2.02.2019 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - ral /ats
Umwelt
Rares Wasser im Tank speichern
Die in den letzten Jahren trockenen und niederschlagsarmen Sommer führten immer wieder zu Wassernot auf den Alpen.

Wir erinnern uns noch zu gut an den letzten Sommer. Schlagzeilen machten die Runde: Die Armee fliegt mit Helikopternwochenlang Wasser auf Alpen in der Westschweiz, aber auch im Bündnerland. Die Brunnen für das Vieh laufen nur noch spärlich oder sind versiegt. Das wenige noch vorhandene Nass reicht jedenfalls hinten und vorne nicht mehr. Die Klimatologen mahnen, dass dieser Zustand vermehrt vorkommen, wenn nicht zur Regel werden würde.

Suche nach Lösungen

Das ruft nach Lösungen, Wasser als Vorrat zu speichern. Das kennt man in trockenen Ländern schon seit Jahrhunderten, im Wasserschloss Schweiz ist das noch eher unüblich. In diese Nische sind Firmen getreten, die Lösungen anbieten.

In der Romandie ist das der europaweit aktive Agrargrosshändler Beiser Environnement. In der Deutschschweiz hat sich die von den Hochsilos bekannte Firma Rotaver Composites AG in Lützelflüh-Goldbach BE auf Trinkwassertanks fokussiert. Jörg Graber, Geschäftsführer der Rotaver AG, bestätigt, dass die Nachfrage nach Systemlösungen der Wasserversorgung in den letzten Jahren stark angestiegen sei.

Beispiellösungen

Das kennt auch Beat Schuler, der hoch über dem Vierwaldstättersee auf dem Brunniberg in Seewen SZ seinen Heimbetrieb mit der noch höher gelegenen Sömmerungsalp  bewirtschaftet. «Im letzten Sommer bekamen wir die Trockenheit zu spüren. Die ohnehin nicht sehr ergiebige Quelle gab weniger her als in andern Sommern», erzählt Schuler. Da  sei es naheliegend gewesen, neben dem geplanten Neubau des Alpstalls  auch die Wasserversorgung sicherzustellen.

«Wenn wir schon bauen, dann richtig. Und wenn es öfter solche Sommer gibt, gibt uns das ein sicheres Gefühl», so der Landwirt. So wurde letzten Sommer ein 10000-Liter-Trinkwassertank erdverlegt. Etwas grösser, nämlich mit einem Fassungsvermögen von 50000l, kommt der Wassertank von Raymond Bühler aus Courtelary BE daher.

«Mein Betrieb liegt ausserhalb des Dorfes, wir haben keinen Wasseranschluss, aber eine eigene Quelle», so Bühler. Diese habe in den letzten fünf Jahren nicht mehr genügend Wasser geliefert.  Obwohl der Quellwasserüberfluss bereits in einem  6000-l-Tank  gesammelt wurde, habe es immer wieder Engpässe gegeben. Im Januar 2017 hat er deshalb den  Beiser-Tank gekauft. In diesem wird nun das Dachwasser gesammelt.  «Bei einem Niederschlag von 10 ml können aufgrund der Dachfläche rund 3000 Liter Wasser gesammelt werden, währenddem die Wassermenge bei der Quelle gleich bleibt – erst wenn es rund 60 ml regnet, läuft dort mehr  Wasser», so der Tête-de-Moine-Produzent.  

Extremfall schwierig

Trotz des grossen Fassungsvermögens seines zweiten Wassertanks sucht Bühler nach weiteren Lösungen. «Das Tanksystem funktioniert super, vorausgesetzt, es regnet», betont er. Bleibt der Regen aus – wie im Extremjahr 2018 –, kann sich der Tank nicht füllen. «Von Oktober bis Dezember letzten Jahres mussten insgesamt 200 Kubikmeter Wasser mit einem Camion auf den Betrieb gefahren werden, um die Wasserversorgung der 50 Milchkühe und 50 Rinder sicherzustellen», so der Betriebsleiter.

Für Extremjahre sei deshalb noch nicht vorgesorgt. Eine Möglichkeit sehe er in der Grabung nach einer tiefer gelegenen Quelle. «Dafür müssten wir aber mindestens 16 m tief graben und bräuchten eine Bewilligung», sagt Bühler.

Worauf achten

Ein erdverlegter Trinkwassertank mit beispielsweise 10000 Litern Inhalt inklusive Seiher, Ein- und Überlauf sowie Mannsloch für Servicearbeiten kostet zwischen 7000 und 9500  Franken. Dazu kommen Grab- und Verlegekosten für die Leitungen. Wichtig ist, dass   ein solcher Behälter zugelassen ist nach SVGW (Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfaches). Dies muss bei einem Audit vorgelegt werden können, wenn beispielsweise eine Alpkäserei oder eine Alpbeiz betrieben wird. ral

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