8.12.2016 07:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Käsemarkt
«Mehrwert vor allem bei reifem Emmentaler AOP»
Roland Sahli von der Käsehandelsfirma Gourmino sieht für den Emmentaler AOP das Heil in der Nische mit reifem Käse.

Der Gegensatz war gross. An der Käsereitagung der ZMP in Sempach LU hielt zuerst Stefan Gasser, Geschäftsführer der Sortenorganisation Emmentaler AOP, kürzlich ein Referat voller Zuversicht für den Emmentaler AOP. Die Geschäftsstelle glaube an eine erfolgreiche Zukunft dieses exzellenten Käses, so Gasser mit viel Schwung und Begeisterung in seinen Aussagen. Nach ihm sprach Roland Sahli, Geschäftsführer der Käsehandelsfirma Gourmino AG. Diese vertreibt den Käse von zehn Emmentaler-Käsereien und drei Gruyère-Käsereien. Er zog ein kritischeres Fazit.

«Milder Käse ist ähnlich»

Sahli schickte voraus: «Bei den Mehrwerten ist entscheidend, was beim Konsumenten ankommt.» Die ES setze dabei auf die Kommunikation folgender Mehrwerte: Herkunft und Image Schweiz, Rohmilch, gewerbliche Käserei, Know-how Käsermeister, Know-how Kulturen und Käsequalität. Aber in seiner persönlichen Sicht gelangten zu den Konsumenten davon nur Herkunft und Image Schweiz und Käsequalität an.

Aber auch Letztere schränkte Sahli noch ein: Degustationen mit Kunden hätten gezeigt, dass bei mildem Emmentaler AOP der Geschmack nahe bei Allgäuer oder französischem Emmentaler liege. «Je reifer der Käse, desto stärker geht die Schere auseinander», betonte Sahli. In diesem reifen Segment gebe es sicher einen Mehrwert und auch einen Mehrpreis, beim milden Segment aber sei er «davon nicht überall überzeugt».

Kritischer Blick voraus


Auf dem anschliessenden Podium sagte Sahli: «Es ist ein langer Weg, die Konsumenten von den reifen Käsen zu überzeugen. Aber sind diese einmal gewonnen, bleiben sie treu.» Gourmino setze alles daran, alle genannten Mehrwerte auch wirklich an die Kunden zu bringen. Beim Slow-Food-Gotthelf-Emmentaler könne sogar das Know-how bei den Kulturen teilweise vermittelt werden. Gourmino setze auf lange gereifte Käse. Dazu sei beste Käsequalität nötig.

«Unsere Käsereien sind Familienbetriebe, welche die Milch von lokalen Bauern täglich frisch verarbeiten. Wir setzen uns für kleine Käsereien, lokale Verarbeitung und traditionelle Herstellung ein», so Sahli. Er zweifle an der Bereitschaft der Emmentaler-AOP-Branche, die Nische zu akzeptieren. «Einige wollen eben möglichst viel produzieren», sagte Sahli, der die Mengen in den nächsten vier Jahren aber näher bei 15'000 als bei 20'000 t sieht (2015 waren es 18'843 t). Sahli schloss wie folgt: «Persönlich glaube ich nicht, dass es im Export ausserhalb von Nischenmärkten langfristig Mehrwerte gibt, welche den Käser- und Bauernfamilien eine Perspektive ermöglichen würden.» 

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