15.05.2014 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Messen
Messen: Landwirtschaft darf mehr wagen
Eine Messepräsenz der Land- und Ernährungswirtschaft ist auch im Zeitalter des Internets wichtig, finden Experten. Dabei dürfte durchaus mehr gewagt werden. Herausforderung ist es, die Jungendlichen zum Messebesuch zu motivieren.

Ist eine Messepräsenz der Land- und Ernährungswirtschaft im Zeitalter des Internets überhaupt noch sinnvoll, zumal ein Auftritt teuer und der Nutzen schwierig zu beziffern ist? Ja, sagte Michael Reinhold, Marketing-Experte von der Universität St. Gallen, an der Delegiertenversammlung des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes.

Plattform

Die virtuelle Kommunikation, wie sie im Internet stattfinde, vermag Kommunikation, wie sie an Messen ablaufe, nicht zu ersetzen. Messen ermöglichten eine Begegnung in einem emotional ansprechenden Umfeld, sie seien ideal für die Pflege und Gewinnung von Kunden. Ein Vorteil sei, dass Besucher Produkte anfassen, Lebensmittel degustieren und Neues entdecken könnten. Für Bauern seien Messen zudem eine Plattform, um sich zu treffen und auszutauschen.

Reinhold zeigte sich begeistert: Anders als auf Industriemessen sei auf Landwirtschaftsmessen viel los. Diese wirkten denn auch als Publikumsmagnete. Landwirtschaftsnahe Messen, so Reinhold, hätten in den letzten Jahren ihre Besucherzahlen steigern können, während diese bei allgemeinen Publikumsmessen stagnierten. Reinhold sieht die Landwirtschafts-Präsenz an Messen positiv: "Sie sind ideal positioniert mit der Ernährung", sagte er zu den Besuchern der LID-Delegiertenversammlung.

Besucher mit Emotionen abholen

Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, sagte, dass Werbung alleine nicht genüge. Landwirtschaft habe viele Emotionen zu bieten. Mit Messen liessen sich diese ideal vermitteln. Messe-Auftritte seien denn auch wichtig, rund ein Viertel seines Kommunikations-Budgets verwende der Bauernverband dafür. Regelmässig durchgeführte Umfragen bei Messebesuchern ergäben positive Resultate.

Wie aber wird der Messeauftritt zum Erfolg? "Ohne Emotionen geht heute nichts mehr", erklärte Reinhold. Messeerlebnisse mit Wohlfühlatmosphäre hätten Zukunft. Wichtig sei es, dass man mit der Zeit gehe, sagte Katrin Meyerhans von Olma Messen St. Gallen. Heute würden an der Olma keine Traktoren oder Stalleinrichtungen mehr ausgestellt, dafür würden mehr Tiere präsentiert und Podiumsgespräche durchgeführt. An Messen herrschte eine Reizüberflutung. Meyerhans plädierte deshalb dafür, die Anzahl Botschaften zu reduzieren. Viele Aussteller verfolgten zu hohe Ziele.

"Wert auf hohen Leistungsstandard gelegt"

Kurt Nüesch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), wurde an der Delegiertenversammlung des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID) von Ende April zum neuen Präsidenten gewählt. Er folgt auf Albert Rösti. Die SMP sei eine der wichtigsten Trägerorganisationen des LID, und weil er nicht mehr deren Direktor sei, trete er zurück, erklärte Rösti. Der SVP-Nationalrat präsidierte den LID während sieben Jahren. Albert Rösti habe grossen Wert auf einen hohen Leistungsstandard gelegt und dafür geschaut, dass der LID unabhängig arbeiten konnte, ohne von den einzelnen Mitgliederorganisationen vereinnahmt zu werden, lobte LID-Vizepräsident Urs Schneider.

Jugendliche zum Messebesuch animieren

Nicolo Paganini, Direktor Olma Messen St. Gallen, plädierte für eine subtile Vermittlung von Botschaften. Man dürfe nicht mit dem Zeigfinger auf die Besucher zeigen, ihnen kein schlechtes Gewissen machen. Für Roland Brand, CEO Bernexpo, dürfte die Landwirtschaft bei ihren Messeauftritten mehr wagen. Dass die Versorgung mit gesunden und sicheren Lebensmitteln keine Selbstverständlichkeit sei, dürfe auch einmal kommuniziert werden, fand Brand. Die Besucher seien durchaus offen für solche Themen und bereit, darüber nachzudenken.

Künftig müssten sich die Messeveranstalter aufgrund der Bevölkerungsstruktur auf einen Besucherrückgang einstellen. Zudem würden die Messebesucher immer älter, prophezeite Marketing-Spezialist Reinhold. Es gelte, die jungen Menschen zu einem Messebesuch zu motivieren – etwa mittels neuer Medien. Bernexpo habe bereits reagiert, erklärte Brand. So gebe es für Schulklassen ein spezielles Besucherprogramm. Meyerhans betonte, dass die Olma eine Messe für die Familie sein wolle. Kindern müssten bleibende Erlebnisse ermöglicht werden, damit sie später immer wieder die Olma besuchten.

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