24.03.2016 13:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Emmentaler
«Preissenkung ist fahrlässig und falsch»
Der Präsident der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland ist nicht bereit, beim Preis «seines» Käses Kompromisse zu machen. Weltweit seien Käufer für das Premiumprodukt mit dem Schweizerkreuz zu finden.

«Seit mehreren Jahren hören wir schon, dass man mit dem Emmentaler in Schwellenländern Fuss fassen will oder dass es in China Millionen von potenziellen Konsumenten gibt.»

An der Generalversammlung der Sortensektion Emmentaler der Milchproduzenten (SEM) waren es Aussagen wie diese, an welchen sich eine gewisse Verdrossenheit angesichts der weiter rückläufigen Absatzzahlen des Emmentaler AOP festmachen liess. Dem vorausgegangen waren die Referate von Heinz Wälti, Präsident der Sortenorganisation Emmentaler AOP (ES), und Kurt Nüesch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Embargo bleibt Problem

Nüesch, der einräumte, dass von der angekündigten Morgenröte momentan nicht viel zu sehen sei, zeichnete in der langen Frist aber erneut ein positiveres Bild. «Durch Bevölkerungswachstum und steigende Kaufkraft gehen Experten global von einem steigenden Milchmarkt im Umfang von rund 2 Prozent aus.» Kurzfristig aber würden das russische Handelsembargo und der starke Franken wohl hauptverantwortlich dafür bleiben, dass 2016 das schwierigste Jahr für die Schweizer Milchwirtschaft werden wird.

In diesem Zusammenhang unterstrich der SMP-Direktor sogleich die grosse Bedeutung der Lactofama und wie wichtig es sei, dass die SMP-Delegiertenversammlung am 12. April, deren weiteren Finanzierung zustimme. «Ich bin überzeugt, dass wir gerade in diesem Jahr die Massnahme brauchen.»

Massnahmen im Bereich Marketing

Nüesch zeigte in Olten auch, dass nicht nur abgeflachte Käseexporte die Butterlager ansteigen liessen, sondern auch eine Verschiebung innerhalb der exportierten Sortenkäse dazu beitragen würde. «Umgerechnet in Milchäquivalenten ist der Export heute gar rückläufig, weil vor allem die Ausfuhren von Hartkäse zurückgehen», betont Nüesch.

Massnahmen in den Bereichen Marketing oder Absatz seien deshalb zu entwickeln und umzusetzen. Innerhalb der Branchenorganisation Milch müsse zudem systematisch überprüft werden, wo man sich gegenüber dem Ausland noch abheben könne.

8.50 Fr. sind gerechtfertigt

Heinz Wälti, der mittlerweile seit 2 Jahren die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) präsidiert, stellte in Olten unmissverständlich klar, dass er auch in der aktuell schwierigen Situation nicht gewillt sei, von der Premiumstrategie abzurücken und unter keinen Umständen eine Preissenkung in Kauf nehmen wolle. «Ich wehre mich vehement gegen jede Preissenkung. Dies wäre schlicht fahrlässig und falsch.» Man habe schliesslich eines der besten Lebensmittel der Welt, und Wälti sieht auch einen Preis von 8 Franken oder 8.50 Franken als gerechtfertigt.

«Gerade in Zusammenhang mit Swissness sehe ich in Ländern wie China, Indonesien, Indien, Vietnam, wo Lebensmittel oft verunreinigt sind, Chancen, Käuferschichten zu gewinnen, die für den Emmentaler mit dem Schweizerkreuz einen entsprechenden Preis zu zahlen bereit sind.» Wälti ortet darüber hinaus auch in Ländern wie den USA, Kanada, den Benelux-Staaten, Brasilien oder der Türkei Wachstumspotenzial.

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