28.05.2016 17:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Türkei
Milchschwemme in der Türkei
Auch in der Türkei leiden die Milcherzeuger aktuell unter niedrigen Preisen. Wie der US-Agrarattaché in Ankara jetzt berichtete, sind die Milchpreise seit 20 Monaten nicht mehr gestiegen.

Landwirte beklagten, dass der Nationale Milch Board den Mindestpreis von 1,15 TL (39 Rp.) pro Liter Rohmilch längst nicht mehr garantieren könne. Die Verarbeitungsindustrie zahle deutlich weniger. 

Produktion deutlich ausgeweitet

Berichtet wird dem US-Agrarexperten zufolge von einer Milchschwemme und einem Literpreis von zuletzt nur noch 0,70 TL (0,24 Rappen). Die Nachfrage habe mit der Produktionsentwicklung nicht mitgehalten. Zuletzt sei der Verbrauch sogar gesunken. Als ein Grund dafür werden auch die militärischen Auseinandersetzungen im Irak genannt. Das Nachbarland ist der grösste Exportmarkt für die türkische Milchindustrie.

Massgeblich ist allerdings auch, dass die Milchproduktion in der Türkei in den vergangenen Jahren insgesamt kräftig gewachsen ist, und zwar von weniger als 14 Mio. t im Jahr 2010 auf 18,65 Mio. t im vergangenen Jahr. Davon entfielen knapp 17 Mio t auf Kuhmilch. Hiervon wurden wiederum 8,9 Mio t an Molkereien geliefert, was eine Zunahme um 3,5 % gegenüber 2014 bedeutete. Die verbleibenden 8 Mio. t gehen in den Eigenverbrauch beziehungsweise werden verfüttert.

Wiederholt sich Krise?

Gefördert wurde die Milcherzeugung durch den Einstieg von grossen Unternehmen und Investoren in die Landwirtschaft. Es wurden grosse Milchfarmen aufgebaut, gestützt durch zinslose Kredite der Türkischen Agrarbank. Fachleute warnen angesichts der sehr niedrigen Milchpreise, denen vergleichsweise hohe Futterkosten gegenüberstehen, vor einer Wiederholung der 2008 verzeichneten Krise.

Damals gaben die Milchbauern mangels Rentabilität der Milchproduktion viele ihrer Tiere zur Schlachtung. In der Folge nahm der Rinderbestand landesweit kräftig ab, so dass es dann 2009 wieder zu einem dramatischen Anstieg der Rindfleisch- und Milchpreise kam. Die türkische Regierung sah sich daraufhin veranlasst, die Einfuhr von Lebendrindern in grösserem Umfang zu erlauben, um denAnstieg der Fleisch- und Milchpreise auf der Konsumentenebene zu dämpfen.

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