19.03.2015 10:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Nationalbank
Nationalbank hält an Geldpolitik fest - Franken erstarkt
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihrer bisheriger Geldpolitik fest. Die Negativzinsen auf den Giroguthaben der Banken belässt sie bei -0,75 Prozent, das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor bleibt zwischen minus 1,25 und minus 0,25 Prozent.

Zudem hielt die SNB erneut fest, dass der Franken überbewertet sei und sich abschwächen sollte, wie sie an eine Telefonkonferenz am Donnerstagmorgen bekannt gab.

Wachstumsprognose gesenkt

Die SNB hat ihre Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft für das laufende Jahr auf knapp 1 Prozent gesenkt. Im Dezember hatte die SNB noch mit einem BIP-Wachstum von rund 2 Prozent gerechnet.

Die Dezember-Prognose habe angesichts der seit Mitte Januar erfolgten Aufwertung des Frankens revidiert werden müssen, liess die SNB am Donnerstag im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung verlauten. Insbesondere im ersten Halbjahr 2015 sei mit einer spürbaren Abschwächung der Wirtschaftsentwicklung zu rechnen.

Kurzfristig geht die SNB von einer deutlichen Unterauslastung der Produktionskapazitäten aus. Die Arbeitslosigkeit dürfte laut SNB moderat zunehmen. Stützend wirkt hingegen die erwartete Festigung der internationalen Erholung.

"Festhalten am Euromindestkurs hätte gravierende Risiken gehabt"

Der geldpolitische Entscheid der Schweizerischen Nationalbank basiert auf einem stark veränderten Wechselkurs- und Zinsumfeld. In den USA stehe eine währungspolitische Normalisierung an, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan. Im Euroraum sei das nicht der Fall.

Seit dem Beginn der Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) werte sich der Euro zum Dollar stark ab, sagte Jordan am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Bei der Aufhebung des Mindestkurses war der Euro bereits auf 1,18 Dollar gefallen, aktuell stehe er bei 1,05 Dollar.

Nationalbank bei Aufgabenerfüllung gefährdet

Damit habe der Euro allein seit der letzten Lagebeurteilung der SNB im Dezember 15 Prozent gegenüber der US-Währung verloren, seit Mai 2014 sogar 25 Prozent. Vor diesem Hintergrund werde klar, dass die Kursuntergrenze von 1,20 Fr. zum Euro nicht mehr nachhaltig war, erklärte Jordan.

Die anhaltende Euro-Abschwächung zeige «eindrücklich, wie enorm der zusätzliche Druck beim Festhalten am Mindestkurs geworden wäre». Den abrupten Ausstieg aus den Stützungskäufen begründete der SNB-Präsident mit den Konsequenzen eines Zögerns.

Die Nationalbankbilanz hätte sich unkontrolliert um mehrere 100 Mrd. Fr. ausdehnen können - also potenziell um ein Mehrfaches des schweizerischen Bruttoinlandprodukts. Das hätte den Handlungsspielraum der SNB erheblich eingeengt und sie in der Erfüllung ihrer Aufgabe auf lange Frist gefährdet.

Franken überbewertet

Die schlagartige Aufwertung des Frankens zu allen Währungen nach der Aufgabe der Kursuntergrenze habe sich in den vergangenen Wochen etwas verringert. Der Franken sei aber deutlich überbewertet, führte Jordan aus. Die SNB erwarte, dass sich das mit der Zeit korrigiere.

Die Wirtschaft sei herausgefordert, fuhr Jordan fort. Die Lage sei jedoch nicht vergleichbar mit der vor der Einführung des Mindestkurses. Damals kämpfte die Wirtschaft noch mit der Finanzkrise und der Franken war stark überbewertet. Heute sei das internationale Konjunkturumfeld weit günstiger.

Franken legte zu

Unmittelbar nach der Mitteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) reagierte der Frankenkurs mit einer weiteren Aufwertung. Um 9.45 Uhr kostete ein Euro knapp 1,057 Fr. und ein Dollar 0,991 Franken.

In ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung beteuerte die SNB erneut, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu bleiben, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar haben die Schweizer Währungshüter aber - soweit sich das aus den vorliegenden Daten ablesen lässt - keine Devisen mehr gekauft, um den Franken zu schwächen.

Im Communiqué vom Donnerstag schreibt die SNB, dass sie bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik weiterhin der Wechselkurssituation und deren Einfluss auf die Inflation und die Wirtschaftsentwicklung Rechnung trage.

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