22.09.2014 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Lanz
Milchmarkt
Schweizer Milchmarkt – es gibt noch viel zu tun
An einem Agridea-Kurs wurden am letzten Mittwoch im Strickhof Wülflingen Strategien und Konzepte zum Milchmarkt diskutiert. Dabei haben die zahlreichen Teilnehmenden wichtige Impulse erhalten.

Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft BLW, skizzierte eingangs die künftige Milchstrategie und ging auf den Bericht des Bundesrats «Gegenseitige sektorielle Marktöffnung mit der EU für alle Milchprodukte» ein. Der Kontext ist bekannt: Im nationalen Milchmarkt wirken seit der Liberalisierung der Produktion die Marktkräfte massiv.

Unsicherheiten

Der gegenseitige freie Marktzugang Schweiz-EU beim Käse beeinflusst den Schweizer Milchmarkt. Der Bundesrat hat in diesem Zusammenhang eine neue Diskussion über die «gegenseitige Marktöffnung der weissen Milchproduktlinie» lanciert. Die Talfahrt der Milchpreise in der Schweiz konnte damit vorerst gestoppt werden, und auf den Weltmärkten sollten die Preisen mittelfristig steigen.

Aufgrund der Milchquotenaufhebung in der EU per 2015 und der wieder ansteigenden Milchmenge in der Schweiz bleibt indes mehr als ein Rest Unsicherheit. Wohin also soll die Reise in der Schweizer Milchbranche gehen, und wie entscheiden sich die Milchproduzenten und Milch verarbeitenden Betriebe aufgrund dieser Aussichten?

Trends nicht ignorieren

Daniel Weilenmann, Fachleiter Agrar- und Wirtschaftspolitik Emmi, ging auf Marktentwicklungen und Markttrends ein und umriss, wie sich Emmi darin positionieren will. Er erwähnte unter anderem Produktinnovationen, Marktentwicklungen sowie Produktzyklen im Markt von Käse und Frischprodukten und nahm gleichzeitig eine Einschätzung zu Zukunft und zu Lenkungsmassnahmen im Milchmarkt vor. Grundsätzlich, so Weilenmann, spielten im Marktumfeld verschiedene Faktoren eine Rolle, darunter Lieferanten, Mitwerber und Kunden.

Nicht ignoriert werden dürften sogenannte «Megatrends» wie Nachhaltigkeit, Genuss und Natürlichkeit. Sein Fazit: Der Wettbewerb nimmt auf dem Inlandmarkt und im Export laufend zu. «Wir stellen uns den Herausforderungen mit starken Marken und Innovationen, einem strikten Kostenmanagement, der Internationalisierung und bauen auf verlässliche Partner bei den Milchproduzenten.»

Keine Regulierung

Michel Pellaux, Generalsekretär der Cremo SA, referierte über die Dynamik im Markt für Butter und Trockenprodukte. Cremo setze auf Eigenprodukte und langfristige Geschäftsbeziehungen, betonte er. Auch er wagte eine Einschätzung zur Zukunft und zu Lenkungsmassnahmen im Milchmarkt. Für Magermilch sei keine Regulierung nötig, betonte Pellaux. «Allerdings braucht es eine Regulierung im Buttersektor, sonst sinkt der Schweizer Milchpreis.» Die einseitige Grenzöffnung gehe weiter, warnte er und bezeichnete diesen Zustand als langfristig unhaltbar.

Spannend und informativ

Die Veranstalter hatten sich mehrere Ziele gesetzt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten die aktuellsten Informationen über Strukturen, Zusammenhänge, Trends und Perspektiven im Milchmarkt erhalten. Dabei wurden wichtige Fragen rund um die Milchverarbeitung von ausgewiesenen Experten erläutert und in einen Kontext gestellt. Die Kursteilnehmenden hatten Gelegenheit, konkrete Fragen, Anliegen und Erfahrungen mit den Marktexperten und Branchenvertretern auszutauschen.

Der Kurs orientierte zudem über Zusammenhänge im marktorientierten und zunehmend von Weltmarktentwicklungen beeinflussten Schweizer Milchmarkt. Zudem wurden anhand von konkreten Beispielen Herausforderungen, Erfolgsfaktoren, Strategien sowie Instrumente zur Unterstützung von wegweisenden Entscheiden diskutiert. «Wir haben viel Spannendes erfahren und werden einiges mit auf den Weg nehmen», waren sich zwei der Kursteilnehmenden einig.

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