19.04.2018 18:08
Quelle: schweizerbauer.ch - kwy/blu
Milchmarkt
Migros lanciert «nachhaltige Milch»
Am Donnerstag stellte die Detailhändlerin Migros den Medien im Zürcher Oberland ihr Programm «nachhaltige Milch» vor. Die Milchbauern müssen Kriterien, sie sollen für die Mehrleistungen einem Zuschlag erhalten. Die Gebrüder Schaufelberger erklären, was das für ihren Betrieb bedeutet.

Milchproduzenten, die in die Migros beliefern wollen, müssen bald strengere Richtlinien erfüllen. Gestartet wurde das Projekt vor rund zweieinhalb Jahren mit einigen Produzenten. Im Pilotprojekt erarbeiteten Produzenten und die Migros die neuen Richtlinien. Nach der Beendigung wurden die Resultate mit den Produzenten besprochen. Es folgten nur geringfügige Änderungen. Mit dem Programm «nachhaltige Milch» soll hauptsächlich die bereits erbrachten Leistungen der Produzenten besser kommuniziert werden und die Schweizer Milchproduktion gestärkt werden.

Grundanforderungen und freiwillige Module

Bereits im Februar informierte der «Schweizer Bauer» über die neuen Nachhaltigkeitskriterien der Migros-Tochter Elsa. Das Programm ist unterteilt in Grundanforderungen und freiwillige Module. Die Grundanforderungen müssen sämtliche Produzenten einhalten müssen, werden die wesentlichen Aspekte einer nachhaltigen Landwirtschaft sichergestellt. Die freiwilligen Module ermöglichen den Betrieben, ihre individuellen Schwerpunkte zu setzen. Wichtigste Grundanforderungen sind:

- min. 50% Wiesen und Weidefutter im Tal, 70% im Berggebiet
- BTS oder RAUS
-Sofern Soja verwendet wird, muss es zwingend aus verantwortungsbewusster Produktion stammen
- weniger als 150g/Kraftfutter pro kg Milch
- jede Kuh einen Namen hat
- 8kg Lebtagesleistung
- Beitrag zur Förderung der Biodiversität

Schaufelbergers mussten nur wenig Änderungen vornehmen

Am Donnerstag stellte die Migros mit ihrer Tochter Elsa das Projekt der breiten Öffentlichkeit vor. Dies erfolgte auf dem Betrieb der BG Schaufelberger in Rüti ZH. Der Betrieb ist einer von 27 Lieferanten der Molkerei Neff, die für die Migros Zürich regionale Milchprodukte herstellt.

Auf dem Betrieb der Gebrüder Martin und Ueli Schaufelberger mussten nur geringfügige Änderungen vorgenommen werden. «Die einzige Anpassung, die wir durchführen mussten, war eine Anmeldung bei der IP-Suisse sowie die Erfassung der ökologischen Massnahmen», erklärt Ueli Schaufelberger gegenüber schweizerbauer.ch. 

Kraftfutter ist teuer

Durch die Vernetzung in Rüti ZH, einem Obstgarten und einer bereits durchgeführten Renaturierung eines Baches sind auf dem Betrieb bereits mehr als genug Biodiversitätspunkte vorhanden. Auch die maximalen 150 g Kraftfutter pro Liter Milch erfüllt der Betrieb bereits. Martin Schaufelberger hat berechnet, dass er aktuell 93g pro Liter Milch einsetzt. Das Kraftfutter wird Kuh individuell an der Kraftfutterstation abgegeben. Dadurch kann er jede Kuh bedarfsgerecht füttern. 

Wie viel Futter eine Kuh benötigt, kontrolliert er regelmässig mit Hilfe der Daten aus der Milchleistungskontrolle. Das haben die beiden Betriebsleiter aber bereits vor dem Programmstart gemacht. Denn schliesslich sei Kraftfutter eher teures Futter, so Martin Schaufelberger.

Höhe des Zuschlags noch nicht verhandelt

Mit der «nachhaltigen Milch» gibt es zwar keine grossen Änderungen für die einzelnen Betriebe. Aber der Konsument erfährt nun genauer, welche Vorteile Schweizer Milch und Milchprodukte bieten. Mit der Differenzierungsstrategie werden also die Leistungen der Bauern an der Ladenfront besser ausgelobt.

Nebst den Konsumenten soll sich das Modell auch für die Bauern auszahlen. Ab 2019 zahlt die Migros den Milchproduzenten einen Nachhaltigkeitszuschlag. Die Höhe des Betrages ist aber noch definiert. «Wir sind in Verhandlungen mit den Produzenten», sagten Migros-Vertreter an der Medienkonferenz. Schon heute zahle sie den Bauern innerhalb der Branche einer der höchsten Milchpreise, schreibt die Migros. 

Das Programm soll den Milchproduzenten zudem Planungssicherheit geben, indem Rahmenverträge mit einer Lauffrist von mindestens fünf Jahren abgeschlossen werden. Dies gehe klar über das gesetzliche Minimum von einem Jahr hinaus, hält die Migros fest. Seit diesem Frühjahr setzen die Milchproduzenten der Migros die neuen Richtlinien Schritt für Schritt um.

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