27.07.2016 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Milch pro ha Weide – Mass der Dinge»
Es gibt sie noch. Die Bauern, die mit der Milchproduktion Geld verdienen. Bei Hans Braun aus Rothrist AG sind es gar mehr als 30 Fr. pro Stunde. Dem «Schweizer Bauer» erklärt Biobauer Braun, wie er dies schafft.

In der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» sorgte in der vergangenen Woche ein Artikel für Aufsehen. In diesem kam der Autor  zum Schluss, dass in der Schweizer Milchproduktion nicht die tiefen Preise das Problem seien – nein, «die Landwirte produzieren zu teuer», so das Fazit.

In Schuldenfalle treiben

Untermauert wird diese Behauptung im Artikel durch Andreas Bosshard von der Denkfabrik Vision Landwirtschaft. Bosshard erklärt gegenüber der deutschen Zeitung unter anderem auch, dass Bauernverbände, die Agrarpresse und Landwirtschaftsschulen viele Bauern indirekt in die Schuldenfalle treiben würden, weil sie ihnen weismachten, dass durch einen Ausbau der Betriebe automatisch auch ein höheres Einkommen erwirtschaftet werden könne.

Bosshard stellt im Artikel deshalb klar: «Die wichtigste Ursache für die äusserst geringe Wertschöpfung der Schweizer Landwirte sind nicht die tiefen Preise, sondern die hohen Kosten.»

«Billiger gehts nicht»

Als weiteren Beweis für diese Schlüsse führt der «Zeit»-Journalist ebenfalls Milchbauer Hans Braun ins Feld. «Meine Kühe geben heute halb so viel Milch, meine Kosten sind stärker gesunken als die Einnahmen und mein Arbeitsverdienst pro Liter Milch hat sich verdreifacht», gab Braun dem Journalisten zu Protokoll. Sein Stundenlohn heute betrage 30 Fr.

Der «Schweizer Bauer» als wichtiger Teil der von Andreas Bosshard kritisch angegangenen Agrarpresse besuchte Landwirt Hans Braun auf seinem Hof – und tatsächlich: Der Biobauer aus Rothrist AG, der dem «Schweizer Bauer» seine Zahlen offenlegt, kommt effektiv auf einen Stundenlohn von gut 30 Franken. «Wenig Arbeitsstunden, tiefe Futtermittelkosten und langlebige Tiere», kommentiert Braun das gute Ergebnis.

Betriebsspiegel

Betriebsfläche: 40 ha, davon 31 ha Weiden und Wiesen,  8 ha Ökoflächen, 1 ha Kartoffeln
Tierbestand: 40–60 Swiss- Fleckvieh-Kühe, alle Tiere aus eigener Zucht, saisonale Abkalbung, 4 Zuchtstiere, 4 Freiberger Pferde, Schafe, Ziegen, Enten, Gänse, Hühner
Fütterung: Sommer Vollweide, Winter hofeigene Grassilage, Heu, kein Kraftfutter. rab

Arbeitsreduktion

«Durch saisonales Abkalben im Frühling holt sich meine Herde den grössten Teil des Futters selbst auf den Weiden – billiger gehts nicht», so Braun, der noch anfügt, dass er ausserdem kein Kilo Kraftfutter verfüttere und dass er in der Zucht auf eine «Weidekuh» setze (vgl. Kasten). Ausserdem verzichtet er auf Kunstdünger, und die Tierarztkosten seien ebenfalls überaus tief. Auch die Arbeitsstunden, die in der Schweizer Milchproduktion wesentliche Kostentreiber sind, hat Braun reduziert und arbeitet in der dadurch frei gewordene Zeit als Landwirtschaftslehrer.

Nebst tieferen Kosten generiert Braun aber auch auf der Ertragsseite überdurchschnittliche Umsätze. Als Emmi-Direktlieferant erhält der Biobauer übers Jahr durchschnittlich gut 80 Rappen je Kilo Milch. Das aber ist für Milchproduzent Braun nicht das Entscheidende. «Für mich das Mass aller Dinge ist die Milchproduktion pro Hektare Weidefläche.» Mit 11'370 kg pro Hektare erzielt Braun hier im europäischen Bioweidevergleich einen absoluten Spitzenwert und übertrifft damit auch viele konventionelle Betriebe.

Graslandkuh fehlt

Noch vor 20 Jahren verfolgte Milchbauer Hans Braun eine High-output-Strategie mit hohen Milchleistungen. Heute hingegen setzt er auf Vollweide mit deutlich reduzierten Milchleistungen. Für Braun zahlt sich der Strategiewechsel aus. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung regt sich der Biobauer aber darüber auf, dass in der Schweiz tierzüchterisch nichts in diese Richtung passiert. «Für einen Low-input-Betrieb finden Sie kaum die dazu passende Genetik in den Katalogen», so Braun und ergänzt: «Es ist ein Armutszeugnis, dass dem Grasland Schweiz schlicht die konsequente Zucht auf eine Weidekuh fehlt.» rab

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