leitbild für die Baselbieter Landwirtschaft zu entwickeln. Wir wollen eine professionelle Landwirtschaft fördern.

Und wie profitieren die Bauern davon?
Es muss uns gelingen, die Markt- und Produktionschancen besser zu nutzen. In einigen Sektoren verlieren wir Marktanteile an andere Regionen, so zum Beispiel im Steinobstbau. Im Grossraum Basel haben wir 350'000 Konsumentinnen und Konsumenten. Davon sind viele interessiert an qualitativ hochstehenden, ökologisch und sozial nachhaltig produzierten Lebensmitteln aus der Region. Da liegt noch einiges brach, vor allem bei den Spezialkulturen.

Wie geht das LZE als gutes Beispiel voran?
Der Ebenrain muss Investitionen in der Landwirtschaft ermöglichen. Allerdings müssen wir zuerst unsere Hausaufgaben lösen. Wir wollen die fachlichen Kompetenzen stärken, aber auch der Gutsbetrieb erhält eine Modernisierung.

Die Stallungen des Ebenrain sind derzeit eine grosse Baustelle.
Bei der Schweine- und Hühnerhaltung wurden aufgrund der Biorichtlinien Anpassungen nötig. Das war der Auslöser für die Erweiterung. Die Schweine bekommen ein schattiges Wühlareal, und der Hühnerstall wird grosszügiger. Dazu kommt ein neuer Stall für die Pensionspferde. Last, but not least gibt es zehn zusätzliche Plätze für Milchkühe.

Wie steht es grundsätzlich um den Biolandbau in der Schweiz?
Der Markt wächst seit vielen Jahren ungebrochen. Wir sind Weltmeister im Biokonsum pro Kopf. Daraus ergeben sich sehr viele Chancen, die aber die Schweizer Produzenten nicht immer nutzen. Das Baselbiet verfügt mit über 13 Prozent bereits über einen hohen Anteil. Besonderes Potenzial sehe ich zurzeit beim Getreide und bei den Ölsaaten, bei Gemüse, Steinobst, Beeren sowie bei Bio Weide-Beef, Poulets und bei den Eiern.

Die Schweizer Biorichtlinien sind strenger als jene unserer Nachbarländer. Rechnen Sie mit einer Lockerung?
Aufgrund des Erfolgs hat Bio Suisse keinen Grund, die Richtlinien zu lockern. Mit der Knospe hat sich eine starke Marke etabliert. Die Bio-Suisse-Richtlinien dienten zudem als Grundlage für die internationalen Richtlinien des Dachverbands Ifoam (International Federation of Organic Agricultural Movements).

An der Ecole d’ingénieurs d’agro-développement international in Paris bilden Sie Agronomen für die Entwicklungszusammenarbeit aus. Warum sollen Entwicklungsländer Biolandbau betreiben?
Viele ärmere Bauernfamilien müssen ausschliesslich mit den hofeigenen Ressourcen auskommen. In meiner Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit habe ich an vielen Beispielen erfahren, dass die Kreislaufwirtschaft, wie sie Biolandbau anstrebt, die richtige Lösung ist. Aus Hofdünger und Ernteresten lässt sich ein qualitativ guter Dünger produzieren. Ein Schlüssel ist auch die Bodenfruchtbarkeit.

Wäre angesichts des Hungers eine Ertragsmaximierung mit konventionellen Methoden nicht sinnvoller?
Die Zukunft liegt in einer Landwirtschaft, welche möglichst sparsam und effizient mit den natürlichen Ressourcen umgeht und den Boden möglichst nachhaltig bewirtschaftet. Maximale Erträge auf Kosten von Mensch und Natur haben keine Zukunft. 

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