24.01.2014 06:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Margrit Renfer
Solothurn
Personentransport untersagt - Ungewisse Zukunft für Landwirtschaftsbetrieb
Der Landwirtschaftsbetrieb auf dem Aareinseli ist gefährdet. Eine Verfügung untersagt ab sofort den Personen- und ab Juni den Materialtransport mit der Fähre. Das Inseli ist nur über die Aare zu erreichen.

Nicht  jeder hat eine Insel. Verena und Simon Antener führen ihren Bio-Landwirtschaftsbetrieb auf einer Insel. Der Aareinsel im solothurnischen Selzach. Verena Anteners Urgrossvater hat sie 1907 mit dem 1872 gebauten Haus gekauft. Anteners halten Milchkühe, pflanzen Weizen, Karotten, Randen und bewirten seit 21 Jahren in der warmen Jahreszeit Gäste. Das Ehepaar hat vor 30 Jahren den Betrieb vom Vater der Bäuerin übernommen.

Fähre trägt 10 Tonnen

Zum landwirtschaftlichen Inventar gehörte die unentbehrliche Fähre. Das Gefährt, das an einem Seil befestigt und von Hand gezogen die Insel mit dem Festland auf Gemeindegebiet von Nennigkofen verbindet. Sie ist 33-jährig, eine Sonderanfertigung, in der Schweiz einmalig. Sie trägt 10 Tonnen, den Traktor der Familie Antener, die eingemieteten Maschinen, die Lohnunternehmer mit ihren Traktoren und die Gäste, die sich auf der 7 Hektaren grossen Insel ihr Fest organisieren.

Anteners planen den Betrieb umzustrukturieren. Mutterkühe, einen Partyraum, damit die Gäste bei schlechtem Wetter drinnen feiern können. Der Sohn, Obstbauer und die Tochter, Köchin und landwirtschaftlich ausgebildet, möchten den Betrieb weiterführen. Eine Voranfrage wurde vor einem Jahr gestartet. Diese verlangte zur genauen Beurteilung der Zonenkonformität eine definitive Eingabe. Der Planungsauftrag wurde vergeben. Im letzten Herbst kam die Fähre ins Gespräch. Anteners klärten eine Sanierung ab, die sich sich als schwierig und teuer erwies. «Es gab keine Garantie, dass die Fähre nach der Sanierung noch schwimmt» sagt Simon Antener.

Einem Berufsverbot gleich

Dann kam ohne jegliche Ankündigung der 27. Dezember 2013. Die Polizei brachte die vom 23. Dezember datierte Verfügung mit dem Boot. Per 31. Januar dürfen Anteners mit der Fähre keine Personen mehr transportieren, ab 1. Juni kein Material mehr. «Das kam einem Berufsverbot gleich» sagt Simon Antener. «Wen wollten wir in der Altjahreswoche kontaktieren, alle Ämter waren geschlossen» fügt Verena Antener an.

Sie hörte am Radio eine Sendung über das Jahr der Familienbetriebe und meldete sich in ihrer Not. Der Beitrag bewirkte eine Solidaritätswelle. Anteners hörten, wie sie mindestens eine Laieneinsprache einreichen könnten, die Medien machten auf das Schicksal aufmerksam. Mittlerweile haben Anteners Antwort auf ihre Einsprache erhalten. Der in ihren Augen total überbewertete Personentransport bleibt definitiv verboten. Der Materialtransport ist während des laufenden Verfahrens nur auf eigene Gefahr weiter erlaubt.

Keine grossen Zwischenfälle

«Es ist von Gefährdung von Leib und Leben und erheblicher Gefahr für Umwelt und Menschen die Rede und dass wir das Binnenwirtschaftsgesetz verletzt haben, jedoch nichts davon, was für Anforderungen gestellt würden, dass eine neue Fähre bewilligt würde. Wir wollen nichts anderes als genügend Zeit, um uns zu organisieren. Das Fährrecht besteht seit 1940. Die damalige und die heutige Fähre fuhren ohne grosse Zwischenfälle. 2002 ging eine Siloballenpresse baden, damals war die Polizei sofort zur Stelle, und jetzt wurde ‹per Zufall› festgestellt, dass sie nicht sicher sei. In unserer Haftpflichtversicherung ist die Fähre explizit erwähnt, der Schaden wurde übernommen. Heute sagt die Motorfahrzeugkontrolle (MFK), es bestehe kein Versicherungsschutz.»

Anteners haben sich mittlerweile eine Offerte einer niederländischen Werft beschaffen können. Die Kosten sind mit über 100'000 Franken für den kleinen Betrieb hoch. «Gerade musste ich wieder eine Anfrage für einen Hochzeitsapéro absagen. Mit unserem Motorboot können wir zu wenig Passagiere befördern» sagt die Bäuerin.

Viel Solidarität

Nach dem Schock haben Anteners nicht resigniert. Schliesslich habe vor Jahren einmal ein Polizist ein Fest bei ihnen organisiert. Und vielleicht hilft die von den Fans auf Facebook organisierte Spendensammlung mit einem Beitrag für eine neue, MFK-kompatible Fähre.

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