4.08.2015 12:19
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Handel
Rus: CH-Agrarexporte nehmen wieder ab
Vor einem Jahr hat Russland ein Importverbot für Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Früchte aus dem EU-Raum verhängt. Schweizer Agrarproduzenten witterten zunächst das grosse Geschäft - für viele ist das Abenteuer Russland aber bereits wieder vorbei.

Die Exportstatistik für Agrarprodukte zeigte zunächst nach oben: 1722 Tonnen Fleisch exportierte die Schweiz von Juli 2014 bis Juli 2015 nach Russland. Das sind rund zehnmal mehr wie im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor, wie aus der aktuellen Aussenhandelsstatistik der Schweizerischen Zollverwaltung hervorgeht.

Exporte hatten sich vervierfacht

Bei anderen Agrarprodukten wie Obst, Gemüse und Milchprodukten sieht die Tendenz ähnlich aus; die Exporte nach Russland vervielfachten sich im zweiten Halbjahr 2014. Grund dafür: Am 7. August 2014 beschloss Russland ein Importverbot für Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse aus der EU und den USA, Kanada und Australien.

Russland reagierte damit auf die Sanktionen, welche die EU und die USA im Zuge der Ukraine-Krise gegen das Land verhängt hatte. Die Schweiz betrifft das Import-Verbot nicht. Sie wendet auch die von der EU beschlossenen Sanktionen nicht an, hat jedoch Massnahmen ergriffen, welche Umgehungen verhindern sollen.

Exporte nun wieder eingebrochen

Nach dem Anstieg der Exporte folgte aber der Rückgang. Dies unter anderem wegen dem russischen Rubel, der letzten Dezember massiv an Wert verloren hat - aber auch wegen dem starken Franken, welcher Schweizer Produkte für russische Importeure teuer macht. Das sagen Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF), und Marc Wermelinger, Geschäftsführer des Verbands des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (Swisscofel) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Im Obst- und Gemüsehandel könnten die Schweizer nicht mehr mit Konkurrenten aus der Türkei, dem Iran oder China mithalten, sagt Wermelinger.

Seit Mai 2015 gebe es zudem einen faktischen Importstopp für Fleisch nach Russland, sagte Hadorn. Dies weil die russischen Behörden die administrativen Hürden erhöht hätten. Im Mai wurde auch der Fall eines Händlers publik, der Fleisch aus der EU mit einem gefälschten Schweizer Label nach Russland liefern wollte. Die russischen Behörden kamen der Fälschung aber auf die Spur - und in den Kantonen Bern und St.Gallen wurden deswegen Strafanzeigen eingereicht.

Strenge Kontrollen

Auch Swisscofel-Geschäftsführer Wermelinger berichtet von strengen Herkunftskontrollen und aufwendigen Übersetzungen von Zertifikaten und Verträgen im Russland-Geschäft. Für die Obst- und Gemüsehändler sei dieser bürokratische Aufwand zu gross gewesen. Während im zweiten Halbjahr 2014 zwischen 4000 und 5000 Tonnen Obst und Gemüse nach Russland exportiert worden seien, lieferten die Schweizer Händler seit Dezember fast nichts mehr, sagte Wermelinger.

Ohnehin habe sich die Menge des exportierten Gemüses und Obstes im Promillebereich der Inlandproduktion bewegt - der Handel mit Russland sei mehr ein Versuch gewesen denn ein langfristiges Projekt. Auch die Fleischexporte machten laut Hadorn nur rund 0,2 Prozent des gesamten Fleischkonsums hierzulande aus.

Für Russland ist Schweiz untergeordnet

Die Schweiz produziere mengenmässig zu wenig, um für das russische Importgeschäft eine grosse Rolle zu spielen, bilanziert Christine Badertscher, Mitarbeiterin Agrarwirtschaft beim Schweizerischen Bauernverband. Sie beobachtete den Exportanstieg und anschliessenden Rückgang auch beim Käse.

SFF-Direktor Hadorn findet das Geschäft mit Russland auch aus geopolitischen Gründen und aufgrund der Gefahr von Umgehungsgeschäften als äusserst heikel: «Der SFF unterstützt diese Exporte nicht aktiv - aus Rücksicht auf die für uns bedeutenderen Handelspartner EU und USA.»

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