3.03.2014 14:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
Nant de Drance: Batterie als Ausgleich zu Sonnen- und Windenergie
Das derzeit auf Eis gelegte Stromabkommen mit der EU hat die Einweihung der Maschinenkaverne des Pumpspeicherkraftwerks Nant de Drance im Wallis geprägt. Die Betreiber wie auch Bundesrätin Doris Leuthard betonten die Bedeutung des Zugangs zum europäischen Strommarkt.

Die 194 Meter lange, 32 Meter breite und 52 Meter hohe Kaverne wurde feierlich hinter einem riesigen Vorhang enthüllt. Die rund 200 geladenen Gäste zeigten sich ab der Kaverne - einer der grössten unterirdischen Bauten Europas - beeindruckt.

In dieser Maschinenkaverne wird das Herzstück des Kraftwerks, die sechs Turbinengruppen, eingebaut. Sie befindet sich oberhalb von Martigny VS tief im Berg zwischen den Stauseen Vieux Emosson und Emosson. Der Verbindungstunnel zur Kaverne ist 5,6 Kilometer lang.

Diskussionen um Stromabkommen mit der EU

Bei der Feier zeigte sich die Betreibergesellschaft stolz auf den Bau. Viel diskutiert wurde auch das Stromabkommen mit der EU, zu dem Brüssel kurz nach der Abstimmung vom 9. Februar eine Gesprächsrunde abgesagt hatte.

Nant de Drance, das bei hohem Stromverbrauch innert kürzester Zeit grosse Mengen Strom produzieren kann, ist auf den Zugang zum europäischen Strommarkt angewiesen. Dann wird Strom vom oberen zum unteren Stausee abgelassen. Bei geringem Strombedarf wird hingegen mit den gleichen Turbinen Wasser in den oberen Stausee hoch gepumpt und somit Elektrizität in Form von Wasser gespeichert.

Gleich viel Strom wie AKW Gösgen 

Obwohl der Pumpspeicher Nant de Drance ein Kraftwerk ist, verbraucht es mehr Strom, als es produziert. Ab 2018 wird es mit einer Leistung von 900 Megawatt kurzfristig fast gleich viel Strom wie heute das AKW Gösgen produzieren.

Für das Pumpspeicherkraftwerk wird der Stausee Vieux Emosson (2200 Meter über Meer) durch einen Tunnel mit dem Stausee Emosson (1880 m.ü.M.) verbunden. Beim Kraftwerksbau wurde ein 17 Kilometer langes Tunnelsystem angelegt. Bei hohem Strombedarf wird Wasser vom oberen Stausee durch einen 425 Meter hohen Vertikalschacht auf die 6 Turbinen-Generatoren-Gruppen gelassen. Danach fliesst das Wasser in den unteren Stausee. Bei geringem Strombedarf wird wieder Wasser in den oberen Stausee hoch gepumpt.

Batterie für Taktfahrplan der SBB

Nant de Drance funktioniert somit als Batterie, da Elektrizität in Form von hochgepumpten Wassers gespeichert werden kann. Das Pumpspeicherkraftwerk soll innert kurzer Zeit Schwankungen der Stromproduktion aus Wind- und Sonnenenergie ausgleichen können.

Zudem soll es zur Stabilität des Schweizer und auch europäischen Stromnetzes beitragen. An Nant de Drance sind neben der Alpiq auch die industriellen Werke Basel (IWB), das Walliser Energieunternehmen FMV AG sowie die SBB beteiligt. Die SBB will mit dem «Akku» die Stromspitzen des Taktfahrplans bewältigen, sodass die Züge landesweit jeweils zur halben und vollen Stunde gleichzeitig anrollen können. Die Kosten für das Pumpspeicherkraftwerk belaufen sich auf 1,9 Milliarden Franken. sda

Stromabkommen in Frage gestellt

Nant de Drance zeige, wie wichtig die Verbindung mit Europa und wie unerlässlich der Zugang zum europäischen Markt sei, betonte Bundesrätin Doris Leuthard. In der EU wird ab 2015 ein gemeinsamer Strommarkt umgesetzt. Ohne ein Stromabkommen bis 2015 könnte die Schweiz allenfalls nur als Drittstaat daran teilnehmen. Wenn die Verhandlungen nicht bis im Sommer wieder aufgenommen würden, «wird die Zeit nicht reichen». Es sei im Moment in Frage gestellt, aber nicht ausgeschlossen.

Der Zugang stellt auch die Aussichten für das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance in Frage. Nant de Drance komme in fünf Jahren auf den Markt, bis dann werde sich der europäische Markt bereits wieder verändert haben, sagte Leuthard. «Die nächsten fünfzehn Jahre dürfte das sicher schwierig werden, aber solche Werke werden ja für eine kleine Ewigkeit gebaut.» Im Moment sei es mit tiefen Preisen und Überkapazitäten für Pumpspeicherkraftwerke sehr schwierig.

Man werde aber künftig auch die Möglichkeit haben, günstigen Strom aus Europa zu nutzen, um das Wasser in den oberen Stausee hoch zu pumpen. «Neue Businessmodelle sind sicher gefragt.»

Schwieriges Umfeld

Michael Wider, Verwaltungsratspräsident der Nant de Drance SA zeigte sich zuversichtlich, dass sich das Pumpspeicherkraftwerk künftig rechnen werde. Man brauche die wirtschaftliche Einbindung in ein Marktumfeld, das die Wertschöpfung auch entgelte. Das sei zurzeit nicht der Fall. Wenn der Marktzugang für Nant de Drance ein Problem werde, dann auch für alle anderen grossen Stauwerke.

Die grossen Stauwerke seien seit eh und je nicht nur für die Grundversorgung in der Schweiz, sondern auch für die Leistungserhaltung in der Schweiz und im Ausland gebaut worden.

Linth Limmern auf Kurs, Lago Bianco verspätet

Für die Schweiz bleiben Pumpspeicherkraftwerke ein wichtiger Pfeiler. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 geht der Bundesrat davon aus, dass die Leistung der Pumpspeicherkraftwerke von derzeit 1700 MW bis 2020 auf 4000 MW gesteigert wird.

Ende November hatte jedoch das Bündner Energieunternehmen Repower bekanntgegeben, dass sich das Pumpspeicherwerk Lago Bianco im Puschlav in Graubünden verzögert der Baubeginn kaum vor 2019 erfolge. Als Grund nannte das Unternehmen die tiefen Strompreise.

Auf Kurs ist hingegen das Pumpspeicherkraftwerk Linth Limmern der Axpo. Das 2,1 Milliarden Franken teure Kraftwerk im Glarner Linthal steht vor der Vollendung. Die erste Maschinengruppe des neuen 1000-Megawatt-Pumpspeicherwerks soll Ende 2015 ans Netz gehen, die drei weiteren im Lauf des Jahres 2016.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE