8.08.2016 13:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Schwyz
Mit Leib und Seele auf der Alp
Yvonne und Stefan Heinzer haben sich auf der Alp kennen und lieben gelernt. Als frisch verheiratetes Paar sind sie die neuen Älpler auf der Alp Gummen am Fusse des Kleinen Mythen. Mit viel Leidenschaft und Freude.

Yvonne Heinzer kommt mit Auto und Anhänger angefahren «Hei du, sind ier scho da», ruft sie uns mit einem frohen Lachen im Gesicht zu. Der Käsekeller sei drum schon voll gewesen, so hätte sie eine Fuhre in den Keller zu einem Kollegen ins Muotatal, wo sie im Winter wohnt, bringen können.

Mutschli mit Kümmel

Stefan und Yvonne Heinzer sind ein eingespieltes Team. Er ist vor allem für die Tiere zuständig, Sie hat das Sagen in der bestens eingerichteten Käserei. Gegenseitig helfen sie sich, unterstützt durch einen Zusenn, temporäre Helfer und Yvonnes Eltern. Ein Blick in den Käsekeller zeigt es: Da wurde schon viel gearbeitet. Und die Qualität stimmt: «Ja 19,5er ist auch dabei», sagt Stefan bescheiden.

Alp Gummen

Die Alp Gummen liegt auf 1400 Metern Meereshöhe unmittelbar am Fuss des Haggenspitz und Klein-Mythen in der Gemeinde Schwyz. Sie gehört misst 30 Hektaren Land, davon 18 Hektaren Weidefläche. Sie wird bestossen mit 32 Milchkühen, 11 Ziegen und 20 Schweinen. In der modernen Alpkäserei wird  auch die Milch der benachbarten Stucklialp, von Ober und Unter Brüschrain verarbeitet. Der Käse wird am Buremärcht Sattel in der Landi Schwyz und Einsiedeln sowie im Kapuzinerkloster verkauft. Wichtig sind auch die Alpkäsemärkte. Die Konkurrenz sei gross, «deshalb muss der Alpkäse gut sein», so das Älplerpaar. ral

Neben Schwyzer Alpkäse lagern verschiedene Mutschli mit Bärlauch, Knoblauch, Kümmel, Pfeffer oder Chili. «Ja, die verschiedenen Aromen sind teils schon ein bisschen eine Modeerscheinung, aber der Absatz läuft. Jetzt müssen wir dann wieder Chili machen, der ist momentan ausverkauft», sagt die engagierte Alpkäserin. Daneben gibt es Geisskäse, neun Sorten Joghurt oder neben Alpbutter auch Kräuter- und Knoblibutter.

Voller Ideen

Neben der Milch von den 28 Kühen, die auf der Alp Gummen gesömmert werden, wird die Milch von drei Nachbaralpen in der 2007 erstellten Käserei verarbeitet. Zurzeit sind es noch 900 Liter täglich, am Anfang waren es 1700. «Wir konnten viele Ideen umsetzen, und wir können auf die Unterstützung der Alpbesitzer, der Genossame Schwyz, zählen», erklärt die 29-jährige Älplerin. Eine unscheinbare Tafel weist darauf hin, dass es hier Alpprodukte gibt.

Mittlerweile sind Gäste gekommen: Pilger, die auf dem Jakobsweg, der an der Alphütte vorbeiführt, unterwegs sind, oder Ausflügler, die die Bergwelt erleben wollen. An einem schönen Tag wie heute ist plötzlich jede Hand gefragt: «Na en Chäställer, es Rauchwürschtli!» Die drei Tische vor der Alphütte sind besetzt, obwohl es eigentlich gar keine Alpwirtschaft ist. «Dier stelli grad en Chrueg mit Kafi häre», sagt Yvonne zu Toni, einem Bauer, der aus dem nahen Alpthal hochgekommen ist. «Sie macheds guät, die zwäi», meint dieser.

Gemeinsame Sommer

Die beiden sind glücklich, dass sie in ihrer vertrauten Umgebung letzten Herbst den Zuschlag als neue Älpler auf der Alp Gummen erhalten haben. Schon seit sie 17 sei, gehe sie auf die Alp, zuerst im Berner Oberland, dann im Bündnerland, habe Ausbildungen am Hondrich und am Plantahof gemacht, so die Bauerntochter. 2010 sei Stefan als Zusenn auf einer Bündner Alp aufgetaucht.

«Da hat es gefunkt, und wir waren seither jeden Sommer miteinander zAlp.» Nun sind die beiden Innerschweizer frisch verheiratet. Auch wenn die Tage lang sind, empfindet Stefan keinen Stress. «Mein eigener Herr und Meister sein und den Frieden auf der Alp haben», schätzt er am meisten. «Und dann die schönen Morgen, der Kontakt mit den Tieren, das gehört zum Schönsten auf der Alp», pflichtet ihm Yvonne bei.

Stefans Eltern haben zu Hause Schafe und Ziegen, Yvonnes Eltern mussten 2006 den Pachtbetrieb aufgeben. Stefan Heinzer ist aktiver Schwinger. Sein grösster Erfolg? Am Emmentalischen Schwingfest in Sumiswald holte er Ende Juni seinen ersten Kranz – als Fünfter auf Augenhöhe mit Schwingerkönig Kilian Wenger. Im Winter ist er als Schreiner im Küchenbau tätig, und Yvonne verbreitet ihr Lachen als Servicefachfrau in der Gastronomie.

Genossame Schwyz

Bei der Besiedelung des Landes Schwyz bildeten die freien Bauern die sog. Marktgenossenschaft, die als Oberallmeindkorporation Schwyz bis heute besteht. Sie ist viel älter als die Eidgenossenschaft. Nebst dem Land als unverteilbarer Besitz, das jedem Landmann aus freiem altem Schwyzer Geschlecht zur eigenen Nutzung zustand, wurden Alpen, Weiden und Wald gemeinsam genutzt. 1882 stimmte die Oberallmeind-Gemeinde einem Teilungsvertrag zu. Dadurch entstanden alle Dorf-Genossamen. Die Genossame Schwyz besitzt 15 Alpen, von denen 11 in Eigenregie bewirtschaftet werden. 2015 sömmerten 292 Kühe und 127 Rinder der Genossenbürger. ral

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