25.07.2015 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Ausbildung
«Mit Kühen fägt es einfach»
Bereits wird fast jede sechste Lehrstelle zum Landwirt(in) an eine junge Frau vergeben. Nicole Riesen aus Neuenegg BE ist eine davon. Weil sie gerne mit Kühen arbeitet, hat sie drei Lehrbetriebe mit Kühen ausgesucht.

«Schweizer Bauer»: Beim Abschlusstheater der Sek Neuenegg BE spielten Sie quasi sich selbst, nämlich eine junge Frau aus der Landwirtschaft. Wie war das?
Nicole Riesen: Das war ziemlich lustig. Es war eine gute Idee, dass wir uns selbst spielen konnten. Ich musste mich gar nicht gross verstellen, auch vom Charakter her – auch wenn ich nicht ganz so zurückhaltend bin wie ich im Theater sein musste...

Sie trugen im Theater ein hellblaues Edelweisshemd. Tragen Sie das auch sonst?
Noch habe ich keines. Aber ich will eines kaufen!

Sie brachten das Thema Milchpreis ins Theater ein. Warum war Ihnen dies wichtig?
Wir überlegten, was wir als Grund für meinen Banküberfall angeben könnten. Und dann sagte ich: «Immer diese blöden Milchpreise, die immer tiefer sinken!» Die anderen fanden es eine gute Idee, etwas zu nehmen, das in der Realität so ist.

Wie bekommen Sie selbst die tiefen Milchpreise mit?
Nicht mehr so direkt, weil wir auf unserem Hof keine Kühe mehr haben. Aber man hört natürlich viel davon, etwa von meinem Onkel.

Sie mögen Kühe. Wo lernten Sie Kühe schätzen, wenn Sie zu Hause keine mehr haben?
Bei meinem  Onkel Martin Keller-Riesen in Clavaleyres BE, der  unsere Kühe übernommen hat. In den allermeisten Ferien war ich jeweils eine Woche bei ihm. Und schon von klein auf mochte ich Tiere immer sehr.

Welche Kuhrasse hat er?
Die meisten sind Red Holstein. Aber ab und zu hat er vom Nachbarn ein schwarzes Kalb.

Warum mögen Sie Kühe?
Genau kann ich es auch nicht sagen. Aber es sind einfach «coole» Tiere. Mit ihnen «fägt» es einfach. Bis ich vier Jahre alt war, hatten wir ja auch hier noch Kühe, 12 bis 15 Stück. Daran erinnere ich mich noch. Auf einer Kuh sass ich jeweils, wenn mein Vater sie melkte.

Sie beginnen im August die Lehre als Landwirtin. Seit wann war dies klar?
Schon von klein auf sagte ich immer, dass ich Landwirtin werden will. Ich mochte schon immer Tiere, bin gerne draussen und bin auch nicht unbedingt jemand, der lange ruhig sitzt. Ich schnupperte dann aber trotzdem noch in anderen Berufen – medizinische Praxisassistentin, Schneiderin, Podologin. Aber nichts gefiel mir so gut wie Landwirtin! In der siebten Klasse begann ich dann, eine Lehrstelle fürs Bauern zu suchen.

Wo ist Ihr Lehrbetrieb?
Ich habe Lehrstellen für alle drei Jahre. Das erste Jahr mache ich in Köniz BE bei Andreas Streit, das zweite in Ostermundigen BE, das dritte in Biezwil SO.

Und die halten alle Kühe?
Ja. Die ersten beiden Betriebe produzieren Milch, der dritte Betrieb ist ein Pouletmastbetrieb, der mit dem Schwager eine Viehgemeinschaft hat, bei der man einzelnen Wochenenden melken geht. Ich ging bei einem Betrieb schnuppern, der keine Kühe hielt – da fand ich, es fehle etwas.

Hatten Sie mit Kühen noch nie ein negatives Erlebnis? 
Mit Kühen nicht. Aber mit einem Muni beim Onkel. Der ist sonst sehr zahm. Aber  als ich ein Kälblein, das sich mit den Beinen im Halfter verfangen hatte, befreien wollte, kam er auf der Weide auf mich zugerannt. Ich schrie ihn lauthals an.

Das nützte?
Jedenfalls blieb er stehen. Und dann kam zum Glück mein Cousin hinzu.

Wenn nicht mit Kühen, mit welchen Tieren möchten Sie sonst etwas machen?
Mit Pferden.

Auf dem Hof Ihrer Eltern hat es aber keine Pferde?
Nein, wir machen Pouletmast und Ackerbau. Meine Eltern Monika und Kurt arbeiten auch noch auswärts. Bei der Kartoffelernte oder beim Einstallen der Poulets etwa helfen auch meine drei älteren Schwestern zu Hause mit.

Möchten Sie später einmal Milch produzieren?
Ja, gerne – wenn es eine gute Möglichkeit dazu gibt. Auf unserem Hof in Neuenegg BE wieder mit der Milchwirtschaft zu beginnen, sehe ich  allerdings eher nicht.

Das Haushaltsjahr war keine Option?
Nein. Ich muss sagen, dass der Haushalt nicht so mein Ding ist.

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