23.12.2014 11:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Nicht alle bezahlen Lactofama-Beitrag
Auch im neuen Jahr will die Lactofama AG in milchstarken Monaten wieder aktiv werden. Deshalb werden seit dem 1.Dezember 0,35 Rp./kg Milch zur Finanzierung abgezogen. Aber nicht alle Milchbauern bezahlen.

Wuchtig haben die Delegierten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) der Finanzierung der Lactofama zugestimmt. Mit 136 zu 10 Stimmen bei 4 Enthaltungen sagten die SMP Ja zu einer Finanzierung seit dem 1.Dezember 2014 von 0,35 Rappen pro Kilogramm Milch.

Thur Milch bezahlt nicht

Trotzdem werden nicht sämtliche Schweizer Milchbauern einbezahlen. Während die meisten Milchhandelsorganisationen den Beitrag direkt beim Milchgeld abziehen, geht die Thur Milch Ring AG einen anderen Weg. «An der letzten VR-Sitzung wurde beschlossen, dass die Thur Milch Ring AG nicht Aktionär der Lactofama AG werden wird», heisst es im Produzentenbrief.

Der Verwaltungsrat habe deshalb auch beschlossen, seit dem 1. Dezember 2014 bei allen Milchabrechnungen nur noch die allgemein verbindlichen Beiträge und Abzüge vom Milchgeld abzuziehen und weiterzuleiten. «Jene Milchproduzenten, die Mitglied in einem Milchverband sind, werden deshalb in Zukunft direkt von den Verbänden eine Rechnung für die Verbandsbeiträge inklusive Abgabe für die Lactofama AG erhalten», heisst es im Produzentenbrief weiter.

Hochdorf will Deal

Auch bei den Direktlieferanten von Hochdorf würden die Beitragszahlungen an Bedingungen geknüpft, wie Hochdorf-Sprecher Christoph Hug erläutert: «Unsere Direktlieferanten sind ausserordentlich stark von den fehlenden Schoggigesetz-Mitteln betroffen. Zudem tragen sie zur saisonalen Fettspitze dank der regelmässigen Milchlieferung kaum etwas bei. Die Hochdorf-Direktlieferanten sind aber bereit, ihren Anteil an eine Lactofama-Lösung für den Milchfett-Export beizutragen, wenn auch eine Branchenlösung für die Schoggigesetz-Lücke zustande kommt.»

Die meisten anderen Milchhandelsorganisationen scheinen demgegenüber gewillt zu sein, den Abzug in Rechnung zu stellen. Nicht überall wird aber der volle Betrag in Rechnung gestellt. So zieht etwa die Miba nur 0,35 Rp./kg beim Milchgeld ab. Den Aktionärsanteil von 0,1 Rappen bezahle der Verband, erklärt Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler.

Nicht an Lactofama

Die Aaremilch zieht ihren Lieferanten seit Dezember 0,45 Rp./kg zugunsten der Lactofama ab. Aber darf sie das? Müsste sie nicht eine separate Rechnung schicken? Schliesslich steht in Artikel 15 des Aaremilch-Reglements wörtlich: «Die allgemein verbindlichen Beiträge sowie die Beiträge SBV, SMP und deren Mitgliedorganisationen werden den Aaremilch-Produzenten direkt vom Milchgeld abzogen und an die entsprechenden Organisationen weitergeleitet.» Die Lactofama-Beiträge sind weder allgemein verbindlich, noch ist die Lactofama eine Mitgliedorganisation des SBV oder der SMP.

Donat Schneider, Geschäftsführer der Aaremilch, erklärt dazu: «0,35 Rp./kg werden zugunsten des Milchstützungsfonds der SMP eingezogen. Dies ist ein SMP-Beitrag. Von dort leiten die SMP das Geld bei Bedarf an die Lactofama weiter.» Die 0,1 Rp./kg, welche die Aaremilch als Aktionärin der Lactofama AG zusätzlich leisten müsse, seien juristisch unproblematisch, so Schneider. Diese müsse die Aaremilch als Organisation direkt an die Lactofama bezahlen.

Das könnte sie laut Schneider auch tun, indem sie die 0,1 Rp./kg einfach beim Milchpreis abzieht. «Wir sind aber transparent und weisen deshalb auf der Milchgeldabrechnung einen Abzug von total 0,45 Rp./kg aus», sagt Schneider. Er betont, dass die Finanzierungslösung für die Lactofama vom Verwaltungsrat der Aaremilch, von den Kommissionen Industriemilch und Käsereimilch der PO Lobag und nicht zuletzt von den SMP-Delegierten der PO Lobag genehmigt worden sei.

Keine Helden

SMP-Präsident Hanspeter Kern war sich bereits anlässlich der Beschlussfassung an der DV vom 25. November bewusst, dass nicht ganz alle Milchbauern bezahlen würden. «Machen wir nicht diejenigen, die nicht bezahlen, zu Helden», rief Kern den Delegierten zu. sal

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