27.01.2015 12:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Schweizer Milchproduzenten alarmiert – Massnahmen gefordert
Die Freigabe der Frankenuntergrenze hat die gesamte Exportbranche gewaltig erschüttert. Auch die hiesigen Milchbauern werden dies zu spüren bekommen. Der Vorstand der Schweizer Milchproduzenten (SMP) fordert vom Detailhandel ein „reales“ Bekenntnis zur Schweizer Landwirtschaft. Vom Bund wird eine rasche Erhöhung der Schoggigesetz-Beiträge mittels Nachtragskredit verlangt.

Innerhalb von wenigen Sekunden wurden am 15. Januar Milliarden vernichtet. Und in vielen Branchen, die im Exportgeschäft, in der Maschinenindustrie oder Tourismus tätig sind, werden seither massive Margenverluste beklagt. Denn der Franken gewann innerhalb weniger Minuten gegenüber dem Euro und dem US-Dollar über 14 Prozent an Wert.

Geschlossenes Auftreten gefordert

Auch der SMP-Vorstand hat sich mit den kurz- und mittelfristigen Folgen dieser Frankenaufwertung befasst und misst diesen höchste Priorität zu. So sollen unnötige Preissenkungen und Wertschöpfungsverluste verhindert werden, teilen die SMP in einem Communiqué am Dienstag mit. Die Existenz von vielen Milchwirtschaftsbetrieben sei gefährdet, heisst es weiter.

Um den Schaden zu minimieren, fordern die SMP ein geschlossenes Auftreten der Milchproduzenten und der Vermarkter. Sonst drohe der Schweizer Milchwirtschaft eine massive Wertschöpfungsvernichtung, betont der SMP-Vorstand.

Als kurzfristige Massnahme fordern die Milchproduzenten eine Erhöhung des Erstattungssatzes beim Export von verarbeiteten landwirtschaftlichen Produkten auf 85 Prozent sowie ein Nachtragskredit I zur Aufstockung des bestehenden Kredits. Dieser reicht unabhängig der Währungssituation aber nicht aus, heisst es im Schreiben.

Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert

„Im Weiteren engagiert sich die SMP innerhalb der Milchbranche, zusätzliche Gegenmassnahmen für die rein wechselkursbedingten Auswirkungen der aktuellen Krise zu finden“, so die SMP. Konkreter werden diese noch nicht, da die Massnahmen derzeit ausgearbeitet werden. Vermutlich sollen sich nebst den Bauern auch andere Marktteilnehmer beteiligen.

Die SMP hält zudem fest, dass die Schweizer Milchwirtschaft als einziger Sektor einen hohen Exportanteil aufweise und aufgrund des Freihandels beim Käse dem direkten Wettbewerb ausgesetzt sei. Die Frankenaufwertung verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit nun massiv. Diesem Umstand trage die aktuelle Agrarpolitik „in keiner Art und Weise“ Rechnung. Der starke Franken mache aber einen Kurswechsel notwendig, um die Bedeutung der Milchproduktion zu erhalten, machen die SMP deutlich.

B- und C-Preis dürften deutlich sinken

Berechnungen von der Branchenorganisation Milch (BOM) zeigen, dass bei einem Dollarkurs von 88 Rp. der B-Milch-Preis gegenüber Dezember (Kurs 1.02 Fr.) um 2,5 Rp. auf 48,8 Rp/kg. sinken würde. Unter der Annahme, dass 13% der Schweizer Milch im B-Segment eingekauft werden, führt dies zu einer Wertschöpfungs-Vernichtung von rund 11 Mio. Fr., rechnete die BOM vor.

Beim C-Milch-Preis präsentiert sich die Situation noch dramatischer. Nebst dem Dollar- hat hier der Eurokurs eine verstärkte Wirkung auf die Preisbildung. Die BOM rechnet damit, dass ein Eurokurs von 1.02 Fr. bzw. ein Dollarkurs von 88 Rp. den C-Milch-Preis um 3,7 Rp. auf 20,1 Rp./kg. reduziert.

Die Preise im Inland werden durch Importe wie auch durch den Einkaufstourismus unter Druck geraten. Den Importdruck werden in erster Linie die gewerblichen Käsereien zu spüren bekommen.

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