29.06.2019 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Organisation
Proviande kämpft für Inlandleistung
Das letzte Jahr hat der Schweizer Fleischbranche klimapolitische Diskussionen und witterungsbedingte Produktionsschwankungen beschert. Konkrete Massnahmen im Bereich Tierwohl, Nachhaltigkeit, Inlandleistung und Ernährung wurden an der Generalversammlung von Proviande erläutert.

Die 20. Generalversammlung der Branchenorganisation Schweizer Fleischwirtschaft Proviande wurde in der Safranzunft in Basel ausgetragen.

Nicht über Volumen

Der geschichtsträchtige Saal der Ehrenzunft der Metzger veranlasste Vizepräsident Lorenz Wyss dazu, die Anwesenden an die Anfänge von Bell zu erinnern. Bell, die als Ochsenmetzg in Klein-Hüningen gestartet hatte, sei seit 1869 ein wichtiger Vorreiter in der Branche und stehe noch immer für Qualität.

Wyss vermerkte, dass der Schweizer Fleischmarkt nicht durch Volumen bestehen könne, sondern indem die ganze Wertschöpfungskette gemeinsam auf ein anwenderfreundliches Angebot hinarbeite. "Die See ist stürmisch, und über mangelnden Gegenwind können wir uns nicht beklagen", sagte der Vizepräsident und betonte, dass es wichtig sei im gleichen Boot zu sitzen.

Forderung nach respektvoller Kritik

Andreas Brütsch, Präsident der Metzger-Ehrenzunft, erläuterte die Hintergründe des Basler Zunftwesens. Seit über 770 Jahren gebe es die Ehrenzunft der Metzger, sie gehöre somit zu den ältesten Zunften. Er sorgte für Erstaunen als er erzählte, dass die Weberzunft früher im selben Bach die Tücher gefärbt hatte, wie die Schlachtabfälle entsorgt wurden, nämlich in der nahe gelegenen Birsig.

Präsident Markus Zemp zeigte sich in seiner Eröffnungsrede stolz über die im Vergleich zum Vorjahr konstanten Zahlen beim Fleischkonsum. Es werde nach wie vor gegessen, jedoch weniger häufig, das zeige die Imagestudie. Schweizer Fleisch habe noch immer einen wichtigen Stellenwert in der Ernährung der Schweizerinnen und Schweizer, 94% gaben an, regelmässig solches zu konsumieren.

Diese Fakten seien in Anbetracht der immer agressiveren Aktivitäten von Tierschutz-Aktivisten bemerkenswert. Diese illegalen Aktivitäten dürfen nicht geduldet werden und sollen konsequent zur Anzeige gebracht werden, fordert Zemp. In seiner Austrittsrede betonte auch Claus Ullmann, austretendes Kommissionsmitglied und ehemaliger Geflügelproduzent aus Eschenz, dass Kritik wichtig sei, sie aber mit Respekt angebracht weden müsse.

Preisabschlag hochgeschaukelt

Zemp blickte auch auf 2018 zurück. "Eine grosse Herausforderung für die Branche waren die Auswirkungen der ungewöhnlichen Sommertrockenheit: Anfangs August begannen viele Produzenten aus Sorge um fehlende Raufuttermengen die Kuhbestände abzubauen", sagte er. Dies führte im August kurzfristig zu sehr hohen Kuhschlachtungen und entsprechendem Preisabschlag. Die Medien hätten diesen zu einer Panik hochgeschaukelt, kritisierte Zemp.

"Dank der Übernahmepflicht des Handels konnten die Produzenten auf den öffentlichen Schlachtviehmärkten ihre Tiere zu einem garantierten Mindestpreis verkaufen", fuhr er fort. Der Branche sei hoch anzurechnen, dass dank den verlängerten Betriebszeiten in den Schlachthöfen alle Kühe verwertet werden konnten. "Etwas mehr Schlachtkühe und etwas weniger Bankvieh wären für einen ausgeglichenen Markt wünschenswert", sagte Zemp.

Ein Kompliment sprach er den Schweineproduzenten aus, die es geschafft hätten, ihre Produktion den Marktrealitäten anzupassen und dieses Jahr von besseren Preisen zu profitieren. 

Gegen Abschaffung der Inlandleistung

Politisch beschäftigte die Branche unter anderem die Neuausrichtung der Agrarpolitik 22+, die eine Abschaffung der Inlandleistung als Kriterium bei der Vergabe von Zollkontingenten vorschlägt. Gegen diesen Vorschlag wehrt sich Proivande vehement.

"Erste Auswertungen der Vernehmlassung zeigen, dass vor allem die Abschaffung der Inlandleistung als Kriterium für Importrechte innerhalb der Zollkontingente auf wenig Verständnis gestossen ist", führte Zemp aus. Die Proviande geht davon aus, dass sie in der Botschaft an das Parlament nicht mehr vorgeschlagen wird. "Damit würden die aktuellen Rahmenbedingungen für die Fleischwirtschaft weiterbestehen. Dies zum Wohle der ganzen Branche", so Zemp.

Mit der Agrarpolitik 2014 wurde die (Wieder-)Einführung der Inlandleistung für geschlachtete Tiere beschlossen. 2007 wurde das System abgeschafft. Seit 2015 werden 40% der Kontingentsanteile für Fleisch von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden nach der Zahl der geschlachteten Tiere zugeteilt. Davon ausgenommen ist Koscher- und Halalfleisch. Die Wiedereinführung geschah unter der Ägide des Schweizer Fleischfachverbandes und des Schweizer Bauernverbandes.

Neu- und Ersatzwahlen

Der Vertreter der Geflügelproduzenten, Claus Ullmann trat auf die GV 2018 als langjähriges Mitglied aus dem Verwaltungsrat zurück. Die Generalversammlung wählte Adrian Waldvogel, Geflügelproduzent aus Stetten zu seinem Nachfolger. Für den vakanten Sitz der Schaf- und Lammfleischproduzenten wurde Peppino Beffa, Präsident des Schweizer Schafzuchtverbandes als Stellvertreter in den Verwaltungsrat von Proviande gewählt.

Als Vizepräsident für die Amtsperiode von einem Jahr wählte die Generalversammlung Oliver Engeli aus Engishofen. Er folgt auf Lorenz Wyss. Die Metreba AG in Dübendorf wurde als Revisionsstelle für eine weitere einjährige Amtsperiode bestätigt.

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