22.06.2016 15:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
Mooh zahlt im Juli 57 Rappen
Aufbruchsstimmung herrschte am Mittwochmorgen in der Vianco Arena in Brunegg AG. Die Verantwortlichen sprachen an der ersten Generalversammlung von Mooh, der neuen Nummer 1 im Schweizer Milchhandel, in erster Linie von Chancen und Möglichkeiten.

Der designierte Präsident der neuen, aus der Miba und der Nordostmilch hervorgegangenen Organisation, Robert Bischofberger sprach denn auch von einem guten Tag für den Schweizer Milchmarkt und wertet die Gründung von Mooh als sehr positives Zeichen: „Wir glauben an die Zukunft des Schweizer Milchmarktes und wir glauben an Swissness“.

Kein „politscher“ Milchpreis

Denn man dürfe nicht vergessen, dass trotz des aktuell schwierigen Marktumfeldes man sich in einem weltweit wachsenden Markt für Milchprodukte befände und es künftig darum gehen werde, an diesem Wachstum partizipieren zu können.

Im Fokus der ersten Generalversammlung standen unter anderem auch die neuen Einkaufskonditionen. Hier scheint sich die Mooh-Spitze ein klare Haltung haben. Der neue Chefverkäufer und frühere Geschäftsführer der Nordostmilch, René Schwager, erklärte, dass es das erstes Ziel sein werde, den Absatz der gesamten Milchmenge nachhaltig zu sichern. „Punkt zwei wird dann sein, einen möglichst guten Milchpreis zu realisieren“. Dies werde kein politischer Preise sein, aber einer der sich am Markt orientiert.

Unabhängig von Lactofama

Auch um die Ausnivellierung saisonaler Schwankungen wolle man sich selber kümmern. „Wir wollen nicht mehr von der Lactofama abhängig sein“, stellte Schwager in der Vianco Arena umgehend klar. Die Versorgung der Stammkunden mit der richtigen Menge, der richtigen Qualität und dem richtigen Service müsse das Ziel von Mooh sein. „Unsere Aufgabe besteht auch darin, dass wir uns um neue Märkte im In- uns Ausland kümmern“, fuhr er fort.

Auch der designierte neue Mooh-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler sieht den Markt als massgebende Steuerungsgrösse. Man wolle sich auf den Markt abstützen und nicht auf  lange Diskussionen einlassen. „Der Produzent ist für uns ein Unternehmer. Er muss klare Informationen aus erster Hand erhalten, um gute Entscheide treffen zu können. Und diese Informationen wollen auch wir ihm auch liefern“ so Eggenschwiler.

Statuten genehmigt

Zu Diskussionen kam es trotzdem. Zahlreiche Mooh-Produzenten zeigten sich enttäuscht, dass an der Generalversammlung keine Zahlen zum Budget und den finanziellen Zielen präsentiert werden. „Wir können nicht ein Geschäft starten, wenn wir nicht wissen, wohin es gehen soll“, zeigte sich ein Votant besorgt. Robert Bischofberger nahm die Bedenken zur Kenntnis, erklärte aber auch, dass es noch nicht der Moment sei, um Budgetzahlen zu präsentieren.

Kritisch merkten Produzente auch an, dass eine gewisse Intransparenz bei den zur Abstimmung vorliegenden Statuten herrsche. „Diese ist für mich eine Blackbox“, meldete sich ein Produzent zu Wort. Nach Anpassungen wurden die neuen Statuten schliesslich deutlich genehmigt. Gedeckelt wurden die Anzahl der Personen in der Mooh-Verwaltung von maximal 12 auf 11 Personen. Zudem beschnitt die Generalversammlung die finanziellen Befugnisse der Verwaltung.

Kein Anreiz für Überschüsse

Als fünftes Traktandum waren die Einkaufskonditionen traktandiert. „Wir haben ein Preismodell ausgearbeitet, welcher ein Basispreis beinhaltet, welcher für alle Produzenten gleich ist, und der die saisonalen Zu- und Abschläge bereits beinhaltet“, erklärte Eggenschwiler.

3500 Bauern, 600 Millionen Liter Milch

Unter dem neuen Namen „Mooh“ entsteht die grösste Schweizer Milchhandelsorganisation mit einer Menge von rund 600 Millionen Kilo im Erstmilchkauf, welche etwa 20 Prozent der Schweizer Milch vereint und 3500 Bauern vertreten wird.

Im laufenden Jahr werde man im Monat Juli mit einem Basispreis von 57 Rp./kg ÖLN-Milch starten (Biomilch 84 R./kg, ÖLN-silofrei 63 Rp./kg). In den kommenden Monaten würden saisonale Schwankungen zu Anpassungen führen. „Zu diesem Preis wird die gesamte Milchmenge übernommen, für Über- oder Unterlieferungen gibt es keine Abzüge“, so Eggeschnwiler. Dafür würde ein Zuschlag für Meldung/Planungsleistung geben. „Dies schafft keinen Anreiz zur Ausdehnung in Phasen von Überschüssen“.

Verlademengen hart umkämpft

Hart diskutiert wurde heute Verlademengenzuschlag und Haltepauschale. Bei Letzterer wird bei Mooh zwei Drittel der Kosten den Bauern weiterverrechnet. „Wir werden bei Sammelstellen, -plätzen oder Höfen pro Halt je nach Ort 19 Franken bis 45 Franken den Produzenten belasten“, erklärt Eggenschwiler. Lademengenzuschläge würden in zwei Stufen honoriert: ab 3000 kg einen Zuschlag von 0.5 Rp./kg und ab 8000 kg einen Zuschlag von 1 Rp./kg.

Gegen dieses System äusserten sich insbesondere die bisherigen Miba-Produzenten kritisch. Da in ihrem Gebiet mehr Sammelstellen mit höheren Verlademengen bestehen, sind diese mit dem neuen System im Verhältnis etwas schlechter. Dafür ist die Hofabfuhr etwas besser gestellt.

Referenzwert: 4 % Fett und 3.3 % Eiweiss

Anträge, wonach die Mengen der Sammelplätze kumuliert werden sollten oder ein solcher, der für eine Verdoppelung der Grossmengenzuschläge (+3 Rp./kg für eine Mindestlademenge von 13‘000 kg) plädierten, scheiterten in der Generalversammlung grossmehrheitlich. 

Der Referenzwert für Gehaltszahlungen liegt bei Mooh bei 4 % Fett und 3.3 % Eiweiss. Pro 0.01 % Differenz nach unten oder oben werden ein Zuschlag respektive ein Abzug von 0.04 Rp./kg beim Fett, und ein solcher von 0.06 Rp./kg beim Eiweiss vorgenommen. Die Einkaufkonditionen wurden von der Generalversammlung schliesslich klar angenommen.

Der Mooh -Vorstand

In der Verwaltung von Mooh bleiben die bisherigen Vorsteher der beiden bisherigen Organisationen. Dies sind Robert Bischofberger (Präsident), Ernst Bachmann, Karl Häcki, Marin Hübscher, Hans Tanner, Thomas Aregger, Christian Banga, Boris Beuret, Daniel Schreiber und Daniel Studer.

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