21.02.2014 08:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Adi Lippuner
St. Gallen
Mit zwei PS Bretter transportieren
Bretter abholen, Mist in unwegsamem Gelände transportieren oder einfach ein Fuder Heu einbringen: Die beiden fünfjährigen Freiberger Füchs und Max werden regelmässig für Arbeitseinsätze gebraucht.

Dem Urnäscher Bauernsohn Rolf Fässler wurde die Liebe zu Pferden sozusagen in die Wiege gelegt. «Schon mein Vater hielt immer ein Pferd und erledigte im Winter Holzrückearbeiten. Und wenn immer möglich, half ich im Stall, am liebsten beim Pferd, weniger gerne bei den Kühen.» Und deshalb habe er sich auch gegen die Übernahme des elterlichen Betriebs entschieden, wird mit feinem Lächeln erklärt.

Mit Säumen begonnen

Wer den gelernten Metzger bei der Arbeit mit den Pferden beobachtet, stellt rasch fest: Da ist ein Mann mit Pferdeverstand im Einsatz. Füchs und Max hören nicht nur auf seine Stimme, sie scheinen auch jede seiner knappen Gesten bestens zu verstehen. Und weil Pferde ja von Haus aus Arbeitstiere sind, sorgt der Pferdefreund für regelmässige Bewegung seiner Tiere.

«Begonnen hat das Ganze mit Säumen. So durfte ich Baumaterial auf eine abgelegene Alphütte transportieren. Dann folgten Aufträge für das Ausbringen von Mist auf steilen Alpweiden und inzwischen bin ich, nebst meiner Tätigkeit bei einer Grossmetzgerei in Bazenheid, regelmässig mit Füchs und Max unterwegs.»

Ausbildung beim Train

Was Rolf Fässler im Umgang mit Pferden nicht auf dem elterlichen Hof lernte, wurde ihm 1996 bei der Train-Rekrutenschule auf St.Luzisteig beigebracht. «Es waren gute, aber auch anstrengende Wochen, welche ich dort verbrachte,» blickt er zurück. Inzwischen hat er sich sein Leben zwischen Beruf, wobei er vorwiegend in der Nachtschicht arbeitet, und seinen Aufgaben mit den Pferden bestens organisiert.

Ab und zu gebe es wenig Schlaf, «aber das kann ich ja nach der Pensionierung immer noch nachholen», wird mit dem ihm eigenen Appenzeller Schalk bemerkt. Als Mensch ist Rolf Fässler eher der ruhige, zurückhaltende Typ, aber ab und zu ein Scherz gehört ganz einfach dazu.

Mit Hausbesitzer einig

Seit der gebürtige Urnäscher im Toggenburg heimisch geworden ist, lebt er in Nesslau-Büel in einem Gewerbehaus mit Zimmerei und Blockhausbau. Besitzer Jürg Strübi freut sich über die Liebe und Sorgfalt, mit der Rolf Fässler seine Pferde betreut. «Eines Tages sind wir übereingekommen, dass auch Holztransporte in der Umgebung mit zwei Pferdestärken sinnvoll wären», ist vom Pferdebesitzer zu erfahren.

Und weil demnächst im Rietbad, an der Strecke zwischen Nesslau und Schwägalp, ein Blockhaus entstehen wird, hat Rolf Fässler seit Dezember bereits sechsmal je zwei Tonnen frisch gesägte Bretter in Alt St.Johann-Starkenbach in der Sägerei von Christian Ammann abgeholt.

Nicht alle haben Geduld

Eine nicht ganz einfache Aufgabe, führt doch die gut neun Kilometer lange Strecke über die viel befahrene Kantonsstrasse, welche das mittlere mit dem obersten Toggenburg verbindet. «In der Regel sind die Autofahrer rücksichtsvoll, aber es gibt leider auch Ausnahmen», so die bisher gemachten Erfahrungen von Rolf Fässler. Allerdings lässt sich der Pferdebesitzer nicht aus der Ruhe bringen. Und dies, obwohl er auf einem Brett sitzt, das sich während des Transports ziemlich genau über der Mittellinie der Strasse befindet.

Rolf Fässler geniesst die ruhige Fahrt, das gleichmässige Tripp-Trapp seiner Pferde und den Rauch seiner Brissago. «Bei solchen Aufgaben kann ich mich besser erholen als in einer ganzen Ferienwoche,» bringt er seine Befindlichkeit auf den Punkt.

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