31.03.2015 06:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Milchmarkt
Milchmarkt fordert die Bauern
Auch in der Ostschweiz wurde im Jahr 2014 so viel Milch produziert wie noch nie. Dieser Trend dürfte sich in Zukunft fortsetzen.

Die Milchmenge in der Schweiz steigt jedes Jahr an. Im Milchjahr 2013/2014 (Anfang Mai bis Ende April) produzierten die Milchbauern in der Schweiz total rund 3,36 Millionen Tonnen Milch, davon 583'464 in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beide Appenzell. Für das Kalenderjahr 2014 stieg die Produktion gar auf über 3,5 Millionen Tonnen. Diese Leistungen erbrachten immer weniger Betriebe, dafür mit einem steigenden Durchschnitt pro Betrieb.

Bekannte Entwicklung

Die Veränderungen sind, mit einem Blick zurück, enorm. Als Vergleich nimmt Geschäftsführer Andreas Ritter das erste Abrechnungsjahr nach dem Zusammenschluss zu den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) zur Hand (siehe Fusszeile). Kennzahlen wie gesamte Milchmenge und durchschnittliche Produktion pro Betrieb nahmen zu, dafür die Anzahl Milchwirtschaftsbetriebe ab.

Für den Geschäftsführer ist diese Entwicklung aber weder neu noch überraschend. «Seit Milch produziert wird, nahm die Milchmenge von Jahr zu Jahr zu», sagt er. «Dieses wirtschaftliche Wachstum können wir wohl kaum umkehren.» Erschwerend kommen aber die Aufhebung des Euro-Mindestkurses, der Abschied von den Milchquoten in der EU und internationale Konflikte dazu. «Diese Fakten werden unseren Milchmarkt fordern.»

Markt grundsätzlich gesättigt

Teil der Lösung ist die Tatsache, dass der globale Milchkonsum jährlich um zwei Prozent zunimmt. National wird hilfreich sein, dass die Lactofama die überschüssige Milch saisonal vom Markt nehmen wird. «Trotzdem bleibt eine Mehrmenge», sagt Ritter. «Diese sinnvoll zu verarbeiten und an die Konsumenten zu bringen, ist nicht einfach, weil unser Markt grundsätzlich gesättigt ist.»

Im Einzugsgebiet der VMMO werden fast 50 Prozent der Milch zu Hart-, Halbhart-, Raclette-, Frischkäse usw. verarbeitet. Doch praktisch alle in der Ostschweiz produzierten grossen Käsesorten wie Appenzeller, Emmentaler und Tilsiter haben trotz wachsendem Exportmarkt bsatzschwierigkeiten. «Es bleibt fast nur, andere mit Käse-Innovationen zu verdrängen. Aber auch das dürfte schwierig werden, da wir in der Schweiz bereits auf einem sehr hohen Käsekonsum von 21 Kilo pro Person und Jahr sind.» Nichts hält Ritter von einer politischen Mengensteuerung. Mengenlenkende Massnahmen müssen marktgerecht sein.

Produktion angepasst

Jürg Fatzer von den Thurgauer Milchproduzenten stellt fest, dass sich im Thurgau die Milchproduktion stabilisiert hat. «Unsere Milchbetriebe haben vor allem im Hinblick auf die Aufhebung der Milchkontingentierung im Jahr 2009 ihr Leistungspotenzial ausgenutzt», sagt er.  «Heute sind die Grenzen ziemlich erreicht. Steigerungen lassen sich praktisch nur noch über die Zuchtfortschritte und den technischen Fortschritt erzielen. Die Milchbauern haben sich deshalb zum grossen Teil angepasst und verlagern ihre Kräfte im Moment auf andere Produktionsbereiche.» K

omme dazu, dass sich junge Bauern kaum zur Milchproduktion entschliessen würden, wenn das Marktumfeld nicht stimme. Das heisst nun alles aber nicht, dass sich die Thurgauer Milchbauern der Dynamik des Marktes entziehen können. Auch sie werden sich bemühen müssen, dass ihr Produkt, rund 50 Prozent davon werden in 45 Käsereien zu Käse verarbeitet, von den Konsumenten gekauft wird.

Durchschnittliche Produktion pro Betrieb

Milchmengen 2007/2008: SG: 310'224 kg; TG: 252'256kg; AR: 43'989 kg; AI:  30'353 kg.
Mengen 2013/2014: SG: 338'406 kg; TG: 262'228 kg; AR: 49'069 kg; AI: 33'761kg.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE