5.02.2016 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
TVD
«Praxis spricht für elektronische Ohrenmarke»
Ohrenmarke oder Implantat. Der elektronische Chip zur Tierkennzeichnung kann auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden. Christian Beglinger, Chef von Identitas, gibt Auskunft zur elektronischer Tieridentifikation.

«Schweizer Bauer»: Derzeit herrscht Unsicherheit, und es kursieren Gerüchte über einen möglichen Einsatz von elektronischen Ohrenmarken oder Chip-Implantaten beim Rindvieh. Was ist eigentlich der Unterschied?
Christian Beglinger: Die Technologie ist bei beiden genannten Systemen die gleiche, nur die Verpackung ist anders. Im Grunde ist es ein batterieloser Sender, der durch elektromagnetische Wellen angeregt wird, Informationen an ein Empfängergerät zu senden. Beim Chip wird dem Tier dieser Sender unter die Haut injiziert, und bei der elektronischen Ohrenmarke wird dieser in einer heute üblichen Ohrenmarke eingebaut.

Elektromagnetische Wellen. Besteht dabei für Tier oder Mensch irgendeine Gefahr?
Nein, keineswegs. Die heute üblichen Sender arbeiten im Niederfrequenzbereich, haben auch keine eigene Energieversorgung und bleiben stets wie ausgeschaltet. Erst durch eine aktive Abfrage mittels Empfänger kann man die auf dem Chip hinterlegten Informationen zum Tier abfragen.

Der Chip speichert also nicht fortlaufend Informationen?
Nein.

Also registriert dieser auch nicht die Bewegung eines Tieres?
Nein. Der Chip an sich misst keine Bewegungen. Aber man könnte theoretisch im Stall oder im Auslauf Empfänger installieren, eine entsprechende Software würde dann aufzeichnen und auswerten, wann oder wie oft ein Tier an einer bestimmten Stelle vorbeikommt.

Gibt es so eine Software bereits, oder ist Ihnen bekannt, dass eine solche in anderen Ländern oder bei anderen Tieren schon angewendet wird?
Meines Wissens nein.

Von wo kann man auf die Informationen eines einzelnen Tieres zugreifen?
Der Empfänger funktioniert bis auf eine Reichweite von etwa einem halben Meter.

Sie sagen, elektronische Ohrenmarke und Chip beinhalten das gleiche System. Ohrenmarken werden oft ausgerissen und müssen ersetzt werden. Falls ein elektronisches System in Zukunft zum Einsatz kommen sollte, wäre das ein Argument für den Chip?
Das Problem ist die Weiterverarbeitung der Tiere. Sie müssen sich vorstellen, dieser Chip hat die Grösse eines Reiskorns und bleibt im Körper des Tieres nicht stets an der Stelle, wo man ihn einpflanzt. Wenn es zur Schlachtung kommt, kann es sehr aufwendig werden, den Chip im Schlachtkörper wiederzufinden. Dies muss man aber unbedingt, denn keiner will, dass der Konsument diesen schliesslich in seinem Hamburger wiederfindet. Zudem hat man mit einem Chip den Nachteil, dass die Tiere rein optisch nicht mehr für jedermann zu identifizieren sind. Man wird komplett von der Technik abhängig.

Also spricht mehr für die elektronische Ohrenmarke?
Aus Sicht der Praxis ja.

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