10.10.2019 16:31
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Einkommen
«Milchbauern grösste Verlierer»
Die Forschungsanstalt Agroscope hat diese Woche die Resultate zu den landwirtschaftlichen Einkommen publiziert. 2018 sind diese um 4,1 Prozent gestiegen. Für die Bauernorganisation BIG-M stimmt das nur zum Teil. Die grössten Verlierer seien die Milchbauern im Tal.

Gemäss den jüngsten Buchhaltungsdaten von Agroscope stieg das landwirtschaftliche Einkommen 2018 dank sehr guter Ernten im Obst- und Weinbau sowie höheren Einnahmen bei der Milch-, Geflügelfleisch- und Eierproduktion.

Einkommen gestiegen

Der landwirtschaftliche Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft stieg um 4 Prozent auf 51'900 Franken. Mit 65'300 Franken pro Familienarbeitskraft lag der Arbeitsverdienst am höchsten in der Talregion. In der Hügel- bzw. Bergregion fiel er mit 46'500 respektive 38'900 Franken um 29 beziehungsweise 40 Prozent tiefer als in der Talregion aus. 

Isngesamt hat sich der Anstieg der Einkommen in den vergangenen Jahre fortgesetzt. Betrug der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft 2015 noch 44'600 Franken, stieg dieser 2018 auf 51'900 Franken. 

«Werbespot für Agrarpolitik»

Nicht in den positiven Tenor einstimmen will die Bauernorganisation BIG-M. Für sie tönt der Bericht verdächtig nach einem Werbespot für die Agrarpolitik des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Denn nicht alle Landwirte hätten mehr verdient, heiss es in einem Communiqué von BIG-M. «Das Aushängeschild der Schweizer Landwirtschaft, die Milchbauern, gehört je länger je mehr zu der am schlechtesten verdienenden Sparte», kritisiert BIG-M. Die Organisation führt dies auf die Umverteilung der Direktzahlungen in der Aagrarpolitik 14/17 zurück.

Bei den meisten Betrieben seien die Einkommen gesunken. «Der Verdienst pro Familienarbeitskraft bei Milch-Talbetrieben ist von 50’339 Franken im Jahr 2015 auf 46’592 Fr. im Jahr 2018 gesunken. Zum Vergleich: Der ausserlandwirtschaftliche Vergleichslohn liegt im Talgebiet bei 75'000 Franken pro Arbeitskraft», betont BIG-M.

«Wirft schlechtes Bild auf BLW»

Die Bauernorganisation schiesst scharf gegen das BLW. Dieses habe die Zahlen der Milchbauern nicht mit keiner Silbe kommuniziert. Es werfe ein schlechtes Bild auf das Amt, das wegschaue, wenn im Milchmarkt «an den gesetzlichen Vorgaben vorbei gewurstelt wird.» Den der Trend sei eindeutig: «Die Milchproduzenten im Tal sind die grössten Verlierer.»

Hoffnung schöpft BIG-M aus der ständerätlichen Motion «Verlässlichkeit des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch». Diese verlangt, dass die Preise für A- und B-Milch zwingend in Kilogramm und fix für drei Monate festgelegt werden. Heute ist es laut BOM zulässig, dass die Menge nicht in Kilogramm definiert ist. 

Motion gibt Hoffnung

Weiter beinhaltet die Motion folgenden Passus: «Produzenten, die keine billige B- und C-Milch liefern wollen, dürfen nicht mit Mengenkürzungen im Bereich der A-Milch und der B-Milch bestraft werden.» Das läuft auf eine Freiwilligkeit der Lieferung der B-Milch (für die um die 40 Rp./kg bezahlt werden) heraus. 

Der Ständerat stimmte der Kommissionmotion mit 31 zu 1 Stimmen zu. Nun muss noch der Nationalrat der Motion zustimmen. Doch es gibt Widerstand. Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM), sagte zur NZZ: «Die stärkere Preisfixierung sei nicht im Interesse der Milchbauern. Sie führe dazu, dass die marktmächtigen Molkereien tiefere Preise veranschlagten, um sich gegen Marktschwankungen abzusichern.» 

«Sklaverei ist abgeschafft»

Und BOM-Präsident Peter Hegglin (CVP/ZG), der als einziger Ständerat die Motion seiner Wirtschaftskommission ablehnte, doppelte nach und sagte: «Die meisten Mitglieder haben sich gegen längere Fristen ausgesprochen. In steigenden Märkten würden die Preise länger auf tieferem Niveau verharren.»

BIG-M hofft auf eine Annahme durch den Nationalrat. «Die Bauern haben dann die Wahlmöglichkeit, ob sie billige B-Milch für nicht einmal 45 Rappen liefern wollen oder nicht. Wer darauf verzichtet, hat dann für die restliche Milch einen besseren Gesamtpreis», heisst es in der Mittelung. Dass der Preis den Bauern einfach diktiert werde, müsse ein Ende haben. «Die Sklaverei ist schliesslich offiziell abgeschafft», hält BIG-M fest.

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