12.03.2014 06:28
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Fleischmarkt
Pferdefleisch kommt immer noch aus «Qualproduktion»
Ein Jahr nach dem Pferdefleischskandal berichtet der Tierschutzbund Zürich (TSB) noch immer von gequälten Pferden. An die Detailhändler Aldi, Avec, Denner, Migros und Spar richtet er deshalb die Forderung: Sie sollen nur Pferdefleisch aus Ländern importieren, welche die EU- und Schweizer Standards bezüglich Haltung, Transport und Schlachtung einhalten.

Vor einem Jahr berichtete der TSB über schlechte Bedingungen der Pferdefleischproduktion in den USA, Kanada, Mexiko und Argentinien. Neuste Kontrollen hätten ergeben, dass die Situation «unverändert inakzeptabel» sei, schreibt der TSB. Noch immer würden Pferde «systematisch gequält, vernachlässigt und nicht ausreichend versorgt». Am Dienstagabend hat der «Kassensturz» darüber berichtet.

Medizinische Versorgung nicht einkalkuliert

Die TSB-Recherche zeigt, dass sich die Produktionsbedingungen nicht verändert haben. „Noch immer werden kranke, verletzte und schwache Tiere über Tage ohne jede Versorgung transportiert und bleiben in den Sammelstellen und Mastanlagen sich selbst überlassen“, berichtet TSB-Projektleiterin Sabrina Gurtner. „Eine medizinische Versorgung ist nicht einkalkuliert bei Pferden, die ab neun Dollar auf US-Auktionen an sogenannte Kill Buyer verkauft werden.“

Nach tagelangen Transporten ohne jede Versorgung würden US-amerikanische Pferde entweder direkt im kanadischen Schlachthof Viande Richelieu (Lieferant von Aldi) oder in den Mastanlagen des Schlachthofes Bouvry Exports (Avec, Denner, Migros,
Spar) im kanadischen Fort Macleod.

Rechtliche Einflussnahme gering

„Im Prime Feedlot, der grössten Pferdemastanlage von Bouvry, findet unser Team eine tote Stute mit ihrem toten Fohlen. Der Verwesungszustand zeigt, dass sie seit mindestens vier Tagen dort liegen. Ein klarer Beleg dafür, dass seit Tagen nicht mehr kontrolliert wurde und keine medizinische Hilfe geleistet wurde“, kritisiert Sabrina Gurtner im Communiqué der TSB von Dienstag. „Aus diesem Pferch importiert die Schweizer Importfirma Skin Packing ihr Fleisch u.a. für die Migros und Spar."

Die rechtliche Einflussnahme auf die Produktionsländer in Übersee sei unrealistisch, schreibt der TSB. Er schlägt deshalb den Schweizer Detailhändlern vor, entweder ganz auf Pferdefleisch zu verzichten wie Volg und Lidl oder aber auf einen europäischen Lieferanten auszuweichen wie Coop.

Migros-eigener Pferdemastbetrieb

Wie eine Migros-Sprecherin auf Anfrage sagte, genügen die Bedingungen des heutigen Lieferanten in Kanada den Anforderungen des Tierschutzes tatsächlich nicht. Seit letztem Jahr baue man deshalb vor Ort einen neuen Pferdemastbetrieb auf, der im Sommer fertig sei.

Interne Fachleute und externe Kontrollstellen würden prüfen, ob das Tierwohl den Anforderungen entspreche, heisst es in einer Mitteilung. Sollten die Vorgaben bezüglich Tierhaltung, Transport, Schlachtung und Rückverfolgbarkeit nicht erreicht werden, werde Migros «die Verbindung nach Kanada abbrechen».

Detailhändler erklären sich

Spar hat gemäss einer Mediensprecherin nach den Hinweisen vor einem Jahr Abklärungen getätigt und «keine gravierenden Mängel festgestellt». Aufgrund der neuen Vorwürfe sei nun der Pferdefleisch-Import bis auf weiteres gestoppt worden. Pferdefleisch sei ohnehin nicht im Standardangebot gewesen, sondern nur vier bis fünf Mal jährlich bei Aktionen verkauft worden.

Ein Sprecher von Aldi Suisse erklärte auf Anfrage, es werde «so bald als möglich und spätestens im Sommer 2014» ausschliesslich Pferdefleisch importiert, das von der unabhängigen Organisation SGS zertifiziert ist. Der kanadische Schlachthof Viande Richelieu werde dann eingehend, wiederkehrend und unangemeldet kontrolliert.

In den Avec-Läden werden gemäss einer Valora-Sprecherin in äusserst kleinem Umfang Pferdefleischprodukte verkauft, die von der Skin Packing SA geliefert werden. Seit letztem Februar seien vor Ort verschiedene Kontrollen durchgeführt worden, um zu garantieren, dass die Tiere gut behandelt werden.

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