7.03.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Milchproduktion macht wieder Freude»
Landwirtin Rosmarie Fischer-von Weissenfluh berichtete über die positiven Erfahrungen, die sie mit Laufstall, Melkroboter und Fütterungsroboter macht. Den Milchpreis musste sie dabei allerdings ausklammern.

«Ich wusste schon in der vierten Klasse, dass ich Landwirtin lernen will.» So begann Rosmarie Fischer-von Weissenfluh aus Blumenstein BE ihr Referat am Milchforum der Messe Tie&Technik. 

Schönster Beruf der Welt

Man habe ihr damals gesagt, als Frau solle sie besser einen anderen Beruf lernen. Doch mit der Unterstützung ihrer Eltern habe sie es geschafft. Landwirt sei für sie immer noch der schönste Beruf der Welt. Zehn Jahre lang habe sie auch in der Männerdomäne Futtermittelindustrie gearbeitet. 

Nun sei sie zusammen mit ihrem Mann Peter Chief Executive Officer (CEO) eines Landwirtschaftsbetriebes, den sie 2003 von den Schwiegereltern übernehmen konnten und den sie 2011 um einen Zweitbetrieb in der Bergzone II im Emmental erweiterten. Schon die Einführung zeigte, dass Fischer eine Betriebsleiterin ist, die weiss, was sie will. 

Kuh- und Ziegenmilch

Wo es zwei Chefs gebe, müssten die Aufgabenbereiche klar geteilt sein. Sie selbst sei für Haushalt, Familie und die Wiederkäuer – Milchkühe, Aufzuchttiere, Milchziegen – zuständig, so Fischer. Ihr Mann sei für die ganze Aussenwirtschaft, Maschinen, die Schweinemast und den Wald verantwortlich. Auf dem Betrieb mit total 5,6 Standardarbeitskräften (SAK) seien zusätzlich zwei Teilzeitmitarbeiterinnen und ein Lehrling tätig, daneben helfe auch der Grossvater täglich mit. 

Eine der zwei Angestellten sei in der Hofkäserei engagiert. Dass sie eine solche hätten, sei den Milchziegen geschuldet, die sich vor zwanzig Jahren als Möglichkeit zum Wachsen angeboten hätten. «Wir fanden damals keinen Verarbeiter für die Ziegenmilch, also begannen wir selbst damit.» Beliefert werden heute bis zu 40 Geschäfte, mittlerweile wird auch Kuhmilch zu Frischkäse verarbeitet. «Auch der Lehrling ist derzeit eine Frau», sagte Fischer und platzierte dann eine ihrer trockenen Bemerkungen, die ihr Referat so unterhaltsam machten: «Sie sehen, mein Mann ist ein glücklicher Mann: Er arbeitet ausschliesslich mit Frauen zusammen. Aber wir fordern ihn, ihr müsst ihn nicht nur beneiden.»

Laufstall mit Melkroboter

Eingeladen hatten die Schweizer Milchproduzenten und die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost Fischer aber wegen ihres Neubau eines Laufstalles, den sie vor rund einem Jahr bezogen hat – und wegen des  Melkroboters und des Fütterungsroboters von Lely, die gleichzeitig installiert wurden. Die Familie war vorher an die Grenzen ihrer Kräfte gelangt und diskutierte über die Zukunft. Der Entscheid: «Wir sagen Ja zur Schweizer Milchproduktion, und wir investieren in die Automatisierung, die uns auch mit der Digitalisierung konfrontiert.» 

Der Systemwechsel wirke sich wie folgt aus: weniger Muskeln, mehr Kopf. Es sei eine Chance gewesen, in ihrem Alter so viel Neues zu lernen. «Viele sagen mir, mit rund 65 Milchkühen ist deine Herde jetzt so gross, du hast keine Zeit mehr für die Tiere.» Doch für sie seien weiterhin die Namen der Tiere und nicht ihre Nummern entscheidend. «Ich kann beim Boxenmachen mal in der Herde stehen bleiben, die Kühe kommen zu mir, und ich kann eine Kuh am Kopf kraulen und dazu ein paar Daten im Handy erfassen.» 

Viel Vertrauen nötig

Früher habe sie beim Melken immer Vollgas geben müssen. So habe sie für die Beobachtung der Tiere heute wohl sogar mehr Zeit als früher. Die zeitliche Flexilität schätze sie sehr, gerade als Familienfrau. Auch die Konsumenten könnten nachvollziehen, dass der fast freie Wechsel zwischen Melken, Fressen und Weide tierfreundlich sei. 

Sie sei stolz darauf, dass im vergangenen Jahr der Roboter nur einmal etwas gemeldet habe, bevor sie es selbst festgestellt hatte. Die Datenflut sei eine Herausforderung. Man müsse erst herausfinden: Welche Daten brauche ich, um meinen Betrieb effizient zu führen? Den Partnerfirmen müsse man viel Vertrauen entgegenbringen, etwa wenn sie sich via Teamviewer am eigenen PC zu schaffen machten. Überhaupt sei man dem Partner auch ein Stück weit ausgeliefert: Wenn der wolle, könne er die Anlage abstellen. 

Schule gab Daten 

Der Datenschutz sei für sie ein Riesenthema, sagte Rosmarie Fischer-von Weissenfluh und erzählte folgende Anekdote: «Ich wollte unserem Lehrling die Direktzahlungsdaten aus dem Gelan-System zur Verfügung stellen. Da sagte er: ‹Die wurden uns in der Schule schon verteilt.›» Sie habe dann «Riesendiskussionen» mit der Schule gehabt, denn sie finde es eine absolute Frechheit, wie in diesem Fall mit ihren Daten umgegangen worden sei. Sie meinte, bei Sozialhilfeempfängern würde der Datenschutz höher gehalten. sal

Die Jungen sind motiviert

Vor allem aber betonte Fischer, dass es jetzt wieder Spass mache, Milch zu produzieren. Und fügte leise an: «Den Milchpreis klammern wir jetzt mal aus.» Die Familie liefert die Molkereimilch an die Aaremilch, vorher ging die Käsereimilch aus dem Anbindestall in die lokale Emmentaler-Käserei. Zur Wirtschaftlichkeit sagte sie generell: «Das wird sich noch beweisen, wir sind im Fahrplan.» 

Das Beste am Neubau und der Automatisierung sei aber, dass er bei ihren drei Kindern Dania, Florian und Reto einen gewaltigen Motivationsschub ausgelöst habe. Für ihr Schlusswort erntete Rosmarie Fischer viel Applaus: «Der Motor für einen Familienbetrieb ist die Motivation der nächsten Generation.»

www.mutti-hof.ch

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE