Dienstag, 1. Dezember 2020
18.05.2014 12:34
Milchmarkt

Milchpreis heute schon zu tief

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Von: Daniel Salzmann

Markus Ritter setzt die Milchverarbeiter mit Zahlen zu den tiefen Verdiensten in der Milchproduktion unter Druck.

Im Jahr 2013 betrugen die Fremdkosten der Schweizer Landwirtschaft 9,87 Mrd. Fr. Sie lagen damit höher als der Produkteerlös, der sich auf total 9,47 Mrd. Fr. belief. «Das ist ein Problem», sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter im März an der Treuhand-Tagung der Agrotreuhand Rütti AG. Entweder seien die Erlöse bei den Produkten zu tief oder die Kosten zu hoch. Er illustrierte dies am Beispiel der Milchproduktion und zeigte Zahlen von Markus Höltschi, Prorektor des BBZN Hohenrain im Kanton Luzern.

Hohe Fremdkosten

«Höltschis Vollkostenzahlen sind die besten Zahlen, die es in der Schweiz gibt», kommentierte Ritter vor über 150 Bäuerinnen und Bauern.   Ritter fuhr fort: «Im Talgebiet haben wir Direktkosten (Futtermittel, Tierarzt, Besamer usw.) von durchschnittlich 27 Rp. pro kg Milch. Die fremden Strukturkosten (Gebäude, Maschinen) machen 40 Rp. aus. Zusammen macht das bereits 67 Rp., dies ohne die eigene Arbeit und ohne Verzinsung des Eigenkapitals gerechnet.» Und der Milchpreis habe bei 64 Rp. gelegen.

«Da muss ich nicht mehr sagen. Die haben einfach nichts verdient. Und im Hügel- und Berggebiet ist es noch schwieriger», schloss Ritter. Er betonte, die Aufgabe des SBV sei es, gute Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung zu stellen. «Entscheiden müsst ihr selbst», wandte er sich an die Betriebsleiter.

Mit der AP 14–17 würden die RGVE-Beiträge abgeschafft. Diese hätten im Durchschnitt umgerechnet 7,4 Rp. pro produziertes kg Milch  ausgemacht. Es gebe noch einmal eine Entkoppelung zwischen den Märkten und der Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen. «Positiv an dieser Entkoppelung ist, dass, wenn der Markt nicht Preise bezahlt, die es für die Bauern zum Produzieren interessant machen, dass dann die Produktion tendenziell zurückgehen wird», sagte Ritter. Grosse Verarbeiter würden sich wegen der AP 14–17 momentan mehr Sorgen machen, als man denke, und möchten die Reform am liebsten rückgängig machen.

Öffnung: Ritter hört auf

Die gleiche Folie mit den Produktionskosten bei der Milch hielt Ritter Anfang September 2013  in Luzern am ZMP-Polittreffpunkt bereits Hochdorf-CEO Thomas Eisenring und Emmi-CEO Urs Riedener unter die Nase. Mit solchen Zahlen will der Bauernverbandspräsident bei den Milchverarbeitern auch Druck für höhere Produzentenpreise machen. Zu einer möglichen Öffnung der weissen Linie sagte Ritter, der in der Bergzone I mit rund 26 Brown-Swiss-Kühen Biomilch zuhanden der Molkerei Biedermann produziert, damals: «Wenn die weisse Linie aufgeht, höre ich mit der Milchproduktion auf, das steht fest.»

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