12.07.2019 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Nachhaltigkeitslabel ohne Zuschlag
Die BOM verfolgt eine Mehrwertstrategie. Dazu gehört ein neues Nachhaltigkeitskennzeichen, das am 13. August der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Das Reglement dazu hat der BOM-Vorstand nun am Mittwoch beschlossen.

Bereits seit Anfang Mai war klar, dass für offiziell «nachhaltige» Molkereimilch im A-Segment (z.B. für Konsummilch, Rahm, Inland-Käse) ab 1. September den Milchproduzenten ein Zuschlag von 3 Rp./kg ausbezahlt werden muss. Hier geht es zum Reglement.

Es geht um Export-Käse 

Dass Produkte aus solcher Milch mit dem neuen Nachhaltigkeitskennzeichen ausgelobt werden dürfen, war unbestritten. Die SMP wehrten sich aber dagegen, dass alle Käse aus silofrei hergestellter Milch und Produkte aus B-Milch (z.B. Mozzarella oder Raclette für den Export) ebenfalls diese Kennzeichnung tragen dürfen, auch wenn für diese Milch die 3 Rp./kg Zuschlag nicht bezahlt werden und auch kein Mindestpreis eingehalten ist.

Es geht dabei um knapp 1 Million Tonnen silofreie Milch und um rund 350000 Tonnen «verkäste Industriemilch Export».     

Niederlage der SMP

Offenbar sind die SMP mit ihren Anliegen nicht durchgekommen (vgl. Kasten). Denn in dem beschlossenen Reglement steht nun: «Käsehersteller, welche Käse aus silofreier Milch herstellen, dürfen für diese Käseprodukte die Kennzeichnung nutzen.»  

Das sagen die SMP 

Stefan Hagenbuch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), sagt zum Entscheid zur B-Milch: «Es war ein demokratischer Entscheid nach einer intensiven Diskussion über viele weitere (wichtige) Details.»

Weshalb haben die SMP-Vertreter Hanspeter Kern, Stefan Hagenbuch und Didier Roch den Entscheid nicht mit ihrer Sperrminorität verhindert? Dazu Hagenbuch: «Detailberatungen wurden mit einfacher Mehrheit entschieden. Die Schlussabstimmung erfolgt mit qualifiziertem Mehr.

Die SMP-Vertreter haben in der Schlussabstimmung eine Annahme des Reglements aus übergeordneten Gründen nicht blockiert. Bei einer Ablehnung wäre sicher der Zeitplan (13. August Event; 1. September Start) illusorisch gewesen. Alles Weitere ist Spekulation. Die überwiegenden Interessen bei den Milchproduzenten und die weiteren Aussichten hätten eine Blockade nicht gerechtfertigt.» sal 

Weiter heisst es: «Milchverarbeiter, welche Produkte aus Milch aus dem B-Segment herstellen, dürfen für diese Produkte die Kennzeichnung nutzen, ohne dass der Nachhaltigkeitszuschlag auf der B-Milch ausgewiesen werden muss.» 

Im Klartext bedeutet das: Auch Produkte, die im Extremfall aus Milch für 35 oder 40 Rp. hergestellt werden, können «nachhaltig» sein. Beim exportierten Käse muss aber der Mindestpreis «LTO+» (aktuell gut 50 Rp., im Juni 2016 waren es 43 Rp.) eingehalten werden.  Und Produkte aus C-Milch sind vom Label klar ausgeschlossen.

BOM: 3 Rp. statt 2 Rp. Prämie

Zum Entscheid in der BOM hat laut Geschäftsführer Stefan Kohler beigetragen, dass im April der Vorstand beschlossen hat, statt 2 Rp./kg Zuschlag für die gesamte Molkereimilch nur noch auf der A-Molkereimilch einen Zuschlag zu vereinbaren, dafür 3 Rp./kg statt 2 Rp./kg.

Das bedeutet unter dem Strich für die Milchbauern eine etwa gleich grosse Prämie. Bei der B-Milch berücksichtigte der Vorstand, dass der Markt für Exportprodukte sehr hart und umkämpft ist. «Die BOM will mit dem Gebrauch des Nachhaltigkeitskennzeichens mithelfen, dass Schweizer Verarbeiter und Exporteure die heutigen Märkte halten und neue Märkte erobern können», so Kohler. 

Was wäre gewesen, wenn?

Die SMP hätten den Entscheid theoretisch blockieren können. Doch die Marktmacht der wenigen grossen Molkereien gegenüber den Tausenden Milchproduzenten ist enorm. 

So ist es denkbar, dass es Marktleaderin Emmi wie die Migros-Tochter Elsa gemacht hätte: Bei den Bauern ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm mit neuen Auflagen durchsetzen und dies mit 0,0 Rappen Zuschlag abgelten.

Sanktionen 

Ferner hat der BOM-Vorstand die Details zu den 10+2 Nachhaltigkeitskriterien für die Bauern geregelt und auch ein Sanktionsreglement verabschiedet. Kommt es zu einem Verstoss des Reglements, lauten die Sanktionen wie folgt:

  • Im Falle einer Widerhandlung gegen die vertraglichen Bestimmungen ist der Lizenznehmer durch die Geschäftsstelle der BO Milch zu verwarnen und aufzufordern, binnen einer fallspezifisch zu bestimmendenFrist den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. 
  • Ansonsten wird dem betreffenden Lizenznehmer und/oder Produkt durch die Geschäftsstelle der BO Milch die Nutzungsberechtigung entzogen.
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