16.02.2019 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Tessin
Molkerei Lati kämpft ums Überleben
Die Tessiner Molkerei Lati geriet in finanzielle Schieflage. Darauf trat der gesamte Verwaltungsrat zurück. Der langjährige Bürgermeister von Mendrisio Carlo Croci ist zuversichtlich, dass im Tessin weiter Milch verarbeitet wird.

Während des letzten Jahres haben zahlreiche Mitarbeiter der Tessiner Molkerei Lati gekündigt wegen der offensichtlichen finanziellen Schieflage. Am 9. Januar schliesslich nahm auch der gesamte Verwaltungsrat den Hut. «Wir sahen uns gezwungen, sofort zu reagieren», erklärt Carlo Croci, der nun retten will, was zu retten ist.

Seit dem 18. Januar hat er das Amt des Verwaltungsratspräsidenten inne. Croci ist Wirtschaftsprüfer von Beruf, hat bis letztes Jahr 24 Jahre lang als Bürgermeister die Stadt Mendrisio regiert und wirkt in mehreren im Lebensmittelbereich tätigen Firmen mit. Schon bei der Sanierung der Caseificio del Gottardo in Airolo war Croci aktiv.

Kapital abgeschrieben

Zur Rettung dar Lati wurde in einem ersten Schritt das gesamte Aktienkapital abgeschrieben – die Lati gehörte zu 100 Prozent dem Tessiner Milchverband FTPL, dem kleinsten Schweizer Milchverband.

Ein nicht namentlich genannter Partner hat auf die Rückzahlung eines grösseren Darlehens verzichtet, und schliesslich wurde eine Million Franken neues Aktienkapital einbezahlt. «So hat das Unternehmen frische Mittel bekommen», erklärt Croci. Neu halten die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) 70 Prozent, der FTLP noch 20 Prozent, und die Cetra Alimentari SA aus Vaglio TI 10 Prozent der Aktien. Für die Tessiner Milchbauern werde sich nichts ändern – und sie bleiben Mitglied des FTPL.  

Mühe mit Konkurrenz

Gründe für die finanzielle Schieflage der Lati gebe es viele. «Grosse Mühe, konkurrenzfähig zu bleiben, hatten wir vor allem bei UHT- und Pastmilch», betont Croci. Letztlich habe man denselben Preisdruck gespürt, unter dem auch Grossverteiler stehen – auf Milchproduzenten wirkt sich dieser jedoch tragisch aus.

Umso mehr in einem sehr weitläufigen Kanton mit kleinen Produzenten, wo vergleichsweise hohe Transportkosten anfallen. Diese wurden zwar mit einer Solidaritätsrechnung gerecht auf alle Produzenten verteilt, der Milchpreis lag aber trotzdem im Schnitt um etwa 6 Rappen höher als in der Deutschschweiz.

Bislang wurden in Sant' Antonino auch nur rund 12 Millionen Kilo Milch verarbeitet, produziert haben die Tessiner Bauern aber etwa 20 Millionen Kilo Verkehrsmilch. Was im Tessin nicht verarbeitet werden konnte, wurde nach Dagmersellen gebracht. Aufgrund dieser bereits langjährigen Zusammenarbeit mit den ZMP lag es auf der Hand, dass man  für die Sanierung der angeschlagenen Molkerei in der Zentralschweiz um Hilfe ersuchte. 

Auf Stärken konzentrieren

Klar ist sowohl für Croci als auch für den neuen Haupt-Aktionär, dass Tessiner Milchproduzenten auf eine regionale Verarbeitung ihrer Milch in der Region angewiesen sind. Zumal das Tessin eine in sich weitgehend geschlossene Marktregion bildet. «Wollen wir Tessiner Bauern faire Milchpreise garantieren, kommen wir um eine bessere Wertschöpfung nicht herum», ergänzt Croci. Langfristig hofft er, dass möglichst viel Tessiner Milch im Tessin verarbeitet werden kann. 

Derzeit liegt der Fokus aber noch darauf, sich erst mal auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. So gibt es etwa Know-how und die Kapazität, um Tessiner Frisch- und Weichkäse herzustellen. Dieser ist auch in weiten Teilen der übrigen Schweiz gefragt. Dann gilt es, den Markt wieder zu bearbeiten, verloren gegangene Umsätze zurückzuholen und neue Produkte auf den Markt zu bringen. 

Eine Strategie, mit der Croci bei der Caseificio del Gottardo schon einmal Erfolg hatte. «Die Caseificio hat uns den Weg gezeigt, wie man erst Kosten unter Kontrolle bringt, Qualität sichert und neue Produkte lanciert.» Etwa der Raclette del Gottardo, worauf der Markt sofort gut reagiert habe.

Schon in kurzer Zeit sei die ganze Käseproduktion ausverkauft gewesen. Trotzdem weiss Croci, dass noch weitere Restrukturierungen wahrscheinlich sind und es noch Monate, wenn nicht Jahre dauert, bis der Prozess abgeschlossen sein wird. 

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