10.03.2016 09:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Devisen
Nationalbank: Mittel gegen Frankenstärke
Die Zinssitzung der Euro-Währungshüter dürfte am Donnerstag auch in der Schweizer Nationalbank (SNB) für gespannte Mienen sorgen: Denn wenn die EZB ihre Geldschleusen weiter öffnen sollte, könnte das den Euro schwächen und damit die SNB unter Zugzwang bringen.

Denn eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro will die SNB vermeiden, weil es die Schweizer Produkte im Ausland verteuert und damit Schweizer Firmen weniger wettbewerbsfähig macht. Im folgenden Szenarien, wie die SNB einer Aufwertung des Franken entgegenwirken könnte:

Zinssenkung

Die SNB hat sich die Tür für eine weitere Zinssenkung stets offengelassen. Ökonomen sehen darin das letzte Mittel, um einen Höhenflug des Frankens zu verhindern. Auszuschliessen sei es jedoch nicht, sagt Devisenexperte Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank.

Der Schweizer Leitzins Dreimonats-Libor ist mit minus 0,75 Prozent bereits rekordtief. Zudem belastet die SNB Bankeinlagen ab einem bestimmten Freibetrag mit einem Negativzins von 0,75 Prozent. Viele Banken geben diesen Strafzins zumindest an grosse institutionelle Kunden wie Versicherungen oder Pensionsfonds weiter.

Die Währungshüter wollen bewirken, dass weniger Anleger ihr Geld in der Schweiz horten. Besonders achten sie darauf, dass die Zinsen niedriger sind, als in anderen Währungsräumen. In der Eurozone liegt der Einlagezins derzeit bei minus 0,3 Prozent, Ökonomen rechnen jedoch mit einer weiteren Senkung durch die EZB. Bei zu hohen Strafzinsen riskieren die Zentralbanken allerdings, dass Anleger beginnen, Bargeld zu horten. Zudem schmälern Negativzinsen die Erträge der Banken. Auch deshalb erwarten Ökonomen, dass sich die SNB mit einer weiteren Zinssenkung zurückhalten dürfte.

Geringerer Freibetrag

Die SNB könnte die bestehenden Strafzinsen von 0,75 Prozent auf einen grösseren Teil der in der Schweiz parkierten Gelder ausweiten. Banken müssen die Gebühr derzeit nur auf jene Einlagen bei der SNB bezahlen, die das 20-fache des mindestens bei der SNB zu hinterlegenden Reservebetrags übersteigen.

SNB-Präsident Jordan hat eine Änderung des Freibetrags als ein mögliches geldpolitisches Instrument bezeichnet. Änderungen seien hier jedoch nicht geplant. Die Experten der Valiant-Bank bezeichneten einen solchen Schritt als «probables Mittel». Sollte die SNB dazu greifen, dürften das viele Banken zu spüren bekommen. «Das übelste Szenario wäre ein Zins von minus ein Prozent und eine Senkung des Freibetrags», sagte der Chef der Raiffeisen-Gruppe, Patrik Gisel, der Zeitung «Finanz und Wirtschaft».

Interventionen

Die Experten von Credit Suisse und Raiffeisen rechnen mit weiteren Devisenkäufen der SNB im Umfeld der EZB-Entscheidung. Mit dem Kauf anderer Währungen schwächt die Notenbank den Franken. Dieses Mittel dürfte die SNB bereits in den vergangenen Wochen verstärkt eingesetzt haben, sagten die Analysten von Raiffeisen.

Ein Indikator für die erhöhten Aktivitäten der Währungshüter am Devisenmarkt sind die zuletzt steigenden Sichteinlagen von Banken und Bund bei der SNB: Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut. Doch diese Eingriffe am Markt blähen die Bilanz der Notenbank auf: Sie hatte zuletzt bereits fast die jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz erreicht. Schwankungen in ihrem mittlerweile umfangreichen Fremdwährungsportfolio hatten der Zentralbank im vergangenen Jahr zudem einen Verlust von 23,3 Milliarden Franken eingebrockt.

Neue Anbindung

Gewerkschaften hatten wiederholt eine neue Obergrenze für den Franken gefordert. Die SNB lehnt einen solchen Schritt ab. Einen festen Wechselkurs des Franken zum Euro halten Ökonomen für unwahrscheinlich. Dies käme der Aufgabe einer eigenständigen Währungspolitik gleich.

Währungskorb

Einflussreiche Ökonomen wie der frühere SNB-Berater Ernst Baltensperger hatten vorgeschlagen, den Franken nicht nur an den Euro, sondern auch an den Dollar anzubinden. Die Reaktion der SNB war kühl. «Wir sind aus dem Mindestkurs ausgestiegen, weil er nicht mehr nachhaltig war, und es macht keinen Sinn, gleich wieder in ein sehr rigides Konzept einzusteigen», hatte Jordan gesagt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE