Dienstag, 15. Juni 2021
29.09.2013 12:02
Lohndebatte

Mindestlohn beträfe Landwirte stark

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Von: Daniel Etter, Samuel Krähenbühl

Der Ständerat lehnt die Mindestlohn-Initiative ab. Auch der Schweizerische Bauernverband wird wohl die Nein-Parole beschliessen. Zahlreiche landwirtschaftliche Angestellte müssten deutlich höher entlöhnt werden.

Die Mindestlohn-Volksinitiative der Gewerkschaften fordert einen gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde. Bei einer Vollzeitanstellung mit einer 42-Stunden-Woche ergibt das einen Bruttomonatslohn von 4000 Franken. Ausgenommen davon wären  Praktikanten und Lehrlinge. Am Dienstag diskutierte der Ständerat über die Initiative. Mit  31 zu 13 Stimmen empfiehlt er sie zur Ablehnung. 

Von 3170 auf über 5000 Fr.

Würde die Mindestlohn-Initiative angenommen, hätte dies einschneidende Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Aktuell beträgt der Mindestlohn in der Landwirtschaft 3170 Franken pro Monat. Dies bei einer Wochenarbeitszeit von 55 Stunden, diese variiert allerdings von Kanton zu Kanton. Müssten die Bauern ihren Angestellten nun 22 Franken je Stunde bezahlen, wie es die Initiative will, ergäben sich Monatslöhne von über 5000 Franken. Dies würde einer Lohnerhöhung von zirka 66% entsprechen.

Zwar hat der Schweizerische Bauernverband (SBV) offiziell noch keine Parole zur Mindestlohn-Initiative beschlossen. Es ist aber so gut wie sicher, dass er sie ablehnen wird. Denn: «Die Bauernfamilien könnten eine derart markante Lohnerhöhung gar nicht tragen», ist Monika Schatzmann, Leiterin von Agroimpuls beim SBV, überzeugt.

SBV: «Nicht überwälzbar»

Viele Betriebe mit arbeitsintensiven Kulturen sind auf bezahlbare Arbeitskräfte angewiesen. Schatzmann glaubt auch nicht, dass die Lohnkostenerhöhung an die Konsumenten weitergegeben werden könnten: «Wir stehen in harter Konkurrenz zu den günstigeren Importprodukten.» Ergo geht Schatzmann davon aus, dass gewisse Kulturen aus der Schweiz verschwinden, die Schwarzarbeit und die Arbeitsbelastung der Betriebsleiterfamilien tendenziell zunehmen würden.

Viele Schweizer Bauernbetriebe kommen ohne Angestellte aus. Langjährige landwirtschaftliche Angestellte erhalten zudem oft mehr als der aktuell vorgeschriebene Mindestlohn. So stellt sich die Frage, welcher Anteil der Angestellten von der Annahme der Initiative  betroffen wäre? In einem Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) wird die Anzahl Stellen mit einem Stundenlohn von unter 22 Franken in der Landwirtschaft auf rund 15’000 geschätzt. Dies entspräche einem Anteil von 34% aller landwirtschaftlichen Angestellten.

Diese Auffassung teilt Monika Schatzmann nicht. Im Gegenteil. Sie glaubt, dass der Anteil deutlich höher sei. «Sehr wenige Angestellte verdienen in der Landwirtschaft über 5000 Franken», sagt sie. Den Anteil von der Initiative betroffener Arbeitsplätze in der Landwirtschaft schätzt sie daher auf über 70%. Zu bedenken sei auch, dass die  allermeisten Bauernfamilien selbst nicht auf einen Monatslohn von 5000 Franken pro 100%ige Familienarbeitskraft kommen.

SP-Kritik im Ständerat

Im Ständerat betonte die Initiativgegnerin Karin Keller-Sutter (FDP, SG), in Branchen mit tiefer Wertschöpfung wie Coiffeur- und Kosmetikgewerbe, Hotellerie, aber eben auch Landwirtschaft, würden generell tiefere Löhne bezahlt. Christian Levrat (SP, FR) hingegen kritisierte: «Wir unterstützen die Landwirtschaft mit einem Zahlungsrahmen von mehr als 12 Milliarden, einer massiven Subventionierung, die ich aber als gerechtfertigt erachte. Aber es hat etwas Schockierendes, massiv zu investieren, um die bäuerlichen Einkommen zu erhalten, im Gegenzug aber den Angestellten einen minimalen Schutz in der Form eines Mindestlohns zurückzuweisen.» 

Anita Fetz (SP, BS) ergänzte: «Sehen Sie in der Landwirtschaft irgendwelche Appenzeller, Tessinerinnen oder Waadtländer als Erntehelfer arbeiten? Sie sehen ganz Europa dort arbeiten – zu unverschämt niedrigen Preisen.» Peter Föhn (SVP, SZ) erwiderte: «Ich finde es sogar eine Frechheit, dass Sie jetzt einfach die Landwirtschaft so darstellen, als ob diese nur die Mitarbeiter missbrauchen würde. Wir haben bei uns etliche Appenzeller und auch Muotathaler, die in der Landwirtschaft und auf den Alpen arbeiten. Wir haben auch Zürcher, wir haben aber auch Ausländer, das ist klar.»

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