9.11.2013 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Milchmarkt
Milch: Vom Überschuss zum knappen Gut
Der Butterberg ist geschmolzen. Weil die Landwirte im 2013 bislang weniger gemolken haben als im Vorjahr. Dieser Trend wird anhalten – wegen eines kleineren Kuhbestandes, mässiger Futterqualität und der neuen Agrarpolitik.

Nach dem Ende der Milchkontingentierung im Frühling 2009 kannte die Milchproduktion nur eine Richtung: steil aufwärts. Bis Mitte 2012. Seither liegen die Einlieferungen unter dem Vorjahr. Im laufenden Jahr haben die Bauern von Januar bis August rund drei Prozent weniger Milch produziert als in der gleichen Vorjahresperiode. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) gehen nicht davon aus, dass die Milchproduktion bald wieder frühere Wachstumsraten aufweisen wird. Denn in den Ställen stehen derzeit rund 12'000 Kühe (-2%) weniger als im Vorjahr.

Kein Butterberg mehr


Dazu kommt, dass das Futter von eher mässiger Qualität ist, wie Stefan Hagenbuch, stellvertretender SMP-Direktor, an der Delegiertenversammlung vom 6. November in Bern ausführte. Auch die neue Agrarpolitik, die ab nächstem Jahr umgesetzt wird, wird keinen Wachstumsschub auslösen. Die Abschaffung der Tierbeiträge werde tendenziell zu tieferen Milchviehbeständen führen und die Milchproduktion dürfte stabil bleiben, erklärte Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft.

Die geringeren Einlieferungen haben einen positiven Effekt: Einen rekordhohen Butterberg wie im 2012 gibt es aktuell nicht. Die Situation sei gesund, erklärte Hagenbuch. Man habe weder zu wenig noch zu viel Butter. Teure Entsorgungsaktionen überschüssiger Butter waren in diesem Jahr deshalb nicht nötig. Aus Sicht der Bauern hat die geringere Milchproduktion einen weiteren erfreulichen Nebeneffekt: Die Produzentenpreise sind nach einer langen Talfahrt wieder leicht gestiegen.

Kritik an graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion


Auch wenn sich die Lage auf dem Milchmarkt entspannt hat, herrscht keine Jubelstimmung unter den Milchproduzenten. Grund ist die neue Agrarpolitik. "Die Milchproduzenten können mit dieser Reform nicht zufrieden sein", bilanzierte SMP-Direktor Kurt Nüesch. Für viele Betriebe sei die neue Agrarpolitik eine grosse Herausforderung. Die Aufhebung der tierbezogenen Beiträge und Umlagerung in Flächenbeiträge werde für einen grossen Teil der Milchbauern zu teilweise beträchtlichen Einbussen bei den Direktzahlungen führen.

Kritik übte Nüesch am Programm für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, das ab nächstem Jahr neu eingeführt wird. Die Anforderungen seien zu hoch. Sie würden weit über das hinausgehen, was beispielsweise bei der österreichischen Heumilch gefordert werde.

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