1.02.2015 08:22
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/sam
Eurokrise
Migros-Boss erwartet noch weiter sinkenden Milchpreis
Wegen des starken Frankens leidet die Migros aktuell unter dem Einkaufstourismus und verbilligt ab Montag verschiedene Markenprodukte. Am stärksten betroffen seien die grenznahen Filialen, sagt Migros-Chef Herbert Bolliger.

«Dort rechne ich mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent und mehr», sagte er in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Entlassungen werde es nicht geben. Aber Abgänge in den Läden nahe der Grenze würden wohl nicht mehr besetzt oder die Arbeitseinsätze reduziert.

Löhne in der Schweiz mehr als doppelt so hoch

«Die Kostenunterschiede beim Personal sind enorm», begründet Bolliger. So würde eine Kassiererin in Deutschland 1600 Euro im Monat verdienen, während es in der Schweiz knapp 4000 Franken seien. Die Lohnerhöhungen bei der Migros werden unter anderem wegen der negativen Teuerung «tiefer sein als in den vergangenen Jahren».

Auf die Europositionen der Migros rechnet Bolliger mit 40 bis 50 Millionen Franken Währungsverlusten. Als Reaktion auf das Ende des Euro-Mindestkurses hatten Migros, Coop und Lidl bereits angekündigt, die Preise für importierte Frischprodukte zu senken. Ab Montag fallen bei der Migros nun auch die Preise verschiedener Markenprodukte um mindestens zehn Prozent.

Bolliger sieht Überproduktion kommen

Auf die Frage der «SonntagsZeitung», ob der Milchpreis runter müsse, meint Bolliger: «Mit dem starken Franken wird der Käseexport zurückgehen. Somit werden wir in der Schweiz zu viel Milch haben, und der Milchpreis wird unter Druck kommen. Zusätzlich droht der Schweizer Landwirtschaft eine Überproduktion, weil sich die Konsumenten im Ausland bedienen.» 

Schwierigkeiten sieht Bolliger beim Export von Migros-Eigenprodukten. «Schokolade zum Beispiel besteht aus Schweizer Milch und Schweizer Zucker. Unsere Exportkunden werden kaum bereit sein, plötzlich 20 Prozent mehr zu bezahlen.»  Auch der Käseexport und damit der Milchpreis in der Schweiz dürften mit dem starken Franken unter Druck kommen. Zusätzlich drohe eine Milchüberproduktion, weil sich die Konsumenten im Ausland bedienen würden.

Zum Milchmarkt wolle er sich nicht weiter äussern. «Der Markt wird das regeln», fügt er aber doch noch an. Grundsätzlich sei er einfach gegen die zusätzliche Abschottung der Agrarwirtschaft: «Ich trete dafür ein, dass man die Landwirtschaft langsam an offene Märkte heranführt. Nehmen Sie den Weinmarkt. Die vollständige Öffnung und die damit verbundene Konkurrenz hat dazu geführt, dass die Qualität von Schweizer Weinen massiv gestiegen ist und damit auch das Selbstbewusstsein unserer Winzer.» Das wäre auch bei anderen Produkten möglich, doppelt Bolliger nach. 

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