20.04.2020 19:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Coronavirus
Neuansteckungen weiter sinkend
Innerhalb eines Tages wurden in der Schweiz 204 Neuansteckungen mit dem Coronavirus registriert - die niedrigste Zahl seit Wochen. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist damit eine weitere Tendenz zur Abnahme zu sehen. Unterdessen ist auch der Grossteil der Arme-Einsätze beendet - 300 bis 400 junge Menschen werden nach Hause geschickt.

Die Zahl der Neuansteckungen sei weiter rückläufig, sagte Patrick Mathys vom BAG am Montag vor den Bundeshausmedien.

1435 Tote

Das gilt nach seinen Angaben auch für die Zahl der Todesfälle und der Intensivpflegefälle: Laut Mathys werden in den Schweizer Spitälern derzeit noch 260 Personen auf Intensivstationen wegen Covid-19 behandelt. Vergangene Woche waren es noch rund 400 gewesen. «Es ist eine Tendenz zu einer weiteren Abnahme zu sehen», fasste der BAG-Experte die Entwicklung zusammen.

Die Todesfälle in allen Kantonen zusammen nahmen nach einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bis Montagabend auf 1435 zu, das sind 41 mehr als am Sonntag. Das BAG gab die Zahl der Todesopfer am Montagmittag mit 1142 an, sieben mehr als am Vortag. Keystone-SDA analysiert die auf den Internetseiten der Kantone vorliegenden offiziellen Daten und aktualisiert sie zweimal täglich, mittags und abends. Obwalden und Appenzell-Innerrhoden sind gemäss dieser Zählung die einzigen Kantone ohne Todesopfer.

Lockerungen kommen

Wegen der der Tendenz zur Abnahme der Fälle hatte der Bundesrat vergangene Woche eine Lockerung der Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie in Aussicht gestellt. Derzeit liefen die Vorbereitungen, sagte Mathys, der im BAG die Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit leitet. Insbesondere werden in den Branchen die nötigen Schutzkonzepte erarbeitet, um ein Wiederaufflammen der Virusausbreitung zu verhindern. Der Bund stellt nur Grobkonzepte zur Verfügung. Diese sollen am Mittwoch veröffentlicht werden, wie Mathys sagte.

Auch andere Fragen hat der Bundesrat vorläufig offengelassen. Für Verwirrung sorge insbesondere der Entscheid, Mitte Mai die Schulen wieder zu öffnen, Kontakte zwischen Kindern und Grosseltern aber weiterhin zu vermeiden. Die Antwort darauf sei nicht so einfach und klar, sagte Mathys.

Kinder könnten sich anstecken und die Krankheit auch übertragen, sie seien aber sicher nicht die wesentlichen Treiber der Epidemie. Antworten sollen spezifische Studien liefern. Die genauen Schutzkonzepte für die Schulöffnung würden derzeit zusammen mit der Erziehungsdirektorenkonferenz ausgearbeitet, sagte Mathys.

Schlechte Neuigkeiten für Festivals

Schlechte Neuigkeiten gibt es für Festivals und andere Open-Air-Veranstaltungen im Sommer: Laut Mathys sind solche Grossveranstaltungen - auch nach Juni oder Juli - stark gefährdet. «Der Bundesrat wird zu gegebenem Zeitpunkt entscheiden - aber sicher noch nicht diese oder nächste Woche», sagte Mathys. Auch die Religionsgemeinschaften müssen sich noch gedulden. Laut Mathys fallen alle religiösen Veranstaltungen unter das Versammlungsverbot.

Insgesamt sei es schwierig, die weitere Entwicklung der Pandemie vorherzusehen, sagte Mathys weiter. Klar sei für ihn, dass die Bevölkerung gewisse Ermüdungserscheinungen zeige. Mathys sprach auch die weltweite Entwicklung des Virus an. Diese sei weniger positiv. Die Fallzahlen nähmen weiterhin deutlich und rasant zu, sagte Mathys.

Armee reduziert Einsatz

Derweil beginnt die Schweizer Armee mit der Reduktion ihres Corona-Einsatzes. Im Laufe der Woche werde man 300 bis 400 junge Menschen nach Hause schicken, kündigte Brigadier Raynald Droz vor den Medien an. Diese müssten aber weiterhin zur Verfügung stehen, falls sie wieder gebraucht würden, und zwar innert 24 Stunden. 115 sanitarische Einsätze seien noch am Laufen. Ein Grossteil der Einsätze sei beendet.

Momentan seien noch 221 Armeeangehörige in Quarantäne, 33 seien isoliert, 66 seien positiv getestet worden. Diese Zahlen seien deutlich gesunken - «eine schöne Entwicklung», sagte der Brigadier.

Tourismus erleidet massiven Einbruch

Ob diesen Sommer Ferien in der Schweiz möglich sind oder nicht, hängt wegen der Corona-Krise noch in der Schwebe. Auch der Tourismus und die Gastronomie müssen sich einfügen in den Plan des Bundesrat mit den drei Lockerungsschritten. Bundesrat Alain Berset warnte bei einem Besuch in Graubünden vor einer zu raschen Lockerung der Corona-Massnahmen im Tourismus und in der Gastronomie.

Der Bundesrat habe alles gemacht, um den bestmöglichen Weg zu finden. Und das gelte auch für die nächsten Lockerungsschritte. Ein zu rasches Vorgehen könne eine zweite Ansteckungswelle provozieren. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) liegen die Umsätze im Tourismus im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 95 Prozent tiefer. Auf das ganze Jahr gerechnet beträgt der Umsatzrückgang laut dem Bund bis zu 35 Prozent. Das Seco prüft nun Impulsprogramme.

Regelrechte «Stornierungswellen»

«Zuerst geht es ums Überleben, dann ums Investieren», sagte Erik Jakob, Leiter der Direktion für Standortförderung im Seco, vor den Bundeshausmedien. Die Tourismusbranche sei besonders stark von der Corona-Krise betroffen. Es gebe regelrechte «Stornierungswellen», während neue Buchungen fast gänzlich ausblieben.

Das Seco rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einer «zögerlichen», im nächsten Jahr mit einer «allmählichen» Erholung. Weltweit werde es wohl erst im Jahr 2022 eine gänzliche Entspannung geben.

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