12.05.2017 10:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Adi Lippuner
Milchmarkt
«Milch wird unter Wert verkauft»
Die Branchenorganisation Milch (BOM) soll mit einer Qualitätsstrategie den Wert der Schweizer Milch verbessern. Zudem fordert Mathias Eggenberger aus Grabs SG mehr Fairness gegenüber den Produzenten.

Der tiefe Milchpreis und die ständig gestiegenen Margen sowie die Erhöhung der Dividenden bei den «Grossen» der Branchen sind in aller Munde. Geändert hat sich aber bis heute nichts. Die Produzenten erhalten weiterhin tiefe, nicht einmal mehr Kosten deckende Milchpreise, und bei den Verarbeitern und Detaillisten steigen Margen und Gewinne.

«Vermisse Partnerschaft»

Angesichts dieser Tatsachen hat sich der Ostschweizer Milchbauer Mathias Eggenberger, er bewirtschaftet den Erlenhof in Grabs SG, an der Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch (BOM) in Bern zu Wort gemeldet. Mathias Eggenberger ist Präsident der PO (Produzentenorganisation) Ostschweiz und fordert von den Milchverarbeitern und Detailhändlern mehr Verantwortung gegenüber den Milchproduzenten.

«Eigentlich müsste es zwischen den Milchproduzenten und den Verarbeitern eine echte Partnerschaft geben. Doch wir hören immer nur Vergleiche zwischen den Milchpreisen der Europäischen Union und der Schweiz. Aber das hinkt in verschiedener Hinsicht, und deshalb müssen Lösungen auf den Tisch», ist Mathias Eggenberger überzeugt. Seine Lösung sieht eine Qualitätsstrategie für Schweizer Milch vor. «Unsere Milch wird weit unter ihrem Wert verkauft. Die bei uns produzierte Milch stammt von Kühen, die gentechfrei ernährt werden und vorwiegend Raufutter erhalten.» 

Platzierung im Handel

Aus seiner Sicht hat die BOM die klare Aufgabe, diese Qualitäts- und Mehrwertstrategie ins Leben zu rufen. «Dies bedeutet aber auch, dass die Produzenten ihre Hausaufgaben machen und auch tatsächlich Qualitätsmilch liefern.» Die intakte Landschaft mit viel Grünland am Grabser Berg und in der Ebene des Rheintals sei für die Produktion qualitativ hochstehender Milch geeignet, so die Ansicht des Grabser Milchbauern. «Ein Grossteil dieser Milch wird aber zu Milchpulver verarbeitet und dann irgendwo auf der Welt billig verkauft.»

Für Mathias Eggenberger sind sowohl silofrei produzierte Milch als auch Milch von Kühen, die Silofutter erhalten, Qualitätsmilch. Und an die Adresse der Detailhändler: «Ein Blick auf die Produkteplatzierung in den Läden zeigt, dass meist ausländische Molkereiprodukte an prominenter Stelle stehen. Dabei könnten die Anbieter die einheimischen Milchprodukte durch bessere Platzierungen fördern. Und wenn die Konsumenten pro Liter Milch zehn Rappen mehr bezahlten, die dann an den Produzenten weitergeleitet werden, hätten wir wieder einen fairen Preis für unser Qualitätsprodukt», so Mathias Eggenberger.

Selbst remontiert

Im Stall des Erlenhofs stehen 40 Braunvieh-Kühe. «Seit der Hofübernahme im Jahr 1993 habe ich kein einziges Zuchttier gekauft, wir remontieren unseren gesamten Viehbestand selbst», erklärt der Betriebsleiter seine Strategie. «Zudem legen wir grossen Wert auf langlebige, problemlose Tiere und haben nicht ihre Höchstleistung im Visier.»

Auch bei den Investitionen setzt Mathias Eggenberger auf Zurückhaltung. So wurde der offene Laufstall im Jahr 2006 zwar in guter Qualität, aber auf einfache Art erstellt. Gemolken wird im Anbindestall mit Hilfe einer Rohrmelkanlage. Die rund 280'000 Kilo Jahresmilchproduktion gehen an die Arnold Produkte AG.

Ausgesiedelt

Der Erlenhof wurde im Zuge der Bauernaussiedlung aus dem Dorf erstellt. Im Jahr 1967 erfolgte der Stallbau, 1972 konnte das Wohnhaus bezogen werden. «Die Bewirtschaftung unseres Landes, wir haben 25 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, je hälftig eigenes und Pachtland, ist einfach, da alles arrondiert ist und in der Ebene liegt», erklärt Mathias Eggenberger

Bewältigt wird die Arbeit durch den Betriebsleiter und Meisterlandwirt Mathias Eggenberger und seinen Sohn Roland. Der ausgebildete Landwirt arbeitet im Sommer 50 Prozent auf dem Hof und geht im Winter einem Vollerwerb nach. Ehefrau Gertrud arbeitet zu 40 Prozent ausser Haus und packt zudem auf dem Hof mit an.

Aussteigen kein Thema

Nebst der Milchproduktion und der Aufzucht für den Eigenbedarf bildet die Kälbermast ein weiteres Standbein. Zudem gehören 100 Hochstamm-Apfelbäume zum Betrieb. «Es sind vorwiegend alte Sorten, allerdings werden wir diesen Herbst mit den Apfelbäumen nur wenig Arbeit haben», verweist Mathias Eggenberger auf den Kälteeinbruch der vergangenen Tage.

Auf die Frage, ob er angesichts der tiefen Milchpreise schon ans Aufgeben der Milchproduktion gedacht habe, ist zu hören: «Ernsthaft nicht, denn mir liegt die Braunviehzucht am Herzen, auch wenn in dieser Sparte nicht mehr viel Geld zu verdienen ist.» Nebst dem Präsidium der PO Ostschweiz ist Mathias Eggenberger Vizepräsident von Braunvieh St. Gallen und war bis vor einem Jahr Mitglied im Grabser Gemeinderat.

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