28.10.2017 17:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Land
Metzgete verlief ruhig
Auch ein friedlicher Anlass kann blutig enden: In Sissach hat am Samstag eine öffentliche Metzgete stattgefunden. Die mediale Schweiz hatte sich im Vorfeld über Wochen daran sattgefressen – die Ausschlachtung der Schlachtung quasi. Und nun? Alles gut.

Was hatte Rolf Häring nicht alles über sich lesen, was sich nicht alles anhören müssen. Mit dem IS wurde er verglichen, als Schlächter von Sissach hatte man ihn bezeichnet, einstweilige Verfügungen sollten erwirkt werden, der Tierschutz hätte ihn am liebsten hinter Schloss und Riegel gesehen. Was war geschehen?

Rolf Häring ist Metzger in Sissach, Kanton Basellandschaft, zwei abgetrennte Arme winken einem vom Gemeindewappen entgegen. Hier verkündete er vor einigen Wochen, er wolle eine Metzgete für die Öffentlichkeit durchführen, ein Schlachtfest nach alter Väter Sitte.

Allerdings nicht nur den kulinarischen Teil, wie man ihn heute kennt, mit Kesselfleisch und Leberwurst auf Sauerkraut und Vollkornbrot. Häring, 50, wollte wursten, zerteilen, aufbrechen. Und er wollte den Bolzenschuss setzen, also die zwei Bio-Schweine vom Landgut Ebenrain töten. https://www.schweizerbauer.ch/politik--wirtschaft/agrarwirtschaft/wir-toeteten-keine-schweine-vor-publikum-38475.html).

Ein Shitstorm

Was dann geschah, kommt dem gleich, was man als Steigerung eines Shitstorms bezeichnen könnte. Die Kritiker überschlugen sich in Kritik, man warf ihm Wüstes und Wüstestes vor, viele Medien berichteten darüber. Doch Rolf Häring zog sein Programm durch, zusammen mit Metzgerkollege Hans Peter Eschbach und Kochveteran Heiner Oberer.

Respekt vor den Kritikern

Rund 150 Zuschauer haben sich zur Metzgete im Sissacher Dorfkern eingefunden, an der Rolf Häring den Bolzenschuss persönlich setzte. Es sei ein ruhiger, friedlicher und respektvoller Moment gewesen, frei von Störungen. Das freut ihn ganz besonders; er weiss, es hätte anders kommen können. «Ich habe grossen Respekt vor den Kritikern», sagt Häring. Man hört aus seinen Worten: Er hat nicht ausgeschlossen, dass es anders hätte kommen können. Denn am Morgen haben ungefähr 20 Tierschützer mit Plakaten protesiert; doch niemand hat versucht die Schlachtung zu stören. 

Aus Hygienegründen darf Rolf Häring das Fleisch nicht in seiner Metzgerei verarbeiten. Darum nimmt er es für den Eigengebrauch. Natürlich nicht alles, denn was wäre eine Metzgete ohne den kulinarischen Abschluss? Darum verköstigt das Trio heute Abend rund 150 zahlende Kunden mit einer Schlachtplatte, die frischer nicht sein könnte. Darauf finden sich Blut-, Brat- und Leberwürste.

 

 

 

 

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