18.02.2015 15:58
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Milch: Versorgungssicherheit steht auf dem Spiel
Die beiden Organisationen Uniterre und BIG-M schlagen Alarm. Die aktuelle Milchkrise gefährde die bäuerliche Milchwirtschaft grossflächig und unwiderruflich, teilen sie am Mittwoch mit. Sie fordern klare Regeln im Milchmarkt, die anschliessend auch umgesetzt werden müssen.

Der Schweizer Milchmarkt wird derzeit gewaltig erschüttert. Die Überproduktion im In- und Ausland führte zu einem Absacken der Preise. Die Aufhebung des Mindestkurses Mitte Januar durch die Schweizerische Nationalbank lässt die Preise im Inland auf neue Tiefststände sinken. Emmi bezahlt beispielsweise im Februar nur noch einen C-Milch-Preis von netto 10 Rp./kg nach allen Abzügen.

Grossteil erhält weniger als 50 Rappen

Uniterre und BIG-M (Bäuerliche Interessen-Gruppe für Marktkampf)  sind deshalb alarmiert. Die Milchpreise seien im freien Fall, das Fehlen von klaren Spielregeln führe zu diesen fatalen Auswirkungen, halten sie fest. „Ein Grossteil der Milchbauern wird im nächsten Monat weniger als 50 Rappen pro Kilo erhalten“, heisst es weiter.

Die Lactofama sei nicht mehr in der Lage, Übermengen aufzunehmen und könne nicht verhindern, dass solche Milch unterpreisig gehandelt würde. Die Milchbranche hat es aus der Sicht von Uniterre und BIG-M versäumt, ein Instrument zu schaffen, welches die Milchmenge zu kontrollieren vermag.

Lactofama

Die Lactofama AG ist eine Selbsthilfeorganisation mit dem Ziel, saisonale Ungleichgewichte auf dem Markt abzufedern, heisst es weiter. Lactofama ist somit kein Ersatz für eine marktgerechte Produktion auf Stufe der Milchproduzenten“, betonten die Schweizer Milchproduzenten sowie die grössten Milchvermarktungs- und Produzentenorganisationen bei der Gründung des Exportunternehmens Lactofama AG. Das Unternehmen stehe im Dienste der Schweizer Milchproduzenten zur Förderung der Wertschöpfung in der gesamten schweizerischen Milchwirtschaft, hiess er vor einem Jahr.

Wichtigster Produktionszweig gefährdet

Die beiden Organisationen sehen das Fehlen von flächendeckenden Milchkaufverträgen zwischen Produzent und Erstmilchverkäufer als Hauptursache für die jetzige Krise. Die Bauern könnten nicht entscheiden, ob sie in den „Billigkanal“ liefern wollen oder nicht. Auch das Bundesamt für Landwirtschaft wird von Kritik nicht verschont. Dieses habe seine Kernaufgabe, die nachhaltige Bewirtschaftung von Flächen in den Randregionen, nicht sichergestellt. Neue Verordnungen und Vorschriften erschwerten die Produktion zusätzlich.

Die Milchwirtschaft, der wichtigste Produktionsbereich der hiesigen Landwirtschaft, sei akut gefährdet. Die gesamte Milchbranche habe versagt, wird in der Mittelung betont. BIG-M und Uniterre fordern nun von der Branche, mit vereinten Kräften die Krise zu meistern. Dazu seien aber klare Regeln vonnöten, und einen Willen, diese umzusetzen. Die Forderungen lauten wie folgt:

- Flächendeckende Milchkaufverträge zwischen Produzenten und Erstkäufern
- Keine überschüssige Milch liefern zu müssen
- Beteiligung der Produzenten an marktkonformer Mengensteuerung
- Faire Milchpreise

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