22.12.2014 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Marjolein van Woerkom, lid
Niederlande
NL: 25 Prozent mehr Milch erwartet
Ende März 2015 gehört die Milchquote in der EU der Vergangenheit an. Die Produktion wird aller Voraussicht nach steigen. Die niederländische Milchindustrie sieht das als Chance an.

Kees Romijn schaffte sich vor fünf Jahren zwei Melkroboter an. Zu der Zeit hielt er 85 Milchkühe, inzwischen stehen 110 Milchkühe in seinem Stall, in den kommenden fünf Jahren sollen es 130 oder 140 werden.

Milchproduktion soll um 20 bis 25 Prozent steigen

Die Milchproduktion würde somit von einer Million Liter auf 1,3 bis 1,4 Millionen ansteigen. "Bis April 2015 bestimmt die Milchquote die Produktion. Danach muss jeder Milchbauer seine eigene Strategie erarbeiten", sagt Kees Romijn, Milchbauer und Vorsitzender der Abteilung Milch des holländischen Bauernverbandes LTO Noord.

Nach Aufhebung der Milchquote in der EU per Ende März 2015 wird ein Anstieg des holländischen Viehbestandes um 10 Prozent und der Milchproduktion um 20 bis 25 Prozent erwartet. Die Milchkuhpopulation würde demnach auf 1,6 Millionen wachsen und jährlich würden 14,5 Millionen Tonnen Milch vermarktet werden. Familienbetriebe bleiben aber voraussichtlich weiter der Kern der Milchproduktion. "Die grösste Herausforderung wird es sein, mehr Milch pro Kuh zu produzieren", sagt Romijn.

Mehr Milch bei weniger Input

Um die Umweltvorschriften, besonders eine sektorale Obergrenze beim Phosphatausstoss einzuhalten, muss die Produktion effizienter werden. "Das heisst mehr Milch bei weniger Input", sagt Romijn. Die Natur, aber auch die Gesellschaft, setze Grenzen. "Daher kann nicht jeder Betrieb grösser werden. Aber er könnte effizienter werden und beispielsweise mehr Milch mit weniger Arbeitskräften produzieren."

"Bauern werden sich mit der Frage beschäftigen müssen, wie sie ihre Produktion bei gleichbleibender Produktionsfläche vergrössern können. Kaufe ich Silofutter oder produziere ich selbst?" Romijn ist aber nicht sonderlich besorgt. "Die Stärke des holländischen Milchsektors liegt bei unseren Bauern. Wir sind Unternehmer. Die meisten Höfe sind bereit seit Generationen in der gleichen Familie. Es liegt uns in den Genen. Wir geben so leicht nicht auf."

Exportquote soll auf 75 Prozent steigen

Wegen der steigenden Produktion suchen die Niederlande neue Absatzmärkte. "Die holländische Nachfrage wird nicht wachsen, also müssen wir nach neuen Märkten ausserhalb der Europäischen Union suchen. Dies geschieht bereits", sagt Romjin. Die globale Nachfrage nach Milchprodukten steigt. Romijn ist der Meinung, dass der niederländische Milchsektor sich gut mit anderen Ländern messen kann.

Aktuell bereits exportieren die Niederlande zwei Drittel aller Milcherzeugnisse ausserhalb der EU. In der Zukunft werden es um die 75 Prozent sein, prophezeit Romijn. "Wir sind nicht günstig aber wir haben eine gute Qualität und einen guten Ruf. In China tragen die Menschen Mundschutzmasken. Wenn sie in der Werbung für niederländische Milch Bilder von unseren Kühen auf grünen Weiden sehen, wird das einen Effekt haben. Unsere Milch ist gesund und naturbelassen."

Kooperation entlang der Wertschöpfungskette

Wissen und Innovation werden als treibende Faktoren die Zukunft der holländischen Milchproduktion definieren. Jedoch müsse der Sektor anfangen, geschlossen zusammen zu arbeiten, meint Romijn. "Die Marke unserer Milch muss "Made in Holland" sein, anstatt produziert von diesem oder jenem Unternehmen. Um Risiken beim wachsenden Exportgeschäft zu vermeiden, haben verarbeitende Unternehmen bereits ihre Anforderungen gehoben.

Die gesamte Wertschöpfungskette muss sich anpassen. Nicht nur Milchbauern, auch Futterlieferanten, Händler und so weiter. Die gesamte Produktionskette muss die Qualität und das Image fördern. Indem wir zusammenarbeiten, können wir aus unserer Marke einen Mehrwert generieren und Risiken mindern." Einige Bauern müssten das noch lernen. "Sie sehen die verarbeitenden Unternehmen als ihre Kunden, nicht den Endkonsumenten. Das muss sich ändern. Unsere neuen Kunden werden auf der ganzen Welt verteilt sein."

Weidegang ist wichtiger Faktor

Die Abschaffung der Milchquotenregelung ist eine Chance für den holländischen Milchsektor, sagt Jan Maarten Vrij, Leiter der Abteilung für internationale Milchangelegenheiten des holländischen Molkereiverbandes NZO. Die Organisation vertritt dreizehn Milchunternehmen in den Niederlanden, welche 98 Prozent der gesamten produzierten Milch verarbeiten. "Die globale Nachfrage nach Milchprodukten steigt, besonders in Asien oder Afrika. Die Bevölkerung wächst, deren Wohlstand auch. Die Aussichten sind gut", sagt Vrij.

"Neben grossen Milchproduzenten wie den USA oder Neuseeland kann sich Holland auf dem Milchmarkt behaupten. Wir sind für unsere konstante und gute Qualität bekannt. Wir nutzen innovative Technologien und sind führend in der Nachhaltigkeit."

Auch dank der hohen Ansprüche der holländischen Konsumenten. "Der Weidegang ist ein typischer und wichtiger Faktor in den Niederlanden. Milch von weidenden Kühen wird von holländischen Konsumenten mehr geschätzt als Milch von Kühen, die das ganze Jahr im Stall gehalten werden", meint Vrij. Im Jahr 2013 hielten 80% der holländischen Milchbauern ihre Kühe im Freiland.

"Nachfrage bleibt höher als Produktion"

Aufgrund der günstigen Aussichten für die Niederlande erwartet Vrij eine Produktionszunahme nach Abschaffung der Milchquote: "Die Milchverarbeiter expandieren bereits und erweitern ihre Produktionsstätten. Bauern bauen ihre Produktion aus und steigern die Produktivität." Doch auch hier gibt es Grenzen.

"Wir müssen uns an die Umweltvoraussetzungen halten und auf die Meinung von holländischen Konsumenten achten." Er ist zuversichtlich was die Milchpreise für holländische Milchproduzenten betrifft. "Die Produktionszunahme wird die steigende Nachfrage nicht decken. Die globale Nachfrage wird zu gross sein."

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