14.04.2013 12:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Detailhandel
Migros-Chef rechtfertigt höhere Preise der Schweizer Agrarprodukte
Migros-Chef Herbert Bolliger verteidigt die vergleichsweise höheren Lebensmittelpreise in der Schweiz. Bei landwirtschaftlichen Produkten liege der Grund für die Preisdifferenzen zum Ausland bei den strengeren Tierschutznormen. «Das ist politisch so gewollt», sagte Bolliger in einem Interview mit dem «SonntagsBlick».

Die strengeren Bestimmungen sind laut Bolliger nicht umsonst. «Einen Bio-Eier- oder Pferdefleischskandal wie in Europa wird es in der Schweiz nie geben», prophezeite er. «Das kann ich Ihnen garantieren.»

Kein Verständnis für "Billigfleischeinkäufer"

Bolliger betont, dass er kein Verständnis für diejenigen habe, die höchste Qualität und strengste Regeln für Schweizer Produkte fordern, aber gleichzeitig bedenkenlos Billigfleisch aus Qualzuchten im Ausland kaufen.

Zudem wolle die Migros bis 2014 beim Kalbfleisch auf TerraSuisse-Tiere umstellen. In Ungarn wird eine Trutenproduktion nach schweizerischen Tierhaltungsnormen aufgebaut. Ebenfalls beim Geflügelfleisch plant die Zürcher Detailhändlerin, im Ausland Farmen nach Schweizer Normen aufzubauen. Das Problem sei aber weniger dringlich, weil beim Pouletfleisch der Grossteil aus der Schweiz stamme und der Konsument die Wahl habe, fährt Bolliger fort. Das Trutenfleisch stammt hingegen aus dem Ausland.

Der Migros-Chef rechnet für dieses Jahr bei den Lebensmitteln mit einem Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent. Das Preise dürften gemäss seiner Prognose über das ganze Sortiment hinweg um maximal 0,5 Prozent sinken.

Auswüchse beobachtet Bolliger bei Markenartikeln. «Sie kosten in deutschen Läden teilweise weniger, als wir beim Einkauf zahlen.» Dies führe zu einem «immensen volkswirtschaftlichen Schaden» für die Schweiz.

Von Greenpeace nicht erpressen lassen

Im Interview äusserte sich Bolliger auch zu den Vorwürfen der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die in Migros-Kinderjacken gesundheitsschädigende Stoffe entdeckt hat. Die Organisation forderte den Detailhandelsriesen auf, sich dem so genannten Detox-Programm anzuschliessen, einer globalen Kampagne, die sich für eine giftfreie Produktion von Kleidern einsetzt.

Davon will der Migros-Chef allerdings nichts wissen: «Wir lassen uns von Greenpeace nicht erpressen.» Das Unternehmen arbeite selbst bereits seit Längerem an dem Problem, erklärte Bolliger und verwies auf die Fortschritte: «In zwei Dritteln des Sortiments haben wir die Gifte eliminiert. Bei Baumwolle wird kein Chlor mehr verwendet.»

Schwierig sei dies bei funktionaler Kleidung. Auch hier wolle man jedoch bis 2017 giftfrei sein. «Damit lösen wir das Problem viel schneller, als Greenpeace das verlangt.»

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