6.04.2018 09:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Verbände
Milch als heisse Kartoffel
Der Berner Bauernverband (BEBV) will nicht länger Mitglied der Schweizer Milchproduzenten (SMP) sein.

In vierzehn Tagen entscheiden die Delegierten der SMP über die Aufnahme der Aaremilch AG als neue SMP-Mitgliedorganisation. Gleichzeitig wird der BEBV als SMP-Mitglied ausscheiden. 

Keine Leute ausschliessen

Als Grund dafür, warum er die Interessenvertretung der Berner Milchbauern bei den SMP und das Beitragsinkasso für die SMP «leider künftig nicht mehr wahrnehmen könne», nennt der BEBV auf Anfrage eine Statutenänderung bei den SMP. Diese verpflichtet die SMP-Mitgliedorganisationen, in ihren eigenen Statuten festzuhalten, dass  ihre Mitglieder zur Bezahlung der Beiträge entsprechend den Finanzierungsbeschlüssen der SMP-Delegiertenversammlung verpflichtet sind. 

Das könne er nicht tun, entschied der BEBV-Vorstand. Denn «zu viele Betriebe müssten künftig wegen Nicht-Bezahlens ausgeschlossen werden und so würde die Mitgliederbasis des BEBV noch weiter gefährdet». Branchenkenner vermuten, dass es beim BEBV noch eine weitere Motivation gab: Man will nicht mit den verbreiteten Negativmeldungen aus dem teilgeöffneten Milchmarkt in Verbindung gebracht werden, man reicht die Milchfrage als «heisse Kartoffel» weiter. Der BEBV beteuert allerdings, dass er sich auch künftig mit seiner Fachkommission Milch für die Anliegen der Berner Milchproduzenten engagieren werde. 

Schriftlich abgesichert 

Aaremilch-Geschäftsführer Donat Schneider betont auf Anfrage, dass die Aaremilchbauern schon bisher sowohl die allgemein verbindlichen Marketingbeiträge wie auch die Verbandsbeiträge für die SMP und für den Schweizer Bauernverband (SBV) bezahlt hätten. Neu dazu stiessen Käsereien mit ihren Bauern. Die Beiträge würden wie bisher mit dem Milchgeld verrechnet. Alles andere wäre kostenintensiv und ineffizient. 

Auf die Frage: «Kann ein Milchproduzent der Aaremilch Milch abliefern, ohne die Beiträge für die SMP und für den SBV zu bezahlen, wenn er mit diesen zwei Verbänden nicht einverstanden ist?» antwortet Schneider, Mitglied der SMP werde die Aaremilch und nicht der einzelne Lieferant. Somit könne  dies der einzelne Lieferant rechtlich gesehen auch nicht entscheiden. «Wir sind überzeugt, dass die Milchproduzenten in der Schweiz eine starke Schweizer Fachorganisation für ihre Interessenvertretung brauchen», betont Schneider.

«Mit Milchproduzenten, welche eine andere Sichtweise haben, suchen wir das Gespräch.» Zum SBV-Beitrag verweist er darauf, dass darüber innerhalb der SMP entschieden werde. Auch mit Blick auf das Urteil des Thurgauer Obergerichts, das Roland Werner & Co. wegen der Lactofama-Beiträge erstritten, werde die Aaremilch mit jedem einzelnen Milchbauern und mit den Käsereien eine Vereinbarung abschliessen, um rechtlich abgesichert zu sein.

De facto Beitragszwang 

Dabei wird ein Umstand deutlich, der weit über die Aaremilch hinausgeht. Wer Molkereimilch produziert, kann dies in vielen Regionen de facto nicht tun, ohne an die Verbände SMP und SBV Geld abzuliefern. Denn er findet keinen Milchabnehmer, der nicht SMP-Mitglied ist. Wenn die SMP eigene Rechnungen versenden würden, wie dies der SBV seit Kurzem bei den Muni- und Kälbermästern tut, wäre das nicht mehr so. 

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