24.05.2020 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Palmölerzeugung reduziert Armut
Die Produktion oder den Handel mit Palmöl zu verbieten, sei keine nachhaltige Lösung, sagt der Göttinger Agrarökonom Professor Martin Qaim.

Vor einer einseitig negativen Bewertung der Palmölproduktion haben Forscher der Universitäten Göttingen und Hohenheim sowie der IPB University Bogor in Indonesien gewarnt. Ihre Auswertung von Forschungsergebnissen zu den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Effekten des Ölpalmenanbaus in Afrika, Asien und Lateinamerika habe zwar belegt, dass die Palmölproduktion zur Abholzung von Regenwald und zum Artenverlust sowie zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen beitrage, erklärte am Dienstag vergangenerWoche  der Göttinger Agrarökonom Professor Martin Qaim. Deswegen die Produktion oder den Handel mit Palmöl zu verbieten, „wäre aber keine nachhaltige Lösung“.

Denn die Ölpalme produziere auf der Fläche drei Mal so viel Öl wie Soja, Raps und Sonnenblumen. Bei einem Ersatz von Palmöl durch andere Öle bräuchte man also deutlich mehr Fläche und müsste zusätzliche Naturräume in Ackerland umwandeln. Daneben betonte Qaim die positiven wirtschaftlichen und sozialen Effekte der Palmölerzeugung.

Kleinbauern betroffen

Entgegen der oft vertretenen Auffassung würden Ölpalmen keineswegs nur auf industriellen Plantagen angebaut. Vielmehr werde rund die Hälfte der Palmölproduktion von Kleinbauern erzeugt. „Unsere Daten zeigen, dass der Ölpalmenanbau die Einkommen der Kleinbauern deutlich steigert und auch zu mehr Beschäftigung und höheren Löhnen für Landarbeiterfamilien führt“, berichtete der Wissenschaftler. Damit habe der Ölpalmenboom die ländliche Armut in den Anbauländern deutlich reduziert.

Der Hohenheimer Agrarökologe  Ingo Grass plädierte für eine umweltfreundlichere Gestaltung der Palmölproduktion. Diese müsse auf den bereits genutzten Flächen weiter hohe Erträge liefern, um die noch verbleibenden Regenwälder zu schonen. Auch Mosaiklandschaften, wo Ölpalmen mit Waldstreifen und anderen Natur- und Kulturpflanzen kombiniert würden, könnten zum Erhalt der Biodiversität und der Ökosystemfunktionen beitragen.

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