28.04.2016 16:35
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
BOM
"Milchwirtschaft stärken statt schwächen"
Die Milchwirtschaft kämpft derzeit weltweit mit einer hohen Produktion, verhaltener Nachfrage und tiefen Produzentenpreisen. In diesem Zeichen stand auch die Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch (BOM) von Donnerstag in Bern.

"Es ist zu hoffen, dass wir am unteren Ende des Preiszyklus angelangt sind und ab 2017 wieder eine bessere Zeit kommen wird", sagte BOM-Präsident Markus Zemp. Er geht aber nicht davon aus, dass sich die Lage noch dieses Jahr verbessern wird.

Vergleichsweise am kompetitivsten

Zemp betonte, dass die Milchwirtschaft die einzige Landwirtschafts-Sparte sei, die erfolgreich im Export tätig sei. Sie sei vergleichsweise am kompetitivsten. Gleichzeitig sei die Branche mit dem Käsefreihandel mit der EU und vergleichsweise tiefen Zöllen in den anderen Bereichen am stärksten dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt.

"Nur hat die Branche hier eine grosse Hypothek mit der Produktion und Verarbeitung im hohen Kostenumfeld Schweiz und dem Schweizer Franken", so Zemp. Es sei deshalb an der Zeit, dass die Agrarpolitik handle. "Im Hinblick auf die Zukunft mit offenen Grenzen erwarte ich eine realistische Analyse der Zukunftsfähigkeit der verschiedenen Sektoren der Schweizer Landwirtschaft", sagte Zemp.

Milchbranche stärken und nicht schwächen

Dabei müsse die Milchwirtschaft einer der Kernsektoren bleiben. "Nur muss man die Milchwirtschaft auch so fördern, dass sie gestärkt und nicht geschwächt in die Zukunft gehen kann. Die aktuelle Agrarpolitik jedenfalls hat sie nicht gestärkt", so der BOM-Präsident.

Weil die WTO Ende vergangenen Jahres den Exportstützungen ein Ende bereitet hatte, muss eine Nachfolge-Lösung für das Schoggigesetz gefunden werden. Hier zeigte sich Zemp optimistisch. Die Branche habe sich zusammen mit den Bundesbehörden und dem BLW im Grundsatz auf ein Nachfolgekonzept geeinigt. "Wir nehmen mit Zufriedenheit zur Kenntnis, dass Bundespräsident Johann Schneider-Ammann gewillt ist, die aktuellen Mittel fürs Schoggigesetz WTO-konform weiterhin zur Verfügung zu stellen", so Markus Zemp. Die BOM bereitet sich aktuell auf die Umsetzung des neuen Systems vor.

Segmentierung wirkt, kann aber nicht alle Probleme lösen

"Wir machen uns Sorgen wegen des Absatzes von Molkereiprodukten und Butter", sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler. Die Verkäufe gingen letztes Jahr trotz steigender Bevölkerung zurück. Er wies zudem darauf hin, dass zwar mehr Käse produziert wurde, dies aber auf den Anstieg beim Frischkäse zurückzuführen ist. Für die Produktion von Frischkäse braucht es aber weniger Milch als für Halbhart- oder Hartkäse -  das ist schlecht für die Milchnachfrage.

Kohler ging zudem auf die Wirkung der Segmentierung ein. Man müsse sich fragen, was ohne die Segmentierung passiert wäre, als der Druck auf die Milchpreise begann. Zwar wurde die Distanz A-Milch zu Richtpreis grösser, aber die Preise kamen relativ gesehen nicht so stark ins Rutschen wie im europäischen Umfeld. "Das können wir zum grossen Teil der Segmentierung verdanken", so Kohler.

Der BOM-Geschäftsführer erwähnte aber auch, dass die Segmentierung nicht alle Probleme des Milchmarktes lösen könne. "Wenn ein Markt nicht im Gleichgewicht ist, dann ist er nicht im Gleichgewicht", so Kohler. Die Delegierten stimmten schliesslich dem von Kohler präsentierten Geschäftsbericht einstimmig zu.

Projekt "Milchbranche 2025"

Anfang Jahr gestartet ist das Projekt "Milchbranche 2025". Ziel ist es, einen Mehrwert für Schweizer Milch in sich öffnenden Märkten zu generieren. In einem ersten Schritt sollen dabei Merkmale definiert werden, mit denen sich die Schweizer Milchprodukte differenzieren können.

Als Beispiele nannte Markus Zemp die Produktsicherheit und Qualität; das Schweizer Image mit Bergen, Natur und Tradition; das Tierwohl; die raufutterbasierte Fütterung; die GVO-Freiheit sowie die starken Schweizer Marken. Geprüft wird weiter welche Merkmale tatsächlich einen verkaufbaren Mehrwert darstellen. Schlussendlich sollen diese Mehrwerte vermarktet werden. Bis Ende 2016 soll ein entsprechendes Konzept vorliegen.

Neue BOM-Vorstandsmitglieder

Michel Pellaux (Cremo), Christian Guggisberg (Coop), Samuel Girard (APLC) und René Vonlanthen (FSFL/Suppleant) traten aus dem Vorstand zurück. Sie werden ersetzt durch Andreas Wegmüller (Cremo), Christian Rüttimann (Coop), Sandra Dougoud (APLC) und Gabriel Yerly (FSFL/Suppleant).

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