17.12.2014 17:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Detailhandel
SBV: „Kritik von Migros-Chef unqualifiziert“
Migros-Chef Herbert Bolliger kritisierte die Bauern in der jüngsten Ausgabe der „Schweiz am Sonntag“ heftig. Diese würden den Markt abschotten. Der Schweizer Bauernverband setzt sich in einem offenen Brief zu den Vorwürfen von Bolliger zur Wehr.

«Den Bauern geht es nicht um mehr Qualität oder Swissness, sondern viel mehr um Protektionismus», so die deftige Aussage des Migros-Chefs. Die Preisdifferenz zum Ausland werde so noch grösser. Dies sei gefährlich. Besonders beim Fleisch seien die Unterschiede sehr gross. Dadurch würden die Konsumenten ins Ausland getrieben, so Bolliger

Tiefer Selbstversorgungsgrad

Am Schluss schrumpfe die Produktion in der Schweiz. «Da können die Bauern noch lange mit Swissness und hohen Qualitätsstandards kommen, den Einkaufstouristen ist das egal. EU-Standards genügen ihnen vollkommen», moniert Bolliger.

Diese Aussagen sorgen in bäuerlichen Kreisen für viel Gesprächsstoff. Der Schweizer Bauernverband (SBV), der die Initiative mit dem Verein für eine produzierende Landwirtschaft lanciert hat, reagiert mit einem offenen Brief auf die Kritik von Herbert Bolliger. Die Initiative sei dazu da, die inländische Lebensmittelproduktion zu stärken. „Dies scheint uns angesichts eines Nettoselbstversorgungsgrades von 60 Prozent absolut berechtigt“, so der SBV. Dieser dürfe aufgrund der absehbaren weltweiten Verknappung von Lebensmitteln nicht mehr weiter absinken.

Nachgelagerte Stufen als Kostentreiber

Die Worte Protektionismus und Abschottung sind für den SBV völlig deplatziert. Der tiefe Selbstversorgungsgrad und die offenen Grenzen beim Käse beweisen das Gegenteil, so der Verband.

Auch dem Vorwurf der hohen Fleischpreise wird entgegnet. Die Fleischpreise wären sogar dann teurer als in umliegenden EU-Ländern, wenn die Schweizer Bauern die Tiere gratis abgeben würden. „Auch die Migros-Tochter Micarna und die Migros-Filialen müssen in der Schweiz höhere Löhne oder Mieten bezahlen“, so der SBV. Für die hohen Preise seien somit nicht nur die Bauern, sondern insbesondere die nachgelagerten Stufen hauptverantwortlich. „Gerade mal 25 Prozent des Konsumentenfrankens landen heute beim Produzenten. Vor 25 Jahren waren es noch knapp 40 Prozent“, macht der SBV deutlich.

Kampagne zu Wert von Lebensmitteln lancieren

Die Detailhändler verwenden oft romantische Bilder der Landwirtschaft für ihre Werbekampagnen. Und oft wird die gute Partnerschaft zwischen Produzenten und den Verarbeitern hervorgehoben. „Dies auch unlängst bei Gesprächen zwischen dem SBV und der Migros“, hält der Verband fest.

„Wir empfehlen Ihnen (Red. Herbert Bolliger), anstelle von undifferenzierten und unqualifizierten Vorwürfen an die Landwirtschaft, einmal eine breit angelegte Kampagne über den Wert von Lebensmitteln zu lancieren“, so die unmissverständliche Botschaft. Zudem solle erwähnt werden, dass weniger als sieben Prozent des Haushaltbudgets für Lebensmittel ausgeben werde.  „Ein weltweiter Tiefstwert“, heisst es weiter.

Der SBV ist sich aber der Wichtigkeit der Migros aber bewusst. Gut ein Drittel der Produktion wird von der Migros abgenommen. Die Landwirtschaft wolle die Partnerschaft mit Migros fortsetzen und vertiefen. Unhaltbare Vorwürfe seien aber eine schlechte Basis. „Es benötigt eine gemeinsame Suche nach Lösungen und intelligente, zukunftsorientierte Projekte zugunsten der inländischen Produktion“, heisst es im Brief. Und hier stünden die Detailhändler in der Pflicht.

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