18.10.2016 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Ernährung
Nur bei Milchprodukten produzieren wir mehr als genug
Die Schweiz ist ein kleines, gebirgiges, aber trotzdem recht stark bevölkertes Land. Deshalb erstaunt es nicht, dass der Selbstversorgungsgrad bei den meisten Lebensmitteln relativ niedrig ist. Tendenz sinkend.

Die Schweiz hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche (ohne Alpweiden) von rund 1 Million Hektar. Dies bei einer – nota bene stark steigenden – Bevölkerung von aktuell rund 8,3 Millionen. Unser westliches Nachbarland Frankreich hingegen hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) von 29 Millionen Hektar bei einer Bevölkerung von rund 60 Millionen.

Fünfmal weniger Fläche

Anders ausgedrückt: Frankreich hat pro Person fast eine halbe Hektar zur Lebensmittelversorgung zur Verfügung. Die Schweiz hingegen nur gut 0,1 Hektar. Die Schweiz muss also auf der gleichen Fläche fast fünfmal mehr Menschen ernähren als Frankreich. 

Sicher: Frankreich ist ein Agrarexportland. Die Schweiz ist aber seit der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts ebenso ein Netto-Importeur von Lebensmitteln mit einem Selbstversorgungsgrad von unter 100%. Dabei muss unterschieden werden zwischen dem Brutto- und dem Netto-Selbstversorgungsgrad (siehe Kasten).

Der Brutto-Selbstversorgungsgrad ist in den letzten gut 20 Jahren leicht gesunken. 1990 betrug er noch 62 Prozent. 2013 – das letzte Jahr, für das das Bundesamt für Statistik (BFS) Zahlen liefert, betrug er noch 58 Prozent. Für die effektive Fähigkeit zur Selbstversorgung eines Landes ist aber der Netto-Selbstversorgungsgrad, bei dem der Import von Vorleistungen wie Futtermittel abgezogen wird, wichtiger. Und der ist im gleichen Zeitraum weit stärker gesunken. 1990 betrug der Wert noch 58 Prozent. 2013 war er auf nur noch 50 Prozent gesunken.

Tierische Produktion

Ein Blick in die Statistik zeigt zudem, dass die Fähigkeit zur Selbstversorgung je nach Produktionsrichtung höchst unterschiedlich ist. Während der Brutto-Selbstversorgungsgrad bei tierischen Produkten nach wie vor fast bei 100 Prozent liegt (2013: 97 Prozent), ist er bei der pflanzlichen Produktion sehr viel tiefer. 2013 konnten nur noch 41 Prozent der pflanzlichen Lebensmittel, welche wir benötigen, in der Schweiz produziert werden. Dabei gilt es zu beachten, dass natürlich die tierische Produktion nach Abzug der Import-Vorleistungen netto auch wesentlich tiefer wäre.

Bei genauerer Betrachtung fällt weiter auf, dass die Eigenversorgung innerhalb der tierischen Produktion höchst unterschiedlich ausgeprägt ist. Der Sektor mit dem höchsten Selbstversorgungsgrad ist die Milch. 2013 produzierten unsere Milchbauern 114,6 Prozent der Schweizer Inlandnachfrage. Kein Wunder, ist doch die Schweiz seit dem 19. Jahrhundert ein Käseexportland. Ebenfalls hoch ist der Wert für tierische Fette mit 96,8 Prozent. Schon deutlich tiefer ist der Inlandanteil von 83,6 Prozent beim Fleisch. Am anderen Ende der Skala steht der Fisch. Hier produziert die Schweiz nur 2 Prozent des eigenen Bedarfs.

Kaum Pflanzenfett

Auch bei der pflanzlichen Produktion gibt es grosse Unterschiede. Beachtlich ist der Inlandanteil von 74,4 Prozent bei den Kartoffeln. Bei Getreide haben wir 58,9 Prozent Eigenversorgung, während bei den pflanzlichen Fetten nur 20,8 Prozent im Land produziert werden.

Brutto und Netto

Die einheimische Nahrungsmittelproduktion der Landwirtschaft wird als Bruttoproduktion in Terajoules ausgewiesen. Brutto bedeutet, dass in den Zahlen auch die Nahrungsmittelproduktion enthalten ist, welche aufgrund importierter Futtermittel hergestellt wurde. Der Selbstversorgungsgrad wird definiert als Anteil der Inlandproduktion am inländischen Gesamtverbrauch. Beim Selbstversorgungsgrad netto wird nur jener Anteil der Inlandproduktion berücksichtigt, der mit inländischen Futtermitteln produziert wurde. sam


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