28.11.2016 11:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Nischenproduktion
«Preise drücken kann jeder – wir wollen Mehrwerte»
Wer an der Marktfront Erfolg haben will, braucht Know-how. Profis geben am Strickhof Tipps, wie der Start gut gelingen kann.

«Die Wertschöpfung soll auf dem Betrieb möglichst hoch sein». Angesichts heutiger Produzentenpreise ist dies immer häufiger das Credo landwirtschaftlicher Betriebe. Durch den direkten Vertrieb ab Hof lassen sich heute deutlich höhere Deckungsbeiträge erzielen. Und der direkte Kontakt zwischen Konsument und Produzent entspricht überdies dem heutigen Zeitgeist des für regionale Produktion sensibilisierten Konsumenten.

Beratung zu empfehlen

Im Gespräch mit erfolgreichen Direktvermarktern wird einem aber eines immer wieder unmissverständlich vor Augen geführt. Der Direktverkauf ist Knochenarbeit, die Leidensfähigkeit bis zum Aufbau eines festen Kundenstammes müsse sehr hoch sein. Auch oft ins Feld geführt wird das Argument, dass man gar nicht erst anfangen solle, wenn man die Sache nicht gewillt ist, professionell anzugehen. Da in den Bereichen Verarbeitung, Logistik, Kalkulationen oder Marketing branchenfremde Kompetenzen gefragt sind, ist es in jedem Fall hilfreich, eine professionelle Beratung beizuziehen.

Der Strickhof führt beispielsweise Anfang Dezember den Wertschöpfungstag durch, wo Vermarktungsprofis ihre Erfahrungen zum Besten geben werden (vgl. Kasten). Unter ihnen wird auch Andi Lieberherr sein, der Mann hinter dem Erfolgslabel RegioFair (vgl. Kasten). Auf Anfrage lässt sich Lieberherr bereits einige für die Vermarktung relevante Erfolgsfaktoren entlocken. «Man muss von Anfang an eine klare Linie haben, ohne dabei anzuecken». Für den RegioFair-Geschäftsführer bedeutet dies zum Beispiel, dass er den Grossverteilern konsequent aus dem Weg geht, um sich so seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Strickhof-Tagung

Am Freitag, 9. Dezember, findet am Strickhof in Lindau ZH der Wertschöpfungstag statt. Dabei werden unter anderem die erfolgsrelevanten Faktoren der Schweizer Nischenproduktion entlang der Wertschöpfungskette Ernährung thematisiert. Fachreferenten berichten über ihre Erfahrungen. Auch werden Stolpersteine bei der Neuausrichtung eines Betriebs sowie Anforderungen der Lebensmittelindustrie und des Handels eruiert. Anmeldungen unter: 058 105 98 04, susanne.ganz@strickhof.ch 

Klare Strategie wichtig 


Lieberherr, der über 20 Jahre für die Lebensmittelindustrie tätig war, ist sich heute sicher: «Wenn du mit einem Grossen zusammenspannst, verlierst du früher oder später.» Denn eines sei gewiss, man liefere sich in Sachen Mengen und Preis komplett aus, und wenn das Produkt dann beim Konsumenten auf einmal nicht mehr so gefragt sei, fliege man so schnell aus den Regalen, wie man reingekommen ist.

«Wir haben aber eine andere Motivation und Strategie. Wir wollen langfristige Mehrwerte für alle in der Wertschöpfungskette schaffen. Wollten wir die Gewinne kurzfristig maximieren, würden wir einfach die Preise bei den Lieferanten drücken, das kann jeder», so Lieberherr. Und trotz oder gerade, weil RegioFair diese äusserst konsequente Haltung seit über sechs Jahren fährt, sei man damit so erfolgreich unterwegs. Bald werde man RegioFair in der ganzen Schweiz kaufen können und so einen echten Mehrwert für die Bauern in deren Einzugsgebiet generieren. 

Regio Fair

RegioFair ist die Drehscheibe zwischen den Zentralschweizer Bio-Bauernhöfen und den Konsumenten in der Region. Sie verarbeitet, verpackt und vermarktet die unter dem Label RegioFair hergestellten Produkte. Momentan arbeitet RegioFair mit rund 80 Lieferanten und 120 Kunden zusammen. Das Sortiment umfasst gegen 500 Artikel. Die Organisation rund um RegioFair und «erlebnis agrovision« generiert heute rund 30 Vollzeitstellen. rab

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