15.11.2013 12:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Biolandbau
«Neue Ackerbaubetriebe bringen Milch mit»
Bio Suisse sucht nach wie vor Ackerbaubetriebe. Aber auch neue Milch- und Fleischproduzenten wolle man nicht zurückweisen, erklärt Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse. Es gelte, die Nachfrage zu erhöhen.

«Schweizer Bauer»: Per Anfang 2013 haben 245 Betriebe auf Bio umgestellt. Das waren doppelt so viele im Vorjahr. Wie sieht es für 2014 aus?
Urs Brändli: Es wird sicher wieder Umsteller geben. Es ist für uns aber derzeit unmöglich abzuschätzen, wie viele es sein werden. Umsteller müssen sich bei Bio Suisse erst bis Ende Dezember anmelden, und viele tun dies recht kurzfristig. Ob der Trend wieder so stark ist wie im letzten Jahr oder ob er sich eher etwas abschwächt, lässt sich also noch nicht sagen.

Per Anfang 2013 konnten Sie vor allem Land in der Talzone für Bio gewinnen. Geht dies weiter?
In der Schweiz haben wir ganz klar zu wenig Produkte aus dem Ackerbau. Weil dort das Angebot bedeutend kleiner ist als die Nachfrage und Bio Suisse Inlandprodukten Vorrang gibt, können gute, faire Preise realisiert werden. Und es gibt neue technische Hilfsmittel, etwa für die Kontrolle des Unkrauts. Diese Aspekte tragen dazu bei, dass das Wachstum im Talgebiet stärker ist. Das ist von Bio Suisse her absolut gewollt. Wir finden, dass es in diesem Bereich in der Schweizer Landwirtschaft Marktmöglichkeiten mit guter Wertschöpfung gibt, die genutzt werden sollten, sodass am Ende dann auch weniger Ackerprodukte importiert werden müssen.

Dann sucht Bio Suisse nach wie vor Ackerbaubetriebe?
Absolut. Da sind wir auch sehr aktiv.

Aber nicht unbedingt Milchbetriebe?
Jein. Wir suchen nicht aktiv nach Milch- oder Fleischproduzenten. Neue Ackerbaubetriebe bringen sehr oft Milch und Fleisch mit. Das lässt sich nicht verhindern – und ist ja auch sinnvoll, denn mit dem hofeigenen Dünger können die Nährstoffkreisläufe geschlossen werden. Ausserdem begrüsst Bio Suisse jede neue Familie, die in den Biolandbau einsteigt. Wer heute auf Biomilch umsteigen will, tut es aus Überzeugung. Denn im Moment sind hier die Marktverhältnisse schwierig, und ein Betrieb kann nicht sicher sein, ob er nach den zwei Jahren Umstellzeit in den Biokanal liefern kann oder ob er darüber hinaus noch ein bis zwei Jahre Geduld haben muss. Wir weisen die neuen Milch- und Fleischproduzenten aber auch offen darauf hin, dass wir ihnen keine Absatzgarantie geben können.

Dann haben auch Umstellbetriebe dazu geführt, dass im Moment der Biomilchmarkt überversorgt ist?

Das ist einer der Gründe, ja. Die Produktion 2013 liegt allerdings aus klimatischen Gründen unter dem Vorjahr. Meines Wissens ist die Produktion von Biokäse auch 2013 leicht rückläufig, was vor allem mit den Währungsverhältnissen für den Export zusammenhängt. Beim Konsum haben wir bei der Milch ein unterdurchschnittliches Wachstum, im Vergleich zum Gesamt-Biomarkt. Doch die Biomilchmenge wird in den nächsten Jahren wachsen. Dementsprechend gross bleibt die Herausforderung im Biomilchmarkt. 

Dann geht es auch darum, die Nachfrage zu fördern?
Richtig. Das ist der Schlüssel zum Ganzen. Wir könnten sagen: Wir haben zu viel Biomilch, und wie können wir uns jetzt protektionistisch verhalten? Viel besser ist zu sagen: Wir haben ein bisschen zu wenig Biokonsumenten, und wie finden wir diese? Das bedeutet Marketingaktivitäten, Degustationen im Detailhandel, und so weiter. Bio Suisse engagiert sich in diesem Bereich stark, zusammen mit den Biomilch-Produzentenorganisationen. Diese Strategie sind wir bereits 2005, als wir deutlich zu viel Biomilch hatten, gefahren.

Und helfen Ihnen da auch die Grossverteiler? 
Ja, sie helfen uns einerseits, indem sie uns Platz für die Degustationen bieten. Das kommt bei den Konsumenten und auch bei den Detailhändlern gut an. Es hilft auch der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen, wenn wir Bioproduzenten in die Läden kommen. Im Übrigen gibt uns das Jubiläum «20 Jahre Naturaplan» mit den zahlreichen Aktivitäten von Coop viel Schub. Auch die Markenprodukte in Knospe-Qualität – Gala-Käse, Zweifel-Chips, Stocki von Knorr und andere – haben viel Anklang gefunden. 

Bei McDonald’s gibt’s neu einen Burger mit Bündner Biobergkäse. Passt das zusammen – Bio Suisse und McDonald’s? 

2008 gab es bei McDonald’s bereits ein Knospe-Milchgetränk von Emmi im Kindermenü, das ist also nicht ganz neu. Bio Suisse will die Knospe im Gastro-Bereich stärken. Lange hatten wir dort Mühe, weil die Wirte sehr hohe Anforderungen erfüllen mussten. Deshalb haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass ein Restaurant einen Bestandteil eines Menüs mit der Knospe ausloben kann. So ebnen wir den Einstieg in die Knospe-Küche. Diese Chance nutzt nun McDonald’s, und es ist beim McGrischun klar deklariert, dass nur der Käse die Knospe hat.

Informationen zu Nachfragesituation und zu Richtpreisen im Biomarkt finden Sie unter www.bioaktuell.ch › Markt. Bio Suisse betont, dass vor Beginn der Produktionsaufnahme immer die Abnahme abzusichern sei.

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