26.04.2016 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Suzie Mischler-Weber
Bern
«Möchte in der obersten Liga spielen»
Für Familie Meier ein grosser und mutiger Schritt: die Umstellung auf Bio. Sie wurde belohnt mit viel Zufriedenheit.

Trotz der kühlen Temperaturen weiden die Kühe von Erika und Martin Meier draussen. Ein typisch idyllisches Bild im kleinen Dorf Noflen BE. 

Kein einfacher Schritt

Familie Meier stellte ihren Betrieb von ÖLN auf Bio um. «Das ist kein einfacher Schritt gewesen», erinnert er sich, denn er stiess dabei auf viele Widrigkeiten. Doch Argumente hatte er genug: «Ich bin noch nicht zu alt, etwas Neues zu wagen, aber zu jung, um alles beim Alten zu lassen. Und ich möchte auch mal in der obersten Liga mitspielen.»

Die 24 Hektaren bewirtschaftetes Land sind vor allem Grünland für die Rinder. Daneben baut Meier Mais, Weizen und Roggen an. Weizen und Roggen wird zu Brotmehl verarbeitet, weil gute Absatzkanäle bestehen. Das Schwergewicht des Betriebes ist aber die Milchproduktion und die Schweinezucht.

Rotation der Schweine

Auf Meiers Hof leben rund 50 Zuchtsauen, 4 Gruppen à 14 Mooren, welche miteinander im 6-Wochen-Rhythmus abferkeln. Bis eine Woche davor bleiben sie im Galtsauenstall. Danach kommen sie in die Einzelbuchten. Gegenüber der konventionellen Schweinezucht ist bei Bio ein Wühlbereich und im Sommer entweder Wühlbereich oder Weidegang Vorschrift.

Meier entschied sich zunächst für den Wühlbereich. Dieser ist etwas aufwendiger und muss gepflegt werden. Es braucht viel frische Rinde, weil die Sauen einiges davon fressen. Zusätzlich befindet sich daneben Beschäftigungsfutter aus Heu und Gras. Dies ist nicht das Nährstoffangebot, soll aber das Wohlbefinden der Sauen steigern.

Sauen haben Ohrchip

Alle Sauen haben im Ohr einen Chip. Anhand dieser Daten stellt die Futterstation individuell Futter und Menge im richtigen Verhältnis zum Trächtigkeitsstadium ein. Über der Futterstation steht ein grosser Schottetank. 10 bis 15% der gesamten Schweinefütterung macht die Schotte aus. Im Rückzugs- und Liegebereich der Sauen ist es warm und eingestreut.

Bewusst hat Meier diesen Stall grösser als die vorgeschriebene Norm gebaut, weil er merkte, dass es dem Tier wohler ist, wenn es genug Platz hat. Direkt anschliessend an den Galtsauenstall haust der Eber. Der direkte Kontakt zu den Mooren ist wichtig. Der Eber reagiert darauf, wann die Sauen bereit sind zum Belegen.

Arbeitet mit Ammen

Der Abferkelstall musste für die Umstellung neu erstellt werden, weil die Situation zuvor nicht den Biorichtlinien entsprach. Für die Sauen mit ihren Ferkeln gibt es nun einen Aussen- und einen Innenbereich. Die Rückzugsmöglichkeit der Ferkel ist etwas wärmer als der gesamte Innenbereich. Gefüttert wird Sommer und Winter immer draussen, und die Ferkel haben die Möglichkeit, vom ersten Tag an, dort mitzufressen.

Die grosse Fläche wird täglich in Handarbeit ausgemistet und frisch eingestreut. Das ist arbeitsintensiver, aber der engere Kontakt zum Tier ermöglicht, Ungereimtheiten rascher wahrzunehmen. Er achtet darauf, dass bei einer Sau mit 14 Zitzen, die Ferkelzahl  diese nicht übersteigt. Er arbeitet nicht mit Ammen. Da 10 bis 14 Sauen miteinander abferkeln, werden gegebenenfalls die Ferkel umverteilt. Auf Meiers Betrieb bleiben die Ferkel 47 Tage bei der Mutter. Danach kommen sie in einen Mastbetrieb. Gegenüber der herkömmlichen Schweinezucht von 2,3 bis 2,5 Würfe pro Jahr rechnet  Meier mit 2 Würfen pro Jahr.

Weniger Milch mit Bio

Meier möchte seine 30 Kühe ganz auf Swiss Fleckvieh umstellen. Heute sind noch zwei Drittel Red Holstein. Wohl ist die Milchleistung weniger hoch, dafür sind die Kälber auch für die Fleischproduktion interessant. Die Milchleistung seiner Rinder sank etwas mit der Umstellung auf Bio. Das liege einerseits klar daran, dass weniger Kraftfutter eingesetzt wird. Die Milchleistung pendelt sich nun auf etwa 7600 kg ein.

Die beste Leistungsphase ist im August/September, wenn das Futter Gras und Mais gemischt ist. Stimmt das Wetter, kann viermal pro Jahr der Heuschnitt gemacht werden. Das gute Gelingen der Heufütterung ohne Futterrüben überraschte Meier. Im Boxenlaufstall werden die Rinder zum Melken im Liegebereich eingesperrt. Es gibt keinen eigentlichen Warteraum. Nach dem Melken, wissen die Tiere, gibts im Futterbereich frisches Futter. Der Stall ist so konzipiert, dass sich die Rinder im Stall frei bewegen und jederzeit ins Freie können.

Meier braucht einem Trockensteller, den er wie einen Zapfen in einen Strich einführt. Nichts tun sei etwas heikel. Aus Überzeugung, sich unabhängig vom Erdöl zu machen, richteten Meiers eine Holzschnitzelheizung ein, welche den gesamten Hof mit Haus, Stöckli und Ställen beheizt. Die Schnitzelanlage wird mit eigenem Holz betrieben.

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