15.01.2015 13:41
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Luzern
Reuss: 28 Hektaren für Renaturierung benötigt
Im Kanton Luzern soll der Hochwasserschutz entlang der Reuss für 167 Millionen Franken erhöht werden. Die Regierung hat am Donnerstag ein Projekt für den 13 Kilometer langen Flussabschnitt von Emmenbrücke bis zur Kantonsgrenze in die Vernehmlassung geschickt. 28 Hektaren Landwirtschaftsland geht verloren.

Der Hochwasserschutz und die Renaturierung der Reuss zählten zu den wichtigsten Projekten im Kanton Luzern in den nächsten zwanzig Jahren, sagte der Luzerner Regierungsrat Robert Küng an einer Medienkonferenz. Es handle sich um einen massiven landschaftlichen Eingriff ins Reusstal.

Der Ausbau sei nötig, weil die Schutzbauten aus dem 19. Jahrhundert den heutigen Anforderungen nicht mehr genügten, sagte der Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor. Einem längeren Hochwasser würden die Dämme nicht mehr standhalten, sagte Küng. Die Regierung wolle das Risiko einer Überschwemmung des Reusstals mit Siedlungs- und Industriegebieten nicht eingehen.

Neue Dämme, Inseln und Wege

Das Projekt sieht vor, dass Dämme an einzelnen Stellen neu aufgebaut, erhöht und verstärkt werden. Grösstenteils soll der Fluss aber mehr Platz erhalten und breiter werden. Neben mehr Kapazität bietet dies auch die Möglichkeit, die Landschaft ökologisch aufzuwerten.

Für die Renaturierung werden 56 Hektaren oder 0,56 Quadratkilometer zusätzliches Land benötigt. Insgesamt sind gegen 400 Eigentümer und Bewirtschafter von Waldgebieten und Landwirtschaftsflächen betroffen. Ihnen will der Kanton Luzern Land abkaufen und wo möglich Ersatzland anbieten. Im schlimmsten Fall sehe das Gesetz auch Enteignungen vor, sagte Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Kanton Luzern.

Mit Humus Land aufwerten

Der bei der Umgestaltung anfallende Erdaushub soll unter anderem für die Rekultivierung von Landwirtschaftsland verwendet werden. Heute sei der landwirtschaftliche Boden an verschiedenen Orten entlang der Reuss durchnässt und nur bedingt für die Bewirtschaftung geeignet, schreibt der Kanton. Mit der Verwendung des Aushubmaterials soll den gesetzlichen Rahmenbedingungen Rechnung getragen werden.

Das Projektverantwortlichen haben nach Lösungen gesucht, die den grösstmöglichen ökologischen Nutzen und die grösstmögliche Sicherheit mit dem kleinstmöglichen Landverbrauch - insbesondere von landwirtschaftlichem Boden - erzielen. Der Landverbrauch wird auf der 13,2 Kilometer langen Strecke auf 28 Hektaren Waldflächen und 28 Hektaren Landwirtschaftsflächen geschätzt. Hinzu kommen 37 Hektaren umgenutzte Flächen.


11 Jahre Bauzeit

Die Kosten für das Vorhaben werden auf 167 Millionen Franken geschätzt. Nach Angaben der Luzerner Regierung kommt der Bund für bis zu 80 Prozent der Kosten auf. Mit einer Realisierung rechnen die Behörden Anfang der 2020-er Jahre. Die Bauzeit wird auf elf Jahre veranschlagt.

Bei der Projektierung wurden verschiedene Interessen berücksichtigt. In einer Begleitgruppe sind dutzende Verbände, Gewerbebetriebe und staatliche Stellen vertreten. Involviert sind neben dem Kanton Luzern und neuen Gemeinden auch die Kantone Aargau, Zug und Zürich.

Folge von Hochwasser 2005

Das nun in die Vernehmlassung geschickte Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» ist eine Folge des Hochwassers von 2005. Damals habe sich gezeigt, dass die Abflusskapazität der Flüsse zu gering war, sagte Naturgefahren-Spezialist Albin Schmidhauser.

Bei den Überschwemmungen 2005 kamen im Kanton Luzern zwei Feuerwehrleute ums Leben und es entstanden Schäden von einer halben Milliarde Franken. Ein Hochwasser im Reusstal würde Schäden an öffentlichen Bauten von über 275 Millionen Franken anrichten, erklärten die Projektverantwortlichen.

Wasserspiegel senken

Mit dem Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» leben die Luzerner einer neuen Philosophie des Bundes nach. Bis spät ins 20. Jahrhundert wurden Gewässer mit hohen Dämmen eng kanalisiert. Dies führte aber unter anderem zu Rückstaus in Zuflüssen und Verschmutzungen im Grundwasser.

Mit dem neuen Projekt soll der Flusslauf verbreitert und so der Wasserspiegel gesenkt und das Risiko für Hochwasser minimiert werden. Im Vordergrund steht der hohe Schutz von Siedlungen und wichtigen Bauten, Wald und Wiesland hingegen werden stellenweise der Überflutung überlassen.

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